Schrott gewinnt beim Heim-Meeting Hürden-K.-o.-Bewerb. Am Samstag fand im Sportzentrum NÖ bei über 30 Grad Celsius das erste von fünf Austrian-Top-Meetings dieses Jahres statt. Der neu geschaffene Hürden-K.o.-Bewerb der Frauen wurde dabei eine Beute von Favoritin Beate Schrott. Die Sensation des Tages war aber der Sieg von Newcomer Kristjan Ceh aus Slowenien im Diskuswurf , der Österreichs WM-Dritten Lukas Weißhaidinger bei starkem Rückenwind nicht den Funken einer Chance ließ. Ivona Dadic gewann dank ihrem neuen Spartencoach Josef Schopf den abschließenden Kugelstoßbewerb mit einem Ausrufezeichen: persönliche Bestleistung von 14,97 Meter!

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 28. Juni 2020 (18:13)

Für Turnierdirektor Gottfried Lammerhuber war nie in Frage gestanden, dass „seine“ USP Leichtathletik auch nach der durch Covid-19 erzwungenen Pause als erster Verein ein Austrian-Top-Meeting organisieren würde. „Wir stehen mit dem Liese-Prokop-Meeting zu Fronleichnam traditionell schon seit etlichen Jahren immer am Anfang dieser Meeting-Serie und daran wollten wir unbedingt festhalten, was uns dank der treuen Unterstützern auch gelungen ist“, bedankte er sich vor allem auch bei der Fittest City St. Pölten, die von Bürgermeister Matthias Stadler vertreten wurde und Sportland NÖ.

Und Lammerhubers Mut wurde belohnt, obwohl im Juni die Auflagen doch noch strenger waren, als sie bei den nun folgenden Veranstaltungen sein werden. So war die Besucherzahl in St. Pölten noch auf hundert beschränkt.

Belohnt wurde Lammerhuber mit dem ersten richtig heißen Sommertag in diesem Jahr und extrem starken Leistungen der Athleten. Nur Österreichs Nummer eins über 100 Meter hatte leider abgesagt. Vor knapp zwei Wochen beim Abendmeeting in St. Pölten war Markus Fuchs noch der große Star gewesen.

Für Österreichs Leichtathletik-Präsidentin Sonja Spendelhofer war das Freibad an diesem Tag aber trotz Sommerhitze keine Alternative. „Bei einem solchen Staraufgebot von in- aber auch schon ausländischen Athleten, muss man einfach dabei sein“, lobte sie Lammerhuber, der binnen kürzester Zeit ein extrem starkes Starterfeld zusammentrommeln hatte können.

Neuer K.o.-Bewerb ging an Beate Schrott

Highlight des Meetings war wohl der K.o.-Bewerb über 60-m-Hürden der Frauen. Die Idee von Nationaltrainer Philipp Unfried schlug voll ein und begeisterte Athletinnen wie Zuseher. Im 30-minütigen Rhythmus absolvierten die acht Teilnehmerinnen zuerst Viertel-, dann Semifinals und schließlich den Finallauf über die im Freien selten gelaufene Distanz. „So haben die Athletinnen gleich drei Starts und man kann auch etwas beim nächsten Lauf korrigieren, wenn es notwendig ist“, erklärte der St. Pöltner Moduserfinder, der sowohl als Coach von Karin Strametz (SU Kärcher Leibnitz) und Ivona Dadic (Union St. Pölten) fungiert hat. 

Seine Athletinnen konnten sich nach Papierform auch für das Semifinale qualifizieren, wo sich die steirische Hürdenspezialistin gegen die Mehrkämpferin durchsetzte. Dadic verpatzte den Start und kam schon zur ersten Hürde so unglücklich hin, dass sie letztlich „verweigern“ musste. Ins Finale, in dem Favoritin Beate Schrott (Union St. Pölten) wartete, nachdem sie sich in ihrem Semifinale klar gegen U-18-EM-Bronzemedaillengewinnerin Johanna Plank (TGW Zehnkampf Union) durchgesetzt hatte, zog daher Strametz ein. Das von Lammerhuber erträumte rein St. Pöltner Finale fiel ins Wasser. Doch Lokalmatadorin Schrott war im Endlauf nicht zu halten, zog speziell im Finish gnadenlos davon und siegte in starken 8,16 Sekunden (+2,9) mit einer zehntel Sekunde Vorsprung.

