Marlies Männersdorfer beendet ihre Karriere

Erstellt am 23. November 2022 | 03:03
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Obersdorfer Kunstturn-Ass Marlies Männersdorfer verabschiedete sich überraschend vom Leistungssport.

Knalleffekt in der österreichischen Turnszene: Marlies Männersdorfer aus Obersdorf beendet ihre Turnkarriere. Dabei ist es erst knapp ein Jahr her, dass sich Männers dorfer als erste Österreicherin für ein WM-Finale im Kunstturnen qualifizierte. Ihr 22. Platz im japanischen Kitakyushu war das zweitbeste österreichische Turnerinnen-WM-Mehrkampfergebnis nach der Bronze medaille von Gertrude Kolar 1951, vor 71 Jahren (damals noch ohne separat ausgetragenes Finale).

Wegen einer langwierigen Corona-Erkrankung und mehreren Verletzungen verpasste Männersdorfer alle Großereignisse 2022, zuletzt auch die WM in Liverpool, obwohl sie im Herbst bereits wieder voll im Training stand. Am vergangenen Wochenende gab sie an einem Nebenschauplatz, beim Gympies Cup in Belgien, nach fast 13 Monaten ohne Wettkampf ihr „Comeback“, das allerdings zugleich ihre – durchaus starke – internationale Abschiedsvorstellung sein sollte. Der allerletzte Wettkampf war die Vorarlberger Meisterschaft am vergangenen Samstag.

Was sagt Männersdorfer selbst dazu? „Ich habe in den letzten Wochen und Monaten bereits gespürt, dass es für mich nicht mehr so ist wie früher. Das Feuer hat nicht mehr so gebrannt, wie es notwendig ist.“

Ihre erfolgreiche Karriere begann in Gänserndorf

Für die 25-Jährige war abereines wichtig: „Ich wollte nicht verletzt zurücktreten, denn dann hätte ich mir später vielleicht selbst Vorwürfe gemacht. Daher habe ich mich in Wettkampfform zurückgearbeitet – um mir meiner Sache jetzt sicher zu sein. Der Rücktritt fällt mir zwar nicht leicht, doch ich weiß, dass es die richtige Entscheidung ist.“

Die in Wien geborene und als Kind im Weinviertel aufgewachsene Männersdorfer begann mit fünf Jahren beim SV Gymnastics Gänserndorf zu turnen. Dort brachte sie es bei ihrem Staatsmeisterschafts-Debüt 2013 bis zu Platz neun. Mit 17 Jahren wechselte die Obersdorferin 2015 wegen der besseren Trainingsbedingungen nach Vorarlberg, wo ihre Erfolgskurve rasch steil weiter stieg und sie bis heute ihren Lebensmittelpunkt hat.

Sie sammelte seit 2015 insgesamt zwölf Staatsmeistertitel, drei EM- und vier WM-Teilnahmen. Im Vorjahr wurde sie außerdem erstmals zu Österreichs Turnsportlerin des Jahres gewählt.

Beruf steht jetzt im Vordergrund

Zu ihrer Zukunft meint die seit mehreren Jahren beim Bundesheer als Heeressportlerin verpflichtet gewesene Männersdorfer: „Nach meinem Bachelor-Abschluss in Logistik-Management werde ich mich meinem beruflichen Werdegang widmen und freue mich auf neue Herausforderungen.“

Und im Turnsport? „Ich möchte es nicht ausschließen, dass ich eventuell in der Zukunft als Trainerin oder in einer anderen Funktion dem Sport erhalten bleibe.“ Das wäre der Kunstturnszene in diesem Land zu wünschen ...