„Harlekine“ sind jetzt Schwimmer in Not. In den letzten Jahren konnten die Leistungssportler des LAC Harlekin Mistelbach nach Breclav ausweichen. Das endet jetzt.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 09. Januar 2019 (01:50)
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Die „Harlekine“ in Breclav. Jürgen Babitsch (Dritter von rechts) stellte bisher ein professionelles Schwimmtraining für seine Mistelbacher Vereinskollegen auf die Beine. Das hört jetzt auf.

Da es im Bezirk Mistelbach kein Hallenbad mit einem Sport becken gibt, fährt eine Gruppe Ausdauersportler des LAC Har lekin schon seit Jahren am Samstagnachmittag über die Grenze nach Breclav, um im dortigen Bad an ihren Schwimmfähigkeiten zu arbeiten.

Das hat jetzt aber ein Ende, denn mit Jahresanfang ist es nicht mehr möglich, die Bahnen am Samstag zu reservieren, da die Verantwortlichen in Breclav diese nicht mehr sperren. „Unter der Woche können wir berufsbedingt natürlich nicht, und die zweite Alternative im Weinviertel, Korneuburg, ist 50 Kilometer entfernt. Das ist auch eine halbe Weltreise für ein Schwimmtraining“, seufzte LAC-Harlekin-Obmann Markus Reidlinger. „Es ist schade, dass Mistelbach als Schulstadt kein richtiges Hallenbad hat.“

„Es ist ein Armutszeugnis für den Bezirk, dass es keine entsprechende Infrastruktur gibt.“Katharina Hofmeister, LAC-Harlekin-Mitglied

Für die ersten Schwimmversuche gibt es im Bezirk zwar das Ladendorfer Hallenbad, dieses ist mit über 30 Grad Temperatur aber nur zum Babyschwimmen und für erste Versuche im kühlen Nass geeignet. Mit 17 Metern Länge ist an ein richtiges Sporttraining nicht zu denken.

Das ärgert auch „Harlekin“ Angelika Artner, staatlich geprüfte Schwimminstruktorin: „Schwimmen ist eine der gesündesten Sportarten. Seit zwei Jahren gebe ich im Freibad Schwimmkurse, die großes Interesse fanden. Die Nachfrage wäre auch im Winter gegeben.“ Allerdings weiß sie um die Problematik im Bereich Sport- und Freizeitschwimmen: „Manche Leute sagen mir, es ist ein Erlebnis- und Freizeit-, aber kein Schwimmbad. Ich finde diese Sicht sehr schade.“

Noch klarere Worte findet ein anderes LAC-Mitglied, Katharina Hofmeister: „Es ist definitiv ein Armutszeugnis, dass es im Bezirk keine entsprechende Infrastruktur gibt. Wo sollen die Kinder schwimmen lernen?“ Mistelbachs Sport-Stadtrat Florian Ladengruber kann derlei Bedenken verstehen: „Natürlich wäre ich alleine schon aufgrund meiner Funk tion für ein Hallenbad, aber das ist leider immer eine Kosten frage.“

Abschließend stellt Reidlinger fest: „Leider wird zum Thema Sport und Bewegung immer die einfache Ausrede bedient, dass alles zu teuer ist. Dass die Rechnung, Stichwort Prävention, nie bis zum Ende durchgedacht wird, ist wieder ein anderes Thema.“