Andreas Gstöttner: Nur ein Ring hat für Olympia gefehlt. Der Neulengbacher Andreas Gstöttner scheidet beim Quotenplatzturnier für die Olympischen Spiele im Achtelfinale gegen Topstar aus. Viertelfinale wäre Tokio-Ticket gewesen.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 09. Juni 2021 (01:46)
Andi Gstöttner patzt bei der EM und hat dann beim Qualifikationsturnier für Tokio Pech.
privat, privat

Zwei herausfordernde Wochen mit drei wichtigen Turnieren liegen hinter dem 24-jährigen Neulengbacher Andreas Gstöttner, der immer noch um seine Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio kämpft.

Beim Conquest-Cup in Istanbul, einem Einladungsturnier für die weltbesten Bogenschützen, hatte Gstöttner den starken achten Platz belegt. Bei der EM in Antalya ein paar Tage später, plagten ihn dann aber Schulterprobleme und es reichte nur für Platz 55. Beim darauffolgenden Quotenplatzturnier wurden dann noch vier Nationen-Einzelplätze vergeben. Ein Ring fehlte Gstöttner in der Elimination gegen den Deutschen Florian Unruh, um ins Viertelfinale einzuziehen, was den Quotenplatz gebracht hätte.

Achter beim Conquest Cup, aber EM verhaut

Der traditionelle Conquest Cup in Istanbul, der einer der weltweit größten Bogensportspektakel ist und historischen Ursprung hat, war gleich zum Auftakt der zweiwöchigen Turnierserie in der Türkei ein besonderes Erlebnis für Neulengbachs Olympiahoffnung.

„Es war unglaublich, bei so einem hochkarätigen Turnier eingeladen zu sein“, war er vom Flair begeistert. Und mit dem achten Platz passte auch die sportliche Leistung samt Platzierung. „Dumm nur, dass dieses Turnier nicht für die Olympia-Qualifikation herangezogen wird“, meinte Gstöttner, nahm aber danach umso motivierter die EM in Angriff. Doch diese verlief aus mehreren Gründen suboptimal für Gstöttner.

„Es war unglaublich, bei so einem hochkarätigen Turnier eingeladen zu sein“

Zunächst war da die Schlechtwetterfront, die nicht wirklich einen regulären Bewerb zuließ. Hatte bei der Qualifikationsrunde der Damen am Vormittag noch Prachtwetter geherrscht, das sogar einen neuen Europarekord zuließ, drehte das Wetter beim Herrenbewerb komplett. Nach starkem Regen und Wind setzte sogar noch ein Gewitter ein. Das mit 94 Teilnehmern größte Starterfelder der EM-Geschichte musste sogar rund eine Stunde pausieren.

„Nach der Rückkehr an die Schusslinie habe ich meinen Schussrhythmus überhaupt nicht mehr gefunden und bin hoffnungslos zurückgefallen“, ärgert sich Gstöttner. Eine Aufholjagd in der zweiten Runde brachte ihn zwar wieder etwas nach vorn, aber er blieb mit Rang 55 doch weit hinter den Erwartungen zurück. „Zudem begann dann am zweiten Tag bei der Elimination auch noch die Schulter zu zwicken“, begründet er sein Ausscheiden bereits in der zweiten Runde mit Verletzungsproblemen.

Beim Teambewerb mit Julian Schweighofer und Lukas Stuefer war Gstöttner dann nach Behandlung durch den Physiotherapeuten aber wieder einigermaßen fit und gemeinsam stießen die drei bis ins Achtelfinale vor. In diesem unterlagen sie knapp den Schützen aus der Ukraine.

Mit Elisabeth Straka lieferte Gstöttner im Mixed ebenfalls eine gute Leistung. Erst im Viertelfinale gegen Spanien war Endstation.

Beim Quotenplatzturnier stimmt Leistung wieder

Bei einem Quotenplatz-Turnier für Tokio wurden dann noch für vier Nationen Einzelplätze vergeben. „Die K.o.-Runden richteten sich aber nach der Platzierung in der EM-Qualifikation, was für mich natürlich erneut extrem starke Gegner von Anfang an bedeutete“, erzählt Gstöttner, der aber sehr gut startete. Die ersten drei Runden überstand er mit hervorragenden Leistungen und im Achtelfinale traf er dann auf den Deutschen Unruh, einen der Topschützen der letzten Wochen und Vierten der EM-Qualifikation. „Mit einem Sieg hätte ich den Quotenplatz fix gehabt, das Ticket nach Tokio wäre zu buchen gewesen“, erzählt Gstöttner.

Und der Neulengbacher startete bärenstark und führte gleich mit 2:0. Doch der Deutsche Unruh hielt dagegen, schoss danach seinerseits auf höchstem Niveau. „Er hat gezeigt, dass er auch in Tokio ein Wörtchen mitreden wird“, ist Gstöttner überzeugt.

Für ihn bedeutete dies aber, dass er die Führung nicht halten konnte und letztlich dieses so wichtige Duell verlor. Mentalcoach Gerry Richter war mit der Leistung in der Elimination dennoch zufrieden: „Andreas hat ebenfalls eine Weltklasseleistung abgerufen und gezeigt, dass er nach Tokio gehört“, gibt er vor allem zu bedenken, wie souverän er sein Handicap mit der Schulter im Mannschafts- und auch Mixedbewerb weggesteckt hat.

„Andi hat durchwegs hohe Scores geschossen und sein Können nach dieser verhauten Quali wieder gut umgesetzt. Dass gegen Unruh letztlich nur ein Ring gefehlt hat, ist zwar schade, sollte aber Selbstvertrauen für den Weltcup in Paris geben.“

In der französischen Hauptstadt hat Gstöttner von 21. bis 27. Juni die allerletzte Chance sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.