Enthafteter Langläufer Dürr weiter unter Beschuss. Der Langläufer Johannes Dürr, der im Zuge des während der Nordischen WM in Seefeld aufgeflogenen Blutdopingskandal am Dienstag in Innsbruck festgenommen worden war, soll seit Jahren und bis zuletzt Eigenblutdoping betrieben haben.

Von Redaktion, APA. Update am 06. März 2019 (17:25)
NOEN, APA/EPA/ANDREA SOLERO

Dies teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Mittwoch mit. Dürr habe diesbezüglich laut der Anklagebehörde ein Geständnis abgelegt.

Weiterhin in Abrede stellte der Langläufer jedoch, andere Athleten an den deutschen Sportmediziner Mark S. vermittelt zu haben.

Dürr wurde nach der Vernehmung noch in den späten Dienstagabendstunden wieder enthaftet, da laut Staatsanwaltschaft nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nicht anzunehmen ist, "dass er auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würde".

Dürr gestand laut StA. Eigenblutdoping 

Hajo Seppelt aus der ARD-Dopingredaktion erklärte in einem Video auf Twitter, dass Johannes Dürr im zweiten Halbjahr 2018 mindestens drei Eigenblutbehandlungen vornehmen habe lassen. Dies habe der Sportler dem Sender gegenüber auch bestätigt.

Einmal in Deutschland an einer Autobahnraststätte in Irschenberg, einmal in Pichl bei Schladming im Oktober und einmal im Dezember in der Schweiz.

Baldauf und Hauke belasten Dürr als Tippgeber

Im Interview mit der "Kronen Zeitung" haben die des Eigenblutdopings überführten österreichischen Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke hingegen erklärt, dass sie 2016 von Dürr von jenem deutschen Arzt in Erfurt erfahren hatten, der als mutmaßlicher Drahtzieher eines großen Doping-Netzwerks gilt. Die erste Blutabnahme soll im Sommer 2018 erfolgt sein.

"2016 traf ich Johannes Dürr erstmals seit dem Skandal um ihn wieder. Wir arbeiteten beide beim Zoll in Wien und gingen manchmal miteinander trainieren. Dabei redeten wir natürlich über das Langlaufen und in der Folge auch darüber, dass die Leistungen von Max und mir stagnierten. Dürr erklärte mir, dass es ohne Doping nicht möglich sei, an die Spitze zu kommen. Und dass uns sein Erfurter Arzt helfen könne", wird Baldauf in der Krone zitiert.

In der Folge hätten beide "diese Option ständig im Hinterkopf" gehabt, ergänzte Hauke. Man habe sich entschlossen, Kontakt zu dem Mediziner aufzunehmen. Es sei der "Beginn unseres Untergangs" gewesen. Die Blutabnahme erfolgte laut Baldauf im Sommer 2018, die Rückführung vor den Wettkämpfen im Winter. Alles sei "extrem professionell organisiert" gewesen, erklärte Hauke.

Hauke berichtete der "Kronen Zeitung", dass er keine einzige Kontrolle nach den Bewerben gehabt hätte, Baldauf eine, der Test sei negativ gewesen. "Es reicht, nach dem Rennen ein Glas Salzwasser zu trinken, dadurch wird das Blut so stark verdünnt, dass die Werte normal sind. Wer beim Blutdoping bei einem normalen Check auffliegt, muss ein Trottel sein."

Beide wollten sich für ihr Handeln entschuldigen. "Uns ist bewusst, dass wir enormen Schaden angerichtet haben. Für den Sport in Österreich und die Heim-WM", sagte Hauke. "Wir haben so viel kaputt gemacht und wir entschuldigen uns dafür. Wir bereuen zutiefst, dass wir gedopt haben", meinte Baldauf.

Liste bisher bekannter Sportler im Blutdopingskandal

Die bisher öffentlich bekannten Sportler, die in den Blutdoping-Skandal um einen deutschen Mediziner verwickelt sind und Geständnisse abgelegt haben (Stand Mittwoch, 6. März 2019):

Skilanglauf: Max Hauke, Dominik Baldauf, Johannes Dürr (alle AUT), Karel Tammjärv, Andreas Veerpalu, Algo Kärp (beide EST), Alexei Poltoranin (KAZ)

Radsport: Georg Preidler, Stefan Denifl (beide AUT)