Riegler mit sonnigem Blick auf Tokio-Paralympics. Der Texingtaler Josef Riegler ist derzeit im Süden Portugals, um in zwei Turnieren aufzuschlagen. Seine Teilnahme an den Paralympics in Tokyo gilt als sicher.

Von Michael Bouda. Erstellt am 12. Mai 2021 (02:32)

„Es ist wunderschön hier – jeden Tag blauer Himmel und 25 Grad“, lacht Josef Riegler beim Telefonat mit der NÖN, das er im Süden Portugals führt. Im bei Touristen beliebten Ort Vilamoura an der Algarve schlägt der 45-jährige Texingtaler Rollstuhltennisspieler seit vergangener Woche auf.

Wie war das Reisen in Corona-Zeiten? „Eigentlich war es kein Problem, aber es gibt viel zu beachten. Weil es derzeit nur wenige Flüge gibt, bin ich von München aus gestartet. Und in Deutschland gilt ein PCR-Test zum Beispiel nur 48 Stunden, nicht 72 wie bei uns“, schildert Riegler.

Deutlich größer sind die Einschränkungen aber vor Ort: Die Hotelanlage soll nur zum Tennisspielen verlassen werden, auch mit anderen Menschen soll man sich nicht treffen; dazu muss jeden Tag in der Früh online ein Formular ausgefüllt werden, in dem man versichert, dass man keinen Kontakt zu anderen Leuten hatte, und dann wird auch noch täglich auf der Tennisanlage Fieber gemessen.

Der Transport zwischen Hotel und Tennisanlage wäre eigentlich mit einem Shuttle geplant gewesen, Riegler und seine Mitstreiter konnten aber durchsetzen, dass sie die zehnminütige Fahrt mit dem Rollstuhl absolvieren dürfen. „Das ist eigentlich das Einzige, wo wir normal hinaus dürfen. Es ist schon mühsam“, sagt Riegler.

„Ich will nicht nur rüberfliegen, um dabei zu sein, sondern auch etwas zeigen. Zumindest eine Runde will ich gewinnen.“ Josef Riegler

So schwierig Corona-bedingt die Voraussetzungen sind, so erfreulich sind die Ergebnisse am Court. Zunächst stand von Mittwoch bis Samstag vergangener Woche ein internationales Future-Turnier am Programm. Im Einzel musste sich Riegler im Viertelfinale dem als Nummer eins gesetzten Adam Berdichevsky (Israel) 2:6, 2:6 geschlagen geben. Im Doppel zog er immerhin ins Halbfinale ein.

Seit Sonntag misst sich Riegler zusammen mit dem Wiener Nico Langmann und dem Tiroler Martin Legner im Rahmen der Qualifikation für die Team-Weltmeisterschaft, die Ende September auf Sardinien stattfinden soll. Dabei stand für das österreichische Team gleich die Begegnung mit Gastgeber Portugal am Programm. Riegler gewann 6:1, 6:2, Langmann legte mit 6:3, 6:0 nach, womit nun am Mittwoch das Derby gegen Deutschland im Semifinale folgt – vorausgesetzt, Deutschland gewinnt gegen Kenya. „Wir sind leichte Favoriten“, freut sich Riegler schon auf das Kräftemessen. Mit einem Sieg über das Nachbarland würden Riegler und Co. das Ticket für Sardinien lösen.

Der Hartplatz in Portugal ist dabei auch gleich eine ideale Vorbereitung auf das Highlight, auf das sich Riegler beinahe sicher freuen kann: die Sommer-Paralympics in Tokyo, wo sich voraussichtlich von 24. August bis 5. September die weltweit besten Sportler mit Behinderungen messen werden. „Zu 99,9 Prozent ist fix, dass ich hinfahre“, erklärt Riegler, der derzeit die Nummer 35 der Welt ist. Es kann damit gerechnet werden, dass die ersten 45 der Rangliste in Japan mit dabei sein werden, und da nur noch wenige Turniere stattfinden und höchstwahrscheinlich nicht mehr alle direkten Konkurrenten genügend Punkte sammeln können, gilt Rieglers Teilnahme als sicher.

Und Riegler ist euphorisch: „Ich will nicht nur rüberfliegen, um dabei zu sein, sondern auch etwas zeigen. Zumindest eine Runde will ich gewinnen.“ Der Texingtaler wird in Einzel und Doppel antreten.

Die Vorbereitungen dafür laufen längst. Über den Winter konnte Riegler als Spitzensportler dreimal pro Woche und je vier Stunden auf dem Court des Sportzentrums NÖ in St. Pölten trainieren. Zusätzlich gab‘s daheim Physio-Einheiten. Und nach der Rückkehr von Portugal wartet dann auch schon die heimische Anlage des UTC Texingtal.