„Der Modus macht total Spaß, das war ein grenzgenialer Wettkampf heute. Mit den Zeiten bin ich auch extrem zufrieden,  die Läufe fühlten sich schon richtig gut an. Mein Start im Finale war schon ganz gut, aber vor allem hinten raus war ich richtig stark“, meinte Beate Schrott nach ihrem Sieg. Und fügte noch hinzu. „Nichts ist schöner als in St. Pölten auf meiner Bahn zu siegen. Da bin ich groß geworden, das ist meine Heimat!“

Weißhaidinger verlor erstmals seit 2014

Bei den Staatsmeisterschaften 2014 zog Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA) zuletzt auf heimischen Boden den Kürzeren, und zwar in Amstetten gegen den Olympiafinalisten Gerhard Mayer. Heute war Weißhaidinger der Oldie im Feld, und U-23-Europameister Kristjan Ceh (SLO) war an diesem Tag - bei schwierigen Bedingungen mit Rückenwind - eindeutig eine Klasse für sich. Gleich mit dem ersten Wurf auf 65,67 Meter setzte sich der baumlange Slowene in Führung und gab diese nicht mehr ab. Ganz im Gegenteil, mit 67,19 pulverisierte der Hüne sogar den alten Stadionrekord des Oberösterreichers, der bei 65,17 gestanden war, deutlich.

„Ich bin sehr glücklich, denn die Würfe gingen mir eigentlich alle ganz locker von der Hand. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man weiter wirft als Lukas“, war der für einen Werfer noch extrem junge Ceh natürlich „happy“. Und bereits am 2. Juli in Eisenstadt wird er wieder auf Weißhaidinger treffen.

Der WM-Dritte warf die 2-kg-Scheibe im zweiten Versuch zwar auf beachtliche 64,27, konnte sich aber nicht mehr steigern. „Vorne gebe ich Gas und hinten drehen die Reifen durch“, beklagte er, diesmal die richtige Position nicht gefunden zu haben. „Das ist auch Kopfsache, kann sich schnell wieder ändern“, kündigt er Revanche an, gibt aber zu: „Bei so heftigem Rückenwind über 67 Meter zu werfen ist schon sehr stark. Kristjan hat sicher das Zeug dazu, ein ganz großer zu werden. Körperlich ist er schon jetzt ein Riese, aber auch sportlich muss man mit ihm in Zukunft rechnen!“

Heimsiege für Dadic und sensationelle Schrempf

Nach ihren drei Hürdensprints hatte Hallen-Siebenkampf-Vizeweltmeisterin Ivona Dadic auch noch das Kugelstoßen in ihrem Programm. Seit wenigen Wochen holt sie sich in dieser Disziplin Tipps von Ex-Weißhaidinger-Trainer Josef Schopf, und erste Erfolge stellen sich bereits ein. Mit 14,97 Meter gab es für die Niederösterreicherin eine neue Bestleistung, die Freude war entsprechend groß.

„Voll genial, das hat echt schon gut funktioniert heute“, war Dadic selbst positiv überrascht. „Wir haben nicht großartig was verändert, legen den Fokus aber jetzt ein wenig anders und dass das heute schon funktioniert hat, ist richtig cool.“

Auch Chef- und Sprintcoach Philip Unfried kann damit leben, dass es derzeit ausgerechnet in den Bewerben seines Verantwortungsbereichs noch nicht ganz nach Wunsch läuft, aber dafür in den Wurfdisziplinen umso besser. „Wir haben eigentlich mit dem vielen Krafttrainings den Schwerpunkt für die Sprints gelegt, aber derzeit kann sie diesen Kraftüberschuss vor allem bei den Wurfbewerben (auch im Speerwurf gelang ihr nach Corona bereits eine persönliche Bestleistung Anm. d. Red.) voll umsetzen. Wenn im Siebenkampf am Ende mehr Punkte für Ivo stehen, dann kann ich damit sehr gut leben!“

Auch über die 800 Meter der Frauen gab es einen Heimsieg zu bejubeln. Carina Schrempf (Union St. Pölten) konnte die ehemalige Hallen-WM-Finalistin über 400 Meter, Iveta Putalova (SVK), in einem spannenden Zielsprint, bei dem die beiden Athletinnen die ganze Zielgerade lang Seite an Seite gespurtet waren, niederringen. Mit 2:06,37 Minuten hatte Schrempf nach den zwei Stadionrunden um zwei Hundertstel die Nase vorn.

„Wir sind mit Rückenwind die ersten 200 Meter sehr schnell angelaufen, auch die erste Runde war mit rund 62 Sekunden sehr flott. Fürs erste Rennen war das genau richtig, vor allem hat das Feld für mich gut gepasst. Ich freu mich sehr, dass ich das heute so nutzen und den Sieg holen konnte“, war Schrempf auch über ihre Zeit glücklich. „Alles unter 2:08 wäre schon okay gewesen!“

Nachdem Favoritin Alexandra Toth (ATG) im Finale den ersten Fehlstart ihrer Karriere fabriziert hatte, war der Weg über 100 Meter frei für die U-23-Athletin Ina Huemer (SU IGLA long life). Die Oberösterreicherin, die im Vorlauf mit 11,87 (1,1) eine neue persönliche Bestleistung erzielt hatte, setzte sich in einem spannenden Finale mit 11,68 (2,6) gegen Tiffany Eidner (GER) durch, die auf 11,80 kam.

