Thiem: Wenn Wege sich trennen. Austro-Star Dominic Thiem geht seinen eigenen Weg. Sein Langzeitcoach Günter Bresnik lässt ihn ziehen: „Ich will das Beste für ihn – ob mit mir oder auch ohne mich!“

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 24. April 2019 (02:38)

Die Erfolgsgeschichte scheint zu Ende. Der Lichtenwörther Dominic Thiem und sein Langzeitcoach Günter Bresnik aus der Wienerwaldgemeinde Innermanzing gehen sportlich getrennte Wege. Thiem hat mittlerweile eine Rückkehr zu Bresnik ausgeschlossen.

Was den einstigen Coach von Boris Becker, der am Sonntag seinen 58. Geburtstag gefeiert hat, äußerlich unberührt lässt: „Mein ultimatives Ziel als Trainer war immer, dass Dominic unabhängig ist und komplett eigenständig entscheidet.“ Den ehemaligen Spitzenprofi Nicolas Massu (38), der nun den Weltranglistenfünften auf der ATP-Tour begleitet, hatte der Innermanzinger selbst an Bord geholt.

Geschäftlich sind die beiden Niederösterreicher ohnehin noch verbandelt, zwischen Bresnik und seinem Schützling besteht ein (unbefristeter) Managementvertrag. „Das Letzte, was ich will, ist eine komplette Trennung“, sagt der 25-Jährige.

„Es war für beide Seiten, denk’ ich, emotional schwierig“, will Thiem in den nächsten Wochen erst das Gespräch mit seinem ehemaligen Coach suchen. „Deshalb ist es besser, wenn man da ein bisserl Gras über die Sache wachsen lässt.“

Thiem und die Rückkehr des „Spaß-Faktors“

Dass er wieder mit Bresnik als Coach arbeitet, kann der Niederösterreicher „einmal ausschließen“. Es sei schwierig, die „Beziehung immer gut aufrecht zu erhalten, wenn du dich von neun Jahren auf 25 entwickelst“. Seinen Schritt bereut er nicht: „Viele Sachen machen viel mehr Spaß, als es eine Zeit lang der Fall war. Deshalb habe ich alles richtig gemacht.“

Zu einem Wiedersehen könnte es bei den French Open kommen. Freilich will Bresnik nur nach Paris reisen, wenn sein Schützling Ernests Gulbis mit von der Partie ist. Um Thiem wird sich Tourcoach Massu kümmern, stellt Bresnik klar: „Ich bin kein Freund davon, wenn zwei Trainer dabei sind.“ Massu hält sich bedeckt: „Dominic muss wissen, was für ihn das Beste ist. Er muss glücklich sein.“ Das steht auch für Bresnik im Vordergrund: „Ich will für ihn das Beste. Wenn das mit mir ist, super, wenn es ohne mich ist, auch super.“ Und wenn sich Thiem jetzt ohne ihn den Traum vom ersten Grand-Slam erfüllt? „Dann würde das wehtun. Aber schmerzhafter wäre es, wenn er’s nie bis zu einem Grand-Slam-Titel schaffen würde. Mir ist wichtig, dass das, was ich mir mit ihm vorgenommen habe, passiert.“

Thiem greift – nach einer Stippvisite beim FC Barcelona, die sich der Fußballfan nicht entgehen ließ – am Mittwoch in der 2. Runde des Turniers in der katalanischen Metropole an.