Erstellt am 20. Januar 2013, 16:12

Jede Menge Familie. Fußball / Jonathan Schmid macht sich bei Freiburg gerade einen Namen in der deutschen Bundesliga. Seine Wurzeln hat der 22-Jährige in einer Scheibbser Groß- familie (kleines Bild Vater Anton) – fürs Nationalteam ist er aber kein Thema.

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Von Peter Gruber

Sympathisch ist er ja, der SC Freiburg – ewiger Underdog und doch fixe Größe im deutschen Fußball-Oberhaus. Trotzdem finden die Breisgauer in Österreich meist nur knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle statt. Nicht so im Bezirk Scheibbs, wo die Spiele des Tabellensechsten den Aufmerksamkeitspegel steigen lassen. Der Grund: Jonathan Schmid, 22 Jahre alt, Franzose – und seit dieser Saison Stammspieler bei Freiburg.

Aber was genau hat ein Franzose vom SC Freiburg jetzt mit Scheibbs zu tun? Schmids Wurzeln liegen in einer Großfamilie in der Region, Vater Anton wuchs in Gresten auf – ein Ort im Bezirk mit knapp 2.000 Einwohnern. „Selbstverständlich fühle ich mich auch österreichisch“, meint Jonathan Schmid. Geboren und aufgewachsen ist er in Straßburg, schon in der Jugend wechselte er über die nahegelegene Grenze nach Deutschland. Seinem Vater hört man ohnehin erst gar nicht an, dass er schon vor 30 Jahren nach Frankreich geheiratet hat und seither im Elsass lebt: „Ich bin schon stolz, dass ich mir keinen Akzent zugelegt habe. Für mich ist wichtig, dass die Kinder auch meine Herkunft und Kultur mitbekommen.“

Neun Geschwister hat Anton Schmid, auch seine Eltern kamen aus kinderreichen Familien. „Da kommen schnell einmal hundert Leute zusammen“, meint der Vater. Für seinen Sohn ist es auch diese Großfamilie, die er zuerst mit der Heimat seines Vaters verbindet: „Ich erinnere mich gerne an meine Besuche in Österreich, an meine Großeltern und Cousins.“ Etwa an Johannes Schmid, der in Gresten das „Kulturbeisl“ führt und sein Lokal mit ein bisschen Familienstolz auch mit Zeitungsausschnitten und einem Trikot von Jonathan geschmückt hat. Essen, Landschaft und Gemütlichkeit fallen Jonathan Schmid noch auf Anhieb ein, wenn er an Österreich denkt. „Und STS“, lacht er.

2011 ist Schmid zu den Profis des SC Freiburg aufgerückt, in der aktuellen Saison gelang der Durchbruch. Beim 0:0 gegen Mainz machte er am Samstag sein 18. Saisonspiel – in der 18. Runde. Sowohl in der Viererkette als auch im Mittelfeld ist er auf der rechten Seite einsetzbar, mit Freistößen sorgt er für Torgefahr – viermal durfte er in der Bundesliga jubeln.

Fürs österreichische Nationalteam ist er trotz dieser Leistungen und seiner Wurzeln in Niederösterreich aber kein Thema – auch wenn es letztes Jahr Kontakt gegeben hat. „Aus rechtlichen Gründen“, erklärt Wolfgang Gramann vom ÖFB. Schmid könnte die Staatsbürgerschaft nur aufgrund nationaler Interessen vom Ministerrat verliehen werden. Eine weniger stark besetzte rechte Seite im Team reicht dafür nicht aus. Enttäuschend für Schmid, der mehrfach bekundet hat, für Österreich spielen zu wollen: „Ich würde sehr gerne im Team spielen, aber der ÖFB hat das Thema schon länger abgehakt.“