Medaille für „Fischerow“. Bei der Europameisterschaft in Moskau ging David Fischer erstmals für Bulgarien an den Start und holte Silber. Schwester Sarah muss sich mit Platz sieben begnügen.

Von Fabian Polland. Erstellt am 14. April 2021 (00:32)
David Fischer brillierte bei seinem internationalen Premierenauftritt für Bulgarien mit seiner Leistung im Stoßen. Sein gültiger Versuch über 210 Kilo brachte dem 22-Jährigen die Silbermedaille ein. :
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Nach 720 Tagen Pause stand der erste internationale Wettkampf für David Fischer auf dem Programm. Bei der Europameisterschaft in Moskau repräsentierte der Rohrendorfer zum ersten Mal die Farben seiner neuen Wahlheimat Bulgarien. Der 23-Jährige startete in der Kategorie 102 Kilo unter dem Namen David Fischerow.

Als David Fischerow steuerte der Rohrendorfer eine der 19 bulgarischen Medaillen bei den Titelkämpfen in Russland bei.
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Das Reißen begann Fischer mit 160 Kilo aufgrund der langen Pause mit etwas Vorsicht, er konnte sich jedoch auf bis 168 Kilo im dritten Versuch steigern. Die Last bedeutete in einer sehr starken Gruppe den sechsten Rang. Im Stoßen stand der Neo-Bulgare nach zwei gültigen Versuchen bei 210 Kilo. Im dritten Versuch erhöhte das bulgarische Lager auf 213 Kilo, doch ein etwas schlampiger Ausstoß verhinderte eine Sensation, denn ein gültiger dritter Versuch hätte Rang zwei im Zweikampf bedeutet. Am Ende bescherten die gültigen 210 Kilo Fischer aber sensationell die Silberne im Stoßen und immerhin den vierten Rang im Zweikampf.

Nicht ganz so rund lief es für Schwester Sarah, die in der Klasse bis 87 Kilo an den Start ging. Aufgrund der holprigen Vorbereitung auf die EM (die NÖN berichtete) begann das Fischer-Lager das Reißen mit 95 Kilo. Nach drei Versuchen standen am Ende gültige 99 Kilo, welche den neunten Platz bedeuteten. Auch im Stoßen hieß es behutsam sein bei der Gewichtswahl, denn man wollte keinen ungültigen Versuch und damit wichtige Punkte für die Olympiaqualifikation riskieren. Nach anfänglichen gültigen 118 Kilo scheiterte die 20-Jährige erst an der 123- Kilo-Marke, um sie schließlich im dritten Versuch doch noch auf die Bühne zu bringen.

In einem bewegenden Post auf Instagram erklärte die Rohrendorferin, warum sie sie trotz des vermeintlich enttäuschenden siebenten Rangs zufrieden ist: „Nach meinem Autounfall im Jänner und einem Monat Zwangstrainingspause aufgrund der Schmerzen in der Brust starb Ende Februar mein Großvater. Seit ich mit sieben Jahren mit dem Gewichtheben begonnen habe, war er bei jedem Training und Wettkampf dabei. Es war sehr schwer für mich, in der Halle zu sitzen und zu wissen, dass er nicht wiederkommt.“

Im Mai steht für Sarah Fischer die letzte Chance auf die Olympiaqualifikation an. Intensive Vorbereitungen auf den Wettkampf in Usbekistan sind im Laufen.