„Die Bedingungen waren heute mit der Rückenwindgarantie perfekt. Der Sieg und die Zeit sind fürs Selbstbewusstsein sehr wichtig. Ich habe aber noch einige Arbeit vor mir, um bei den Top-Meetings und der Staatsmeisterschaft noch schneller laufen zu können.“

Topleistungen gab’s bei allen Bewerben

Persönliche Bestleistungen gab es weiters für Andreas Unger (GER/DSG Wien), der als Zweiter über 100 Meter hinter Sieger Tilen Ovnicek (SLO, 10,62) auf 10,75 (1,3) kam, beziehungsweise im U-18-Hammerbewerb für Kilian Moser (Union St. Pölten), dessen neuer Bestwert nunmehr bei 60,42 Meter steht.

Eine Erklärung für die starken Leistungen von so vielen Athleten nach der Corona-Krise fand 100-m-Sieger Ovnicek, der ebenfalls seine Bestzeit im Vorlauf, allerdings leider mit etwas zuviel Gegenwind, pulverisiert hatte. „Heuer ist alles viel relaxter, die Stimmung bei den Athleten ganz entspannt, weil dieser Druck fehlt, unbedingt irgendwelche Qualifikationszeiten laufen zu müssen.“ Aber auch St. Pölten gefällt dem Slowenen immer besser. „Im Vorjahr bin ich zwar nur Sechster geworden, aber da war auch das 100-m-Feld mit den beiden Brasilianern und Österreichs Nummer eins unglaublich stark. Die Rückenwind-Garantie bei den Sprints ist aber so genial, dass St. Pölten für mich ein Fixtermin ist, weil das eine gute Zeit und damit auch eine positive Stimmung für die weiteren Wettkämpfe garantiert“, meinte er.

St. Pöltner Talente nutzten die Bewerbe um Erfahrung zu sammeln

Im Sog der Spitzenathleten wuchsen auch die angetretenen St. Pöltner Nachwuchsathleten über sich hinaus und konnten bei perfekten Wetterbedingungen eine Vielzahl an persönlichen Bestleistungen aufstellen. Kilian Moser, Österreichs bester U-18-Hammerwerfer, schleuderte das 5-kg-Sportgerät erstmals über die 60-Meter-Marke und zwar genau auf 60,42 Meter. U-14-Athletin Nina Butter ist momentan ebenfalls in ihrer Altersklasse die Nummer Eins Österreichs und untermalte das mit neuem Hausrekord von 52,43 Metern. U-16-Athlet Florian Hamerschmidt konnte sich sowohl mit dem Diskus (47,09 m) als auch mit dem Hammer (51,03) über persönliche Bestleistungen freuen. „Den angepeilten NÖ-U-16-Landesrekord im Diskus habe ich aufgrund des Rückenwinds aber nicht geschafft, obwohl ich ihn im Training zuletzt mehrmals übertroffen hatte“, ärgerte er sich ein wenig. „Aber der Rekord wird heuer noch fallen“, ist er zuversichtlich.

Bei den Frauen lieferten sich Fatima Jeratil und „Comebackerin“ Martina Pehböck ein spannendes Duell, das Pehböck knapp mit 42,97 Meter für sich entscheiden konnte.

Schlussendlich nutzten auch noch die USTP-Sprinterinnen und Sprinter die perfekten Bedingungen zu tollen Zeiten. Bei den Frauen zog Magdalena Lindner ins A-Finale ein und belegte dort mit 11,98 Sekunden den vierten Rang. Bei den Männern sicherte sich U-20-Sprinter Sebastian Spitaler den Finalplatz und sprintete dann auf starke 11,19 Sekunden, unterbot damit das Limit für die Staatsmeisterschaften der Allgemeinen Klasse. Ein neuerliches Ausrufezeichen setzte U-16-Toptalent Moyo Bardi mit ihrem Vorlaufsieg in 12,67. Auch Tobias Weiser, Isabelle Edlinger, Felix Bernauer und Julian Hagmann sprinteten zu persönlichen Bestleistungen über 100 Meter.

Pech hatte nur Lokalmatador Daiyehan Nichols-Bardi, der über 100 Meter bereits im Vorlauf als Mitfavorit einen Fehlstart produzierte und zuschauen musste.