Freudentränen nach Regenschlacht . Für die Österreicher war der Schlusstag zu nass. Franzose Joel Stalter siegt im Adamstal erstmals auf der Tour.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 22. Juli 2020 (01:34)
Siegerehrung mit ÖGV-Präsident Peter Enzinger, GC Adamstal-Präsident Franz Wittmann, Euram-Bank-Chef Manfred Huber, Sieger Joel Stalter sowie NÖ Landesrat Jochen Danninger.
Kristian Bissuti

Schon vor seinem letzten Putt des Schlusstags verströmte der Franzose Joel Stalter Zuversicht. Siegesgewiss nahm er den Schläger aus den Händen seiner als Caddy fungierenden Verlobten Flora Peuch, selbst eine Proette, versenkte den Ball im Loch und grinste verschmitzt. Dass sein einzig verbliebener Verfolger, der Engländer Richard Mansell, sich mit einem Hole in One am letzten Loch der anspruchsvollen Anlage des GC Adamstal noch in ein Stechen retten könnte, daran verschwendete der 28-Jährige zurecht keinen Gedanken. Mit 14 Schlägen unter Par sicherte er sich als erster Franzose den Sieg bei den heuer zur European Tour und Challenge Tour zählenden Euram Bank Open im Adamstal vor Mansell, der zwei Schläge dahinter ins Klubhaus kam.

Als er den Siegerscheck über 85.000 Euro in Empfang nahm, zeigte Stalter dann aber Emotionen. Es flossen Freudentränen, handelte es sich doch überhaupt um seinen ersten Toursieg. „Dieser Sieg bedeutet die Welt für mich. Ich habe zwei sehr schwierige Jahre hinter mir, in denen ich nur Rückschläge einstecken musste, und jetzt stehe ich hier als Sieger da“, konnte er es selbst kaum fassen.

Stalter hat bereits 2011 im Adamstal gesiegt

Nach einem Jahr auf der Europatour 2017 hatte Stalter zuletzt ohne großen Erfolg auf der Challenge Tour gespielt. Dabei war der Uniabsolvent von Berkeley (Kalifornien) als Amateur mit fünf Siegen in den USA ein vielversprechendes Talent. Nun feierte er nach den Austrian Amateur Open 2011 schon seinen zweiten Sieg im GC Adamstal und erhielt die Tourkarte für die European Tour zurück. „Dieser Platz bringt mir offenbar Glück“, strahlte er. Seine Freundin habe großen Anteil am Erfolg. Die frühere Spielerin der Ladies European Tour habe ihn stets motiviert. „Sie hat einen super Job gemacht.“

Der Schlusstag hatte sich als irrsinnig schwierig für alle Spieler gestaltet, nur 16 von 65 blieben unter Par! Einzig Stalter schien bei seiner 68er-Runde der Dauerregen, der erst am späten Nachmittag nachließ, nicht zu stören. Nur am 15. Loch spielte er ein Bogey. Der Vortagsführende Robin Sciot-Siegrist spielte hingegen eine 75er-Runde ohne Birdie, was am Ende nur den geteilten dritten Platz mit dem Schweden Christofer Blömstrand und dem Deutschen Alexander Knappe.

Favorit Joost Luiten aus den Niederlanden hatte bereits den Freitag verpatzt (74 Schläge wegen eines 5-fach Bogeys am „Monster“ Hole 7). Im Regen spielte sich der achtfache Toursieger zwar wieder bis auf einen Schlag an die Spitze heran, doch ein Doppelbogey auf Hole 17 beendete seinen Traum vom Sieg endgültig, was sich in einem in den Wald gefeuerten Ball, einem nachgeschickten Schläger und einer kaputt geschlagenen Werbetafel entlud.

Zu jenen, für die es gar nicht lief, zählten auch alle vier Österreicher, die den Cut am Donnerstag geschafft hatten. Hausherr Sebastian Wittmann war bereits an diesem gescheitert. Der 26-jährige Salzburger Lukas Lipold rutschte nach verpatzter Schlussrunde (80 Schläge) gar vom 15. auf den 57. Platz zurück. „Das war heute nicht mein Tag. Man ist nicht immer in der Situation, als 15. ins Finale eines European-Tour-Turniers zu gehen“, macht er für den Pleiten-Pech- und Pannentag den großen Druck, den er sich dann auferlegt hatte, verantwortlich. „Dabei habe ich mich in der Früh noch sehr gut gefühlt. Aber dann haben die schwierigen äußeren Bedingungen dazu beigetragen, dass mir doch viele Fehler passiert sind“, versuchte er aber Positives mitzunehmen. „Ich weiß, was ich falsch gemacht habe und habe hier und letzte Woche in Atzenbrugg einiges für meine weitere Karriere gelernt.“

Der 30-jährige Lukas Nemecz spielte am Schlusstag erstmals über Par (72) und holte letztlich mit 5 unter Par als bester Österreicher Platz 24. „Es war heute leider sehr unwirtlich. Das ist natürlich nicht einfach für uns, aber damit müssen wir umgehen können. Wir haben in den letzten beiden Turnieren von 35 Grad bis zu heute 12 Grad und starken Regen alles erlebt. Dass ich noch so weit abgerutscht bin, ärgert mich natürlich. Ich habe immer versucht zu riskieren und dann auf 15 und 17 ein Doppelbogey und ein Bogey gespielt. Das hat schon sehr, sehr weh getan.“

„Habe versucht, mich über Wasser zu halten“

Routinier Markus Brier spielte am Samstag mit +1 die beste Runde der Österreicher und belegte letztlich Rang 50. „Es ist nicht unbedingt lustig, wenn es von der Driving Range in der Früh weg nur regnet, aber es ist nun mal kein Wunschkonzert“, war er mit dem Schlusstag trotzdem zufrieden. „Am Ende zwei Bogeys, aber sonst relativ solide gespielt. Das Erreichen des Cuts war ein Ziel, das ich erreicht habe. Der Rest ist mir leider nicht so aufgegangen. Da hab ich nur versucht, mich über Wasser zu halten.“

Timon Baltl spielte +5 und belegte am Ende mit 2 über Par Rang 56. „Das waren heute unglaublich schwierige Bedingungen“, hatte er vergeblich auf eine Unterbrechung gehofft. „Es ist eine Tatsache, dass ich heute nicht gut gespielt habe. Trotzdem nehme ich aus den beiden Turnieren in Atzenbrugg und hier im Adamstal sehr viel Positives mit. Es ist eine tolle Leistung der Veranstalter, dass sie die European Tour nach Österreich gebracht haben.“

Positiv bilanzierte auch Hausherr Franz Wittmann. „Im Vorfeld gab es viele Zweifler, ob wir in der Lage wären, ein Turnier der European Tour durchzuführen. Während des Turniers hat man mir aber für die Organisation und vor allem für den Zustand unseres Platzes höchstes Lob ausgesprochen. So meinte etwa Tour-Direktor Mikael Eriksson, er möchte, dass die Euram Bank Open im Adamstal auch im nächsten Jahr im European-Tour-Kalender zu finden sind. Natürlich wäre dies auch ein Wunschtraum von mir, schau‘n wir mal.“