Gereifter Thiem nun selbst Teil der Star-Riege. Für Außenstehende mag es noch etwas Besonderes sein, Dominic Thiem inmitten der Tennis-Legenden Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic zu sehen. Doch der nun 26-jährige Niederösterreicher hat sich seit Jahren in der Weltspitze etabliert. Er ist selbst Teil der Star-Riege geworden. "Das ist jetzt quasi schon normal", meinte Thiem vor seinem ersten Auftritt bei den diesjährigen ATP Finals.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 10. November 2019 (06:02)
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Dominic Thiem

Der Weltranglisten-Fünfte und schon 16-fache Turniersieger erstarrt keineswegs mehr vor Ehrfurcht vor den Großen dieses Sports. Einerseits, weil er alle schon mehrmals geschlagen hat, andererseits weil sich teilweise auch Freundschaften mit Federer und Co. entwickelt haben. "Ich bin seit drei, vier Jahren in dem 'Radl' drinnen, und ich genieße es so, wie es ist. Es ist zu einer guten Gewohnheit geworden", sagte Thiem.

Im Gegenteil, von noch jüngerer Generation kommt da schon einiges nach. Das ist ihm im Vorfeld von London bei einem Termin mit allen acht diesjährigen Teilnehmern bewusst geworden. "Da habe ich einen komischen Moment erlebt. Als Djokovic, Nadal und Federer wo gesessen sind und wir, die anderen fünf, dann übernehmen mussten. Da war ich der Älteste von den restlichen Fünf", meinte Thiem lachend.

Noch immer sind es die "big three", die sich die Grand-Slam-Titel fast ausschließlich untereinander aufteilen. Thiem stand schon zwei Mal, bei den French Open 2018 und 2019, im Endspiel, jedes Mal war Nadal noch zu stark. Dennoch: Die Wachablöse wird kommen. "Sorgen ums Tennis muss man sich sicher keine machen. Die Spieler, die nachkommen, sind alle sehr attraktiv. Komplett verschieden. Natürlich sollten wir irgendwann damit anfangen, auch ganz große Erfolge zu feiern", weiß Thiem.

Bis zu Titeln auf Masters-1000-Niveau haben es schon einige Spieler geschafft, vergangenen März auch Thiem in Indian Wells. "Das Letzte, was uns allen noch fehlt, ist ein Grand-Slam-Titel, weil Sascha (Alexander Zverev, Anm.) hat letztes Jahr hier gewonnen", erinnerte er an den Triumph des Deutschen bei den ATP Finals 2018 in London.

"Die Wachablöse wird endgültig dann stattfinden, wenn der Erste, der in den Neunzigern geboren ist, ein Grand-Slam-Turnier gewinnt." Nichts wäre ihm natürlich lieber, als wenn er selbst, am 3. September 1993 geboren, dieser Mann wäre. Und er pirscht sich kontinuierlich heran.

Die Form zum ATP-Saisonfinale war bei Thiem jedenfalls noch nie so gut wie jetzt. "In den letzten drei Jahren bin ich auf einer gewissen Talfahrt hierhergekommen. Das ist halt schon komplett anders dieses Jahr. Sie ist nicht aufsteigend, aber echt konstant seit dem Laver Cup, das ist ein großer Unterschied", glaubt Thiem. Dadurch ist auch sein Selbstvertrauen ein ganz anderes.

Auch sonst sind es nur Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen können. So erschien Thiem am Samstag mit einer Mütze in der meist kühlen Halle zum Interview. Er passt mehr auf sich auf, zu oft hat er sich mit Viruserkrankungen zurückwerfen lassen müssen. "Das sind Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Ich werde auch älter und reifer, ich habe sicher auch selbst einige Dummheiten gemacht", gestand Thiem.

Mit von der Partie in London ist neben Hauptcoach Nicolas Massu, Papa Wolfgang Thiem und Physio Alex Stober auch der ebenfalls seit diesem Jahr engagierte Fitnesscoach Duglas Cordero. Er dient Thiem in der O2-Arena dazu, "einfach die körperliche Form beibehalten". Noch in Wien hatte es ein paar härtere Einheiten gegeben. "Die sind auch wichtig für die Spritzigkeit."

Spritzig am Ende einer sehr langen Saison, die für Thiem bald in einen kurzen Urlaub führen wird. Da wird er auch erstmals Zeit haben, einige seiner Erfolge so richtig Revue passieren zu lassen. "Ja, da werde ich mich ein bisserl zurücklehnen und darüber nachdenken, was alles passiert ist. Es waren echt sehr viele schöne Momente dabei, und die genießen, das ist schon ein bisserl zu kurz gekommen. Vor allem nach Wien und Kitzbühel, weil es gleich danach voll weitergegangen ist."

Doch davor gilt sein ganzer Fokus der großen Show in London. Dort, wo täglich 17.500 Fans in der O2-Arena für Riesenstimmung sorgen, wo jeder Spieler seine eigene Kabine samt eigenem Konterfei auf der Tür hat und die exklusive Anreise per Boot über die Themse besonders ist. "So soll es auch sein. Es ist der krönende Saisonabschluss und alle Spieler, die da mitspielen, haben es sich redlich verdient."

Apropos verdient: Thiem hat zuletzt die 20-Millionen-Dollar-Marke an Karriere-Preisgeld gesprengt. Er wird allein in diesem Jahr über sechs Millionen Dollar (5,44 Mio. Euro) brutto verdient haben. Doch allein ums Geld geht es Spielern auch seiner Kategorie schon längst nicht mehr.