Elias Eischer: Ass aus dem Flachland. Elias Eischer (13) gehört auf Langlaufskiern zur rot-weiß-roten Elite.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 17. April 2021 (05:29)
Elias Eischer im familieneigenen Garten in Höbenbach mit dem in dieser Saison gewonnenen Edelmetall.
Franz Aschauer, Franz Aschauer

Vier Medaillen bei österreichischen Meisterschaften in einer Saison: Die Leistungsbilanz von Elias Eischer spricht eine klare Sprache. Der Biathlet und Langläufer aus Höbenbach (Gemeinde Paudorf) hat sich in der Riege der österreichischen Schülerelite etabliert. Die NÖN begab sich auf Spurensuche, wie es der 13-jährige Flachlandbewohner zu einer der größten Nachwuchshoffnungen in gleich zwei traditionellen Wintersportarten schaffen konnte.

Die Leidenschaft für den Schnee liegt dem Schüler der Sportmittelschule Mautern im Blut. Mama Birgit und Papa Ronald kommen zwar ursprünglich von der leichtathletischen Mittel- und Langstrecke, sind aber auch begeisterte Langläufer. 2013 ging es für Elias zum ersten Mal auf die Loipe. Schnell machte sich sein Talent bemerkbar: „Bei einem der ersten Rennen haben wir ihn am Start in die hinterste Reihe gestellt. Ins Ziel ist er als Erster gekommen. Da waren wir schon überrascht“, erzählt Birgit Ei scher. Ihr sofort das „unheimlich gute Gefühl für den Schnee“ bei ihrem Sohn aufgefallen. „Der Traum von Elias war es immer, Ski unter den Füßen zu haben. Mit eineinhalb Jahren sind wir das erste Mal alpin Ski fahren gegangen mit ihm. Da hat er richtig gestrahlt.“

Neben einer außergewöhnlichen Grundveranlagung zeichnet Eischer vor allem die Bereitschaft aus, hart zu arbeiten. Für den Nominierten der NÖN Sportlerwahl 2020 ist das auch der Grund, warum der vergangene Winter sein bisher erfolgreichster war: „Ich habe das Training deutlich erhöht. Ich bin jetzt bei der Trainingsgruppe des Landesskiverbandes dabei. Das hat mir gutgetan.“

Schneetraining: Eine Stunde fahren ist normal

Dabei ist Trainieren für den Athleten des USC Atomic St. Leonhard leichter gesagt als getan. Zwar gibt es bei seinem Heimatverein im südlichen Waldviertel eine Langlaufloipe, der Schneemangel lässt hier aber nur selten Einheiten zu. Fahrten über eine Stunde, um zu trainieren, sind für die Eischers Normalität. Gutenbrunn (Bezirk Zwettl), Karlstift (Bezirk Gmünd) und Gscheid (Bezirk Lilienfeld) sind die am nächsten gelegenen Optionen. Der schneearme Winter in Niederösterreich zwang die sportbegeisterte Familie aber auch zu Trainings in Liebenau (Oberösterreich) oder St. Jakob am Walde (Steiermark).

Corona habe die Situation noch einmal verkompliziert, erzählt Birgit Eischer: „Man durfte ja nirgends übernachten. Davor haben wir oft ganze Wochenenden irgendwo zum Trainieren verbracht. Heuer bin ich dann mit Elias um 6Uhr in der Früh in die Ramsau gefahren und in der Nacht wieder heim.“ Eine Kunstschneeloipe in Niederösterreich würde ihr Leben deutlich vereinfachen, meint Eischer: „Wir sind als Eltern dahinter, weil wir Elias fördern wollen, aber sonst kann man das wirklich fast niemandem zumuten.“

Überhaupt abenteuerlich stellt sich Eischers Schießtraining für Biathlon-Wettbewerbe dar. In Ermangelung einer Schießanlage in der Region feuert der 13-Jährige in der elterlichen Garage mit dem Luftdruckgewehr auf die fünf schwarzen Scheiben – ein Wettbewerbsnachteil, der sich schon bald in Luft auflösen wird. Denn ab Herbst ist Eischer Schüler der Ski-Handelsakademie in Schladming, wo ihn ein professionelles Umfeld erwartet. Der mehrfache Medaillengewinner bei nationalen Langlauf-Meisterschaften wird sich in der Steiermark vorerst auf Biathlon konzentrieren – und seinem Kindheitsidol Martin Fourcade, einem der besten Biathleten aller Zeiten, nacheifern. Ei schers Fernziel: „In den Weltcup kommen und vorne mitfahren.“