Werner Rössler: Ein Leben für den (Lauf)-Sport. Der 81-jährige Werner Rössler war und ist ein erfolgreicher Läufer. Vor knapp einem Jahr holte er elf Medaillen bei elf Starts bei den österreichischen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 03. November 2019 (04:32)
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Bei den österreichischen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften war Werner Rössler (rechts) nicht zu stoppen.

Zwei bis dreimal in der Woche locker laufen, von Orth/Donau bis nach Eckartsau knapp 18 Kilometer spazieren, dazu mit dem Rad von seinem Heimatort Matzen nach Gänserndorf fahren und dazwischen immer wieder Kräftigungsübungen machen – das Sportprogramm des 81-jährigen Werner Rössler absolvieren nicht viele junge Menschen.

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Werner Rössler (links) 1962 beieinem Lauf in Wien.

Dabei laboriert der rüstige Weinviertler seit Monaten an einer hartnäckigen Schulterverletzung, „aber ein Körper in Bewegung bewegt sich“, bringt er es auf den Punkt. Wenngleich der pensionierte Lehrer zugibt: „Wenn du ein gewisses Niveau hast, dann ist es bitter, wenn du nur mehr weniger machen kannst beziehungsweise darfst.“

So stand und steht das Leben Rösslers ganz im Zeichen des Sportes: Der „Tausendsassa“ aus Matzen war bzw. ist einer der besten (Senioren-) Leichtathleten des Landes. Er war jahrzehntelang Schachfunktionär, Fußballspieler und -trainer und griff auch zum Tischtennisschläger. Erst vor knapp einem Jahr schrieb er ein Stück Sportgeschichte, holte elf Medaillen bei elf Starts bei den österreichischen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften. Allerdings hat der Jahrgang 1938 ein Problem – es wird nämlich immer schwieriger, in seiner Altersklasse noch Gegner zu finden.

„Spätstarter“ startete dann schnell durch

Das war früher anders. Doch trotz großer Konkurrenz – und als die Leichtathletik hierzulande noch einen höheren Stellenwert hatte – holte er in seiner aktiven Karriere in der allgemeinen Klasse über 20 (!) Landesmeistertitel. Ganz zu schweigen von Top-Platzierungen bei Staatsmeisterschaften. Dabei war Rössler ein Spätstarter, der erst mit 15 beim Turnen in der Schule auffiel und sein Lauf- und Sprinttalent entdeckt wurde, ehe er danach für die ÖMV bzw. den ATSV Auersthal an den Start ging. Ende der Fünfziger-Jahre war er wirklich einer der besten Läufer des Landes, holte unter anderem 1957 den österreichischen Hallenmeistertitel über 400 Meter. Wie schaut übrigens ein Vergleich zwischen gestern und heute aus? Seine 100-Meter-Bestzeit war 11,1 Sekunden, über 60 Meter sogar 6,9. Vor ein paar Jahren waren es auf den 60 Metern immerhin noch 9,6 – bemerkenswert!

Sein Urteil über den heutigen Zustand der heimischen Leichtathletik? „Ich sage sicher nicht, früher war alles besser. Aber mehr Engagement und Bereitschaft bzw. Bekenntnis zum Sport wäre wünschenswert. Ich war vor kurzem in Ungarn bei einer Meisterschaft, wo 600 Kinder am Start waren. In Österreich ist es ein Zehntel davon.“

Durch Zufall zum Schachsport

Seine zweite große Liebe war der Schachsport, in Niederösterreich war er über 30 Jahre lang für Schulschach zuständig. Wie so oft im Leben spielte auch hier der Zufall eine entscheidende Rolle.

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Erfolgreich: Werner Rössler vor knapp einem Jahr bei den österreichischen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften

Rössler, der als Lehrer in der Hauptschule in Matzen arbeitete, wollte die schöne und große Aula der Schule sinnvoll nutzen und stellte Schachtische auf. Ein paar Wochen später hatte er bereits 50 Kinder, mit denen er öfters das Weinviertel bei Landesmeisterschaften vertrat. Da der Verband sah, wie engagiert er war, hat dieser den heute 81-Jährigen gebeten, es niederösterreichweit zu machen.

Dieser Einsatz blieb nicht unbelohnt, im Laufe der Jahre bekam er unter anderem das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich (Anm.: im Jahre 1994) und das Bundesehrenzeichen der Republik Österreich (2006). Als ehemaliger Lehrer, der 1998 in der HS Matzen in Pension ging, hat er übrigens auch eine klare Meinung zum Unterrichten: „Es wird immer schwieriger. Ich bemühe hier einen, natürlich, sportlichen Vergleich: Der 100-Meter-Lauf ist im Laufe der Jahrzehnte immer einem Wandel unterlegen, weshalb man nicht sagen kann, was besser oder schlechter war. Genauso ist es mit dem Lehrberuf.“

Keine Ausrede für keinen Sport

Bleibt die Frage, ob Rössler in Zukunft ruhiger treten wird? „Sicher nicht“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Dabei hatte er in den letzten Jahren zwei Herzinfarkte und musste erst diesen Sommer mit Verdacht auf Schlaganfall in ein Krankenhaus geflogen werden. Nachwirkungen oder Folgeschäden blieben der robusten Frohnatur erspart, was seiner Meinung nach auch mit der vielen Bewegung in seinem Leben zu tun hat. „Der Sport hat mich so gesund alt werden lassen, dank ihm fühle ich mich noch jung“, erklärt Rössler.

Und erteilt all jenen eine Absage, die eine Ausrede suchen, warum sie keinen Sport machen können oder wollen. „Ein bisschen was geht immer. Ich sage, man muss nicht unbedingt viel Sport treiben, aber auf jeden Fall auf seinen Körper achten.“