Meilenstein für Marlene Hunger. Die 20-jährige JC Wimpassing-Athletin Marlene Hunger feierte im Rahmen der European Open in Prag einen der größten Erfolge ihrer noch jungen Karriere. Lisa Grabner früh out.

Von Julian Widermann. Erstellt am 03. März 2021 (01:11)
Marlene Hunger
European Judo Union

Marlene Hunger schaffte in Tschechien einen wahrlich perfekten Saisoneinstieg und erkämpfte sich in der Allgemeinen Klasse verdientermaßen die Bronzemedaille. Es war zugleich das allererste Mal, dass sie bei solch einem Event eine Medaille gewinnen konnte. Im Bronzekampf konnte sie schließlich ihre Konkurrentin eindrucksvoll besiegen. Nun möchte sich die junge Judoka in der Allgemeinen Klasse etablieren.

Gleich zu Beginn ein Freilos für Hunger

Beim Turnier in Prag nahmen 269 Athleten aus 23 Nationen sowie drei Kontinenten teil. Corona-bedingt waren auch einige Strapazen auf sich zu nehmen – gleich vier negative PCR-Tests mussten vor Kampfantritt vorgewiesen werden. Als Hunger das hinter sich hatte, konnte sie sich gleich zu Beginn über ein Freilos freuen, weshalb sie erst später ins Kampfgeschehen der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm einstieg. Ab da ging es stetig bergauf. Dass Hunger top in Form ist und eine ernstzunehmende Gegnerin darstellt, bekam gleich in Runde zwei Emma Reid zu spüren. Als mehrfache Weltcup-Mediallengewinnerin ging die Britin sogar als Favoritin in den Kampf. Doch Hunger war hochkonzentriert und beherrschte ihre Gegnerin über die gesamte Kampfzeit. Schließlich setzte sie souverän zum „Osoto-gari (große Außensichel) an.

Bei dieser Wurftechnik wird dem Gegenüber von hinten per Tritt der Stand genommen und gleichzeitig gepackt sowie auf den Boden geworfen. Im Halbfinale bekam es Hunger mit der 18 Jahre alten Niederländerin Yael van Heemst zu tun. Das Kampfgeschehen war lange Zeit offen und es zeichnete sich nicht ab, wer von den beiden letzten Endes die Oberhand behalten wird. Doch dann setzte die quirlige van Heemst ihre Schnelligkeit gegen die Niederösterreicherin gekonnt ein, überwand diese mit einem überraschend tiefen Schulterwurf und siegte mit Ippon (ganzer Punkt).

In Folge stieg sie ins Finale auf und holte auch noch die Silbermedaille. Trotz der Niederlage verfügte Hunger nach wie vor über eine große Portion Selbstvertrauen, auf die sie zurückgreifen konnte. Somit blieb sie fokussiert und bereitete sich mental in Ruhe auf den folgenden Bronzekampf vor. Dort traf sie dann auf Lokalmatadorin Alice Matejckova. Nach Gleichstand am Ende der regulären Kampfdauer von vier Minuten, ging es in die Golden Score-Verlängerung. Im Laufe der Zeit setzte die 20-jährige JCW-Athletin dann zum O-Uchi-Gari (große Innensichel) an und verließ erhobenen Hauptes und mit einem Lächeln im Gesicht die Judomatte. Bei der großen Innensichel befördert der aktive Judoka seinen Fuß übrigens zwischen die Beine des passiven Akteurs und zieht diesem dann das Bein weg.

„Der Jubel und die Freude waren bei Marlene nach diesem großen Erfolg grenzenlos. Sie hat echt „saustark“ gekämpft und bei den Begegnungen auch die vereinbarte Taktik und Kampfstrategie perfekt eingehalten und umgesetzt“. Mit diesem Sieg hat sie die Tür für die Zukunft weit aufgestoßen“, freut sich Vereinstrainer Zeltner immens über die Fortschritte seines Schützlings. „Ich möchte mich auch bei dem betreuenden Nationaltrainer Bela Riess für seine hervorragende Zusammenarbeit bedanken, was die Kampfeinstellung von Marlene vor den einzelnen Kämpfen betrifft“, berichtet Zeltner über die enge Kooperation zwischen Verein und Nationalteam.

Auch bei Hunger war die Freude nach dem Gewinn der Bronzemedaille groß: „Seitdem ich im Heeresleistungssportzentrum bin, kann ich mich voll und ganz auf den Sport fokussieren und habe dadurch auch intensiver am Kraft- und Techniktraining arbeiten können. Im entscheidenden Moment hat dann einfach alles zusammengepasst. Ich war körperlich gut drauf und konnte auch taktisch alles gut umsetzen. Es ist toll zu sehen, dass im Training etwas weitergeht. Das ist insbesondere für den Kopf wichtig. In Zukunft möchte ich in der Allgemeinen Klasse auf jeden Fall weiter Fuß fassen, um mich für die Europameisterschaft im April empfehlen zu können“, berichtet die frischgebackene Medaillengewinnerin.

Der 18-jährige Teamkollegin Lisa Grabner erging es in Tschechien weniger gut. Sie erwischte mit der Niederländerin Pleuni Cornelisse, die später als Siegerin hervorging, auch ein denkbar schweres Los und schied nach hartem Kampf bereits in der ersten Runde aus.