Gletscher-Trailrun: Orientierungslos am Berg. Evelyne Lachner lief den Gletscher-Trailrun in Obergurgel (Tirol) und erreichte trotz eines Schreckmoments und einer hektischen Phase der Orientierungslosigkeit Platz zwei.

Von Julian Widermann. Erstellt am 30. Juli 2019 (00:23)
Lachner
Glücklich. Evelyn Lachner freute sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten über den doch überraschenden Erfolg.

Evelyne Lachner hatte sich für die 42 Kilometer und 3.000 Meter Seehöhe (höchster Punkt beim Lauf) in Tirol viel vorgenommen. Doch die dünne Luft auf dieser Höhe machte der Läuferin zu schaffen. Unter nachlassender Konzentration verlief sie sich plötzlich. Die Schrecksekunde jedoch zügig verdaut, kämpfte sich Lachner nach einer gefühlten Ewigkeit zurück ins Geschäft. Nachdem sie das Ergebnis erfuhr, wirkte sie perplex…

Aber der Reihe nach: Milde Temperaturen luden herzlichst ein zum Trailrun in Tirol. Die Belastung der 3.000 Meter Seehöhe sprachen da schon wieder eine etwas andere Sprache. Und diese verschlugen ihr auch nach anfangs gutem Rhythmus im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache. Die Schneefelder und den sehr steilen Anstieg nach dem Start auf 2.000 Meter noch gut überstanden, geriet sie am höchsten Punkt in Schwierigkeiten.

Keine Markierung in Schneefeldern sichtbar

Weiter den Schneefeldern folgend, war keine Markierung mehr ersichtlich. Teils hektisch und teils die Ruhe bewahrend, suchte Lachner verbissen nach der Laufroute. Die Situation schien dennoch aussichtslos, eine Medaille in weiter Ferne. Hätte Lachner da nicht ein großzügiger Schicksalsschlag einen Bärendienst erwiesen: „Eine gefühlte Ewigkeit suchte ich inmitten von Gebirgsbächen den richtigen Weg. Dann rief mir endlich ein anderer Läufer zu, wo ich hingehörte!“

Mit Adrenalin vollgepumpt im Blut lief Lachner wie ausgewechselt unbeirrt weiter. Es folgte ein anspruchsvoller Downhill über einen Klettersteig und einer Hängebrücke. „Da zu stürzen, wäre nicht ungefährlich gewesen“, hielt Lachner fest. Es war alles andere als leicht, weiter 100 Prozent zu geben, da die Erkenntnis über den Stand der Dinge der Läuferin verwehrt blieb: „Ich hatte natürlich keine Ahnung, wie viel Zeit oder Platzierungen ich jetzt verspielt hatte!“ Quasi „zeitlos“ blies Lachner die letzten zehn Kilometern zur Endspurt-Attacke.

Die letzten 500 Meter konnte die Laufsportlerin bereits in Richtung Ziellinie spähen. Nach 7:17 Stunden erreichte sie das Ziel als Gesamtzweite. Die Sportlerin war verunsichert. Als sie jedoch das Siegerlächeln ihres Mannes erblickte, war klar, dass es allen Grund zum Jubeln gibt...