Hypo NÖ: Eine Finalpleite für die Geschichtsbücher. Ein Sieg im Rückspiel reichte nicht aus – das erste Mal seit 42 Jahren heißt der Österreichische Meister im Damenhandball nicht Hypo Niederösterreich.

Von Max Kolodej. Erstellt am 22. Mai 2019 (06:00)

„Wir haben Sportgeschichte geschrieben, nach 42 Jahren Hypo NÖ an der Spitze des österreichischen Damen-Handballs abgelöst. Mitte der vergangenen Saison haben wir noch gegen den Abstieg gespielt. Es ist unglaublich. Die arrivierten Spielerinnen haben die jungen großartig herangeführt. Die Abwehr gemeinsam mit unserer Torfrau war großes Kino. Natürlich haben wir auch einen Trainer, der die perfekten Rahmenbedingungen geschaffen hat. Im Training sind alle mit Begeisterung dabei. Anders wäre dieser historische Erfolg nie möglich gewesen“, war Atzgersdorf-Obmann Christian Mahr nach dem Abpfiff in Jubelstimmung.

In der Tat haben die Atzgersdorferinnen in der vergangenen Woche Historisches geleistet. Auf einen 22:18-Sieg in Wien folgte in der Südstadt zwar eine 21:23-Niederlage - am erstmaligen Titelgewinn änderte das Ergebnis aber nichts mehr. Erstmals seit 42 Jahren ging der Titel damit nicht an Hypo. „Es ist schwer, in Worte zu fassen. Wir sind natürlich alle sehr enttäuscht. Eigentlich haben wir eine wirklich gute Saison gespielt, alle Gegner hoch geschlagen und die Meisterschaft quasi in einer Hälfte hergegeben“, sieht Hypo-Trainer Ferenc Kovacs die zweite Hälfte in Atzgersdorf als den Anfang vom Ende.

„Müssen endlich wieder das Double holen“

Hypo-Spielerin Mirela Dedic schloss sich ihrem Trainer an: „Im Grunddurchgang haben wir jedes Spiel haushoch gewonnen, leider hat uns eine Halbzeit den Meistertitel gekostet. Die Enttäuschung ist natürlich sehr groß, weil wir wissen, dass wir die bessere Mannschaft sind. Der Druck war dann im Rückspiel aber viel zu hoch und wir konnten dem nicht standhalten. Dennoch Gratulation an Atzgersdorf. Jetzt heißt es noch mehr trainieren.“

Insgesamt ist diese Saison (nach zwei verpassten Cup-Titeln in den vorangegangenen Jahren) die dritte in Folge, in der Hypo nicht das Double holen konnte. In allen Jahren zuvor gelang dies. Auch im Spiel gegen die Atzgersdorfer merkte man den Hypo-Damen, die diese Saison bisher so souverän agierten, die Nervosität an: „Wir haben viele leichte Fehler gemacht, die wir bis jetzt in der Saison noch nicht gemacht haben. Der Druck lag als großer Favorit bei uns und Atzgersdorf konnte frei aufspielen“, meint Kovacs über die Gründe, warum es am Ende, doch nicht für den 43. Meistertitel reichte.

Jetzt heißt es, diese Saison so bald wie möglich abzuhaken und den Blick in die Zukunft zurichten. Dass dies in den aktuellen Stunden kein Leichtes ist, daraus macht Kovacs kein Geheimnis: „Die Enttäuschung ist zwar riesig aber wir müssen jetzt nach vorne schauen. Ich habe der Mannschaft gleich nach dem Spiel gesagt, dass wir jetzt alle an einem Strang ziehen müssen und alles daran setzen müssen, endlich wieder das Double zu holen“, fordert Kovacs, der auch über potenzielle personelle Veränderungen seitens des ehemaligen Serienmeisters sprach: „Das erste Ziel muss sein, den Kader so gut wie möglich zusammen zu halten, da haben wir auch bereits einige Verträge verlängert.“

Mehr zum Thema