Erkaufter Eigenbau. Erneut Änderung der Eigenbau-Regelung: Für 1.000 Euro an den NÖFV können sich Klubs in gewissen Fällen Spieler kaufen.

Erstellt am 18. Juni 2014 (11:08)
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Die Eigenbauspieler-Regelung des NÖ-Verbands: Sie sorgt immer wieder für Verärgerung bei den Vereinen. Jetzt wurde das Regulativ erneut geändert, der begehrte „EB-Status“ kann in der kommenden Saison erstmals „erkauft“ werden.

Konkret: Jugendspieler, die die bestehenden Eigenbau-Vorschriften nicht erfüllen, können direkt, nachdem sie altersbedingt aus dem Nachwuchs fallen, zu Eigenbauspielern gemacht werden, indem eine zusätzliche Ausbildungsentschädigung in der Höhe von 1.000 Euro an den NÖFV bezahlt wird.

Zu dieser Änderung wurde der Verband vom Rechtsmittelsenat des ÖFB aufgefordert, damit es eine Gleichstellung mit Akademie-Kickern gibt, die nach Beendigung ihrer Ausbildung ebenfalls den Eigenbau-Status besitzen.

"Wir werden diese Option vielleicht wahrnehmen"

Von dieser Neuerung profitiert beispielsweise Ober-Grafendorf. Der Absteiger aus der Regionalliga benötigte im Vorjahr keinen Eigenbauspieler. In der 1. NÖN Landesliga muss er nächste Saison nun plötzlich acht aufbieten. „Wir werden daher diese Option Eigenbauspieler kaufen zu können, vielleicht wahrnehmen“, erklärt Obmann Mitterböck. Ihn ärgert, dass andere Bundesländer die EB-Regelung gar nicht kennen. „Wiener und Burgenländer lachen über uns“, lehnt er prinzipiell jede EB-Regelung ab.

Gar nicht gut findet man die Neuerung in Gablitz. Kein Wunder, stellt der Gebietsliga-Aufsteiger doch auch den U-17-Meister in der JHG Nordwest-Mitte (siehe Seite 65). Bei den Meistern handelt es sich aber allesamt um Gablitzer Eigenbauspieler, die daher nicht von anderen Klubs auf diese Weise abgeworben werden können.

"Jeder talentierte Spieler ist Eigenbauspieler eines Klubs"

Ins Beuteschema auf der Suche nach Eigenbauspielern fallen nur Talente, die am Ende ihrer Nachwuchskarriere bei keinem Klub als Eigenbauspieler gelten. Das betrifft jene, die entweder sehr spät mit dem Kicken begonnen haben, oder schon im Nachwuchs häufig die Klubs gewechselt haben.

In Mauerbach sieht es Obmann Gerald Schober daher pragmatisch. „Jeder talentierte Spieler ist doch Eigenbauspieler eines Klubs“, bezweifelt er, dass unter den Betroffenen sich überhaupt Spieler für die Kampfmannschaft befinden. „Aufgrund ihres Karriereverlaufs fehlt ihnen doch die nötige Ausbildung!“ Ex-Profi Schober steht aber grundsätzlich der Eigenbauspielerregelung kritisch gegenüber: „Sie gehört österreichweit geregelt.“


Hintergrund

  • Die Eigenbauspieler-Regelung: Bisher bekam jeder Spieler den EB-Status, der zwei zusammenhängende Jahre bei einem Verein gemeldet gewesen ist oder die Gesamtmeldedauer bei einem Verein insgesamt drei Jahre beträgt. Zusätzlich zählte jeder Nachwuchsspieler, der bis zum vollendeten 12. Lebensjahr angemeldet wurde, für den Stammverein als Eigenbau-Kicker.

  • Ausnahme für Akademiker: Für Absolventen der Nachwuchs-Akademien gab es eine Sonderregelung, sie galten auch nach Abschluss der AKA als EB-Spieler.

  • Um hier das Gleichheitsprinzip geltend zu machen, wurde die neue Regel beschlossen: „Spieler, die in der Sommerübertrittszeit nach Ende der Nachwuchsspielberechtigung einen Vereinswechsel vornehmen, gelten als EB-Spieler, wenn eine Ausbildungsentschädigung in der Höhe von 1.000 Euro an den NÖFV bezahlt wird. Diese wird für die Nachwuchsförderung verwendet.“