Jakob Jochmann: „Freue mich auf volle Heimhalle!“. UHK-Regisseur und Jungarzt Jakob Jochmann will bei der WM in Ägypten aufzeigen und denkt noch lange nicht ans Karriereende.

Von Bert Bauer. Erstellt am 15. Januar 2021 (07:24)
Jakob Jochmann freut  sich  auf  die WM und denkt noch lange nicht ans Aufhören.
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Jakob Jochmann ist der einzige Kremser im rot-weiß-roten WM-Aufgebot in Ägypten. Die NÖN sprach mit dem 27-Jährigen über den bevorstehenden Großevent am Nil und seine Zukunft als Handballer und Arzt.

NÖN: Sie standen in Köln nicht im Kader für das zweite EM-Quali-Match gegen Deutschland. Was dachten Sie, als Österreich in der ersten Hälfte richtiggehend vorgeführt wurde?

Jakob Jochmann: Es schmerzte, auch wenn man selbst nicht auf der Platte steht. Jeder Sportler will aktiv dabei sein, um seinem Team zu helfen. Trainer Pajović, wollte diesmal noch Alternativen ausloten. Das muss man zur Kenntnis nehmen.

Könnte sich diese Abfuhr auf die Psyche der Spieler für die WM negativ auswirken?

Jochmann: Ich glaube, es war ein Schuss vor den Bug zur richtigen Zeit. Solche Phasen, wie die ersten dreißig Minuten gegen die Deutschen, dürfen uns einfach nicht mehr passieren. Eine Mut- injektion war es aber sicher nicht.

Gab es, abgesehen vom Kontakt in der Sporthalle, nähere Kontakte zu deutschen Spielern, zumal beide Teams auch gemeinsam mit einem Charterflugzeug nach Ägypten unterwegs waren?

Jochmann: Eher nicht. Wir wohnten schon in Köln in verschiedenen Hotels, und auch im Flugzeug saßen wir streng getrennt. Die Deutschen vorne, wir hinten, was dem gegenwärtigen Ranking entsprach ...

Was weiß man über den ersten WM-Gegner, die USA?

Jochmann: Herzlich wenig. Das Videomaterial stammt von den letzten Panamerika-Spielen und ist daher nicht mehr aktuell. Die Mannschaft ist inzwischen eine ganz andere. Wir Österreicher sollten aber den Anspruch haben, diese Hürde trotzdem zu nehmen.

Im letzten Moment wurde nun doch entschieden, bei den WM-Spielen überhaupt keine Zuschauer zuzulassen. Wie stehen Sie als Arzt dazu?

Jochmann: Es war auf jeden Fall die bessere Lösung, die WM ohne Zuschauer auszutragen. Wir hätten hier als Indoor-Sport ein schlechtes Vorbild abgegeben.

In Krems sind Sie als erster Siebenmeterschütze vorgesehen. Beim ersten Match gegen die BRD in Graz haben sich Ihre Kollegen dabei nicht mit Ruhm bekleckert. Hat Sie Trainer Lajos Pajović da gar nicht auf der Rechnung?

Jochmann: Wir haben mit Thomas Weber, Julian Ranftl und Sebastian Frimmel drei hochwertige Schützen vom Punkt. Speziell für diese Aufgabe vorgesehen bin ich dafür vom Trainer nicht, möchte aber anmerken, dass ich im Teamdress bereits einen Strafwurf verwertet habe. Ob ich in der Nationalmannschaft demnächst wieder an der Siebenmeterlinie stehen werde, möchte ich dennoch nicht ausschließen. Freuen würde es mich allemal, wenn ich bei der WM die Möglichkeit dazu erhalte.

Seit kurzem ist Sebastian Feichtinger zum UHK Krems zurückgekehrt. Wie wird sich sein Comeback auf die zukünftige Performance der Mannschaft auswirken?

Jochmann: Auf jeden Fall positiv. Ich dufte mit „Sebo“ bereits ein Jahr in der Wachau zusammenspielen, bevor er den Verein verlassen hat. Nach dem Abgang von Aleksandar Glendža entstand im linken Rückraum eine Lücke, die er nun mehr als ausfüllt. Ich bin mir sicher, dass Sebo uns weiterhelfen wird. Außerdem habe ich vernommen, dass er in Krems sesshaft wird, was sehr gut in die Klubphilosophie des UHK Krems passt.

Sie sind seit kurzem Arzt und gleichzeitig Spitzenhandballer. Wie lange lässt sich diese Doppelbelastung mit Trainingseinheiten in Krems und diversen Nachtdiensten in einem Wiener Krankenhaus vereinbaren?

Jochmann: Derzeit klappt die Abstimmung mit meinem Arbeitgeber sehr gut. Der Handballsport bereitet mir nach wie vor große Freude.

Die Weltmeisterschaft in Ägypten hätte sich da zum Karriereausklang als Highlight richtiggehend angeboten ...

Jochmann: Daran habe ich nicht im Geringsten gedacht. Ich will nach dieser undankbaren Corona-Saison ohne Zuschauer in den Hallen zumindest noch eine Saison anhängen. Mir fehlen das Flair und die Stimmung mit den Fans in der vollen Kremser Sporthalle. Das will ich unbedingt mit meinen UHK-Teamkameraden bald wieder genießen können.