Martin Strobl als einsamer Marathonmann. Martin Strobl nahm bei den Wachauer Radtagen als einziger Starter über 70 die 159 Kilometer in Angriff. Für den Grazer war der Sprung auf den Sattel vor 35 Jahren eine „Medizin“.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 16. Juli 2019 (02:08)
Franz Aschauer
Martin Strobl ließ bei den Wachauer Radtagen deutlich jüngere Konkurrenz hinter sich. Möglich ist das nur durch beinhartes Training. Vier bis fünf Mal pro Woche schwingt sich der 74-Jährige auf den Sattel.

Martin Strobl liebt sein Hobby – und investiert dafür auch Geld. Schlappe 10.000 Euro kostet seine Cervelo-Maschine. Auf seinem Schmuckstück legte der Grazer am vergangenen Sonntag den Radmarathon im Rahmen der Wachauer Radtage zurück. Schweißtreibende 159 Kilometer galt es für die knapp 300 Starter zu bewältigen. Knackige Anstiege wie hinauf auf den Jauerling inklusive.

Nichts also für schlecht trainierte Waden oder ältere Semester – sollte man meinen. Denn Strobls jugendliches Aussehen täuscht. Der Radsportfreak ist 74 Jahre alt. In seiner Altersklasse ist der gebürtige Tiroler damit der Alleinunterhalter. Ein Umstand, der bei Rennen in Österreich keine Seltenheit ist. Lediglich bei seinen Starts in Italien, wie beim Maratona dles Dolomites, gebe es noch Konkurrenz um den Sieg in der 70-plus-Wertung, erzählt Strobl.

„Die Leidenschaft zum Radfahren ist noch immer in mir verankert.“

Und das obwohl er erst vergleichsweise spät den Radsport für sich entdeckte. Eine Hüftverletzung zwang ihn mit 40 Jahren, vom Skifahren und Fußballspielen umzusatteln. „Nach zwei Jahren habe ich überhaupt keine Probleme mehr gehabt. Das Radfahren war meine Medizin.“

Strobl ist ein Vielfahrer. 15.000 Kilometer legte er heuer zurück, die Hälfte davon auf dem Hometrainer. Vier bis fünf Mal sitzt er pro Woche auf dem Sattel, von Montag bis Freitag schon früh morgens, weil es danach in die Arbeit geht. Der 74-Jährige führt gemeinsam mit seinem Sohn ein Architekturbüro.

Den Radmarathon beendet der Dinosaurier unter den Teilnehmern schließlich in 5:58 Stunden auf Rang 172. Viele deutlich jüngere Starter landeten hinter ihm. Dass er die angestrebten 5:30 Stunden nicht geschafft hat, ist kein Beinbruch für Strobl. Schließlich waren die Wachauer Radtage nur ein Vorbereitungsrennen für ihn. Am 1. September nimmt er den 238 Kilometer langen Ötztaler Radmarathon mit 5.500 Höhenmeter in Angriff.

Knappe eineinhalb Stunden weniger brauchte Marco Marina für die 159 Kilometer durch die Wachau. Der 27-Jährige vom Bernhard Kohl Racing Team holte den Tagessieg in der Königsdisziplin. Bei den Frauen lachte eine alte Bekannte vom Siegertreppchen. Agnes Kittel feierte ihren vierten Sieg in Folge.

Insgesamt nahmen 2.000 Hobbysportler an den fünf Wettbewerben und Kinderrennen teil. Die Ski-Asse Katharina Huber und Marc Digruber nutzten die Radtage ebenso wie Snowboard-Star Benjamin Karl für ein Sommertraining.