Rohdiamant Hudson will bei der WM funkeln. Speerwerferin Victoria Hudson feiert am Montagnachmittag ihr WM-Debüt. Für die Schwechaterin ist Doha ein wichtiger Zwischenschritt vor dem großen Ziel Olympia.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 30. September 2019 (07:27)
Wallner
Anspannung vor der WM-Premiere: Victoria Hudson.
 

Abgehakt, Deckel drauf. Nachdem ihr Name nicht auf der Nachnominierungsliste des Weltverbandes IAAF auftauchte, buchte Victoria Hudson (22) „im ersten Frust“ gleich einen Urlaub. Die  WM-Chance in Doha schien dahin. Bis Freitag vor einer Woche. Da kam nun doch grünes Licht für die Speerwerferin, die heuer 59,98 Meter als Bestmarke zu Buche stehen hat. Die Funktionäre hatten die Liste publiziert ohne zuvor eingelangte Absagen qualifizierter Sportler zu berücksichtigen. „Ich war gerade beim Kochen, hab‘s erst ein paar Stunden später realisiert“, schildert Hudson den überraschenden Anruf von ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler. „Im ersten Jahr in der Allgemeinen Klasse gleich zur Weltmeisterschaft zu fahren, ist unheimlich cool.“

Leistungsexplosion für Tokio notwendig

Der Schalter im Kopf switchte wieder in den Wettkampfmodus, der gebuchte Urlaub ließ sich problemlos verschieben. Bei den Titelkämpfen in Doha will die Athletin von der SV Schwechat an ihre Bestweite heranwerfen, die „magische“ 60-Meter-Marke knacken und vor allem Erfahrungen sammeln. „Für mich ist‘s das erste Mega-Ereignis. Das wird sicherlich eine Reizüberflutung.“ Hudson möchte unbedingt 2020 zu Olympia in Tokio: „Das ist machbar.“ Trainerin Lisi Eberl pflichtet bei: „Vicky hat ein riesiges Talent. Athletisch ist sie schon jetzt top, an der Technik können wir noch feilen.“ 59,98 Meter – gleich zum Start der Freiluft-Saison geworfen - hat ihr Schützling zu Buche stehen. „Zwei, drei Meter müsste ich für’s Olympia-Limit noch draufpacken“, weiß Hudson, „aber wenn ich mich so weiter entwickle wie zuletzt, kann ich es schaffen.“

Trainerin Eberl im doppelten Einsatz

In Sachen Platzierung macht sich die SVS-Athletin keinen Druck. „Ich will meine Leistung bringen, alles weitere sieht man dann eh.“  

Eberl ist übrigens am Donnerstag noch einmal im Einsatz. Die in Bad Vöslau wohnende ehemalige Spitzen-Speerwerferin (u.a. bei Olympia 2012 in London)  betreut in ihrer Spezialdisziplin Mehrkämpferin Ivona Dadic. Die tropischen Temperaturen in Doha schrecken sie nicht: „Die Bedingungen sind für alle gleich. Simulieren lässt sich das sowieso nicht. Speerwurf können wir ja nicht in der Sauna trainieren.“ Und Vicky Hudson will bei ihrer ersten WM ebenso cool bleiben wie beim ersten Live-Interview vor einer TV-Kamera. Diese Premiere absolvierte die junge Heeressportlerin vergangene Woche so souverän wie ein alter Hase.