Pressbaumer am Podium. Mit Werner Panhauser und Heribert Werginz haben sich zwei weitere Österreicher als Finisher der Le-Mans-Classic in die Motorsport-Geschichtsbücher eingetragen.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 18. Juli 2018 (01:27)
privat
Heribert Werginz und Werner Panhauser (v. l.) mit ihrer Crew und dem BMW 3,5 CSL in Le Mans.

Alle zwei Jahre wird in Le Mans die Hunaudieres-Gerade, die Arnage-Kurve und die Mulsanne für den öffentlichen Verkehr gesperrt und mit dem übrigen Teil der Piste zur legendären Le-Mans-Strecke verbunden. Mitte Juni donnern dann dort die modernen Boliden über die nur durch zwei Schikanen unterbrochene längste Gerade Europas und matchen sich in den berühmten Porsche-Kurven und unter dem Dunlop-Bogen um den Sieg im Langsteckenklassiker.

Panhauser gegen einstige Formel-1-Stars

Mitte Juli dürfen dann auf der gleichen Strecke die Piloten mit ihren historischen Fahrzeugen, die allesamt als Fahrzeugtyp dort einmal gefahren sein müssen, um den Sieg kämpfen. Legenden wie Rene Arnoux, Jensen Button, Jacques Lafite, Henri Pescarolo, Klaus Ludwig aber auch aktuelle Piloten wie der 24-Stunden-Sieger Romain Dumas waren heuer mit diversen Teams vertreten. Zugelassen sind offene und geschlossene Prototypen der jeweiligen Baujahre, die mit Ihren 600 PS bis zu 330 km/h erreichen, sowie geschlossene Tourenwagen.

„Anders als bei Gleichmäßigkeitsveranstaltungen geht es dabei darum, sich im ganz normalen, gewohnten Rennmodus über insgesamt 24 Stunden zu behaupten“, erzählt der Pressbaumer Werner Panhauser, der heuer das Rennen in Angriff nahm, und „dass dieser Umstand die Piloten nicht abhält, auch eine Unmenge an sehr wertvollen Rennfahrzeugen im Grenzbereich zu bewegen“. Zehn Ford GT 40, acht Bizzarrini, 30 Ferrari, neun Bugatti und sieben Vorkriegs-Bentleys mit Kompressoren waren nach Alter gestaffelt, vertreten. Über 120.000 Zuschauer ließen sich die Chance nicht entgehen, die „brüllenden Klassiker“ zu sehen.

Im Plateau 6, Fahrzeuge von 1971 bis 1975, fanden sich unter den 80 Teilnehmern auch die beiden einzigen österreichischen Vertreter. Ex-Europameister Heribert Werginz setzte seinen BMW 3,5 CSL ein und als zweiten Piloten holte er sich Werner Panhauser, bekannt als Rallycross-Staatsmeister 2016, ins Cockpit. Heinz Janits war als dritter Fahrer genannt, musste aber berufsbedingt absagen.

Panhauser, bekannt schnell auf Schotter, hatte letzte Tourenwagenerfahrungen in den frühen 2000er-Jahren. „Ich habe diese im Frühjahr daher mit diversen Trainingseinsätzen spürbar aufgefrischt“, lacht er und stellte mit 5:21 Minuten den BMW auf Startposition 71. Dann passierte das, was bei älteren Rennautos durchaus vorkommen kann: Kurz nach Mitternacht, im einzigen Nachttraining, fiel das Gaspedal bis zum Bodenblech durch.

Reparatur des Gasseils auf der Strecke

Panhauser, der zum Zeitpunkt des Malheurs am Steuer saß, lenkte kurz nach dem Arnage-Rechtsknick den BMW auf den Grasstreifen, schnallte sich ab und begab sich kopfüber in den Fußraum, wo er die herabgefallene Mutter des Gasseils fand. Diese wurde fixiert und weiter ging die Reise. „Das haben die herbeigeeilten Streckenposten noch nicht oft erlebt“, lacht er.

Samstagnachmittags waren Werginz und Panhauser bereits auf Rang 55 vorgefahren, am Abend bis auf Platz 49. Anschließend begann der BMW außer den üblichen Auspufflammen auch Benzin zu spucken. Es wurde ein Defekt im Tanksystem lokalisiert und konnte auch repariert werden. Der Absturz retour auf Position 53 war aber nicht zu verhindern. In den Morgenstunden des Sonntags lief der BMW dann wieder wie ein bayrisches Uhrwerk und das sollte bis Rennende auch so bleiben.

Am Sonntagnachmittag, als viele Fahrer von der langen Nacht müde mit ihren Autos schon eher in den Schongang wechselten, drehten die beiden Routiniers richtig auf. Panhauser machte neun Plätze gut und übergab den CSL auf Platz 44 an Werginz, der in den letzten Stunde bis auf Platz 32 vorfuhr. In der Tourenwagenwertung ergab das am Ende sogar den dritten Rang. Und der baujahrbezogene Balance-of-Performance-Index der Le-Mans-Classic, der jüngere und stärkere Autos mit einem Korrekturfaktor belegt, und einen direkten, sehr ehrlichen Fahrervergleich ermöglicht, weist die Werginz-Besatzung auf Platz 13 aus.

„Wir sind das erste Mal gemeinsam unterwegs gewesen und haben es mit unserem Power-Finish aufs Podium geschafft, unser engagiertes Team, die vielen enthusiastischen Zuschauer, es haben so viele im Livestream zuhause zugesehen, geschrieben, gratuliert — ich habe vor Freude eine Träne zerdrückt“, meinte Panhauser überglücklich.