Jungadler aus dem Wienerwald werden flügge. Medaillenregen für die vier Nachwuchstalente aus dem Wienerwald.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 18. März 2020 (01:08)
Drei Skisprung-Burschen aus dem Wienerwald. Veit Scheed (hinten), Yannick Vesely und Theo Danner (v. l.) bei der Kalmberg-Trophy.
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Mit vielen Medaillen und Pokalen beenden auch die Skispringer aus dem Wienerwald die heurige Saison aufgrund des Coronavirus vorzeitig. Trotz der schwierigen Schneebedingungen haben die und Athleten aus Mauerbach und Eichgraben, die im Skisprungclub Wiener Stadtadler aktiv sind, Top-Platzierungen geholt.

Veit Scheed (11) aus Mauerbach etwa sicherte sich bei der Internationalen Kalmberg-Trophy im oberösterreichischen Bad Goisern Platz zwei, sein achtjähriger Teamkollege Theo Danner aus Eichgraben sprang in seiner Leistungsklasse auf den dritten Platz. „Das war wegen des Schneemangels kein einfacher Winter, aber unsere Kinder waren extrem flexibel und haben viel auf sich genommen, um an den Wochenenden zu trainieren“, sagt Stadtadler-Sportvorstand Bernhard Wadsak. „Umso erfreulicher sind die Stgockerlplätze, die in den letzten Monaten geholt wurden.“

Besonders die Sprünge von Veit Scheed haben sich über den Winter enorm weiterentwickelt. Seine Weiten von 17 und 18 Metern beim internationalen Turnier auf der 20-m-Schanze in Bad Goisern sind dafür ein eindrucksvoller Beweis. Nur sein Wiener Teamkollege Yannick Vesely hat ihn hier in seiner Leistungsklasse um einen halben Meter überflügelt. Noch weitere Sprünge sind dem elfjährigen Mauerbacher auf der 30-m-Schanze beim Landescupbewerb im steirischen Mürzzuschlag gelungen. Hier schafft der Wienerwald-Überflieger zweimal 24,5 Meter — Platz drei hinter zwei Lokalmatadoren aus der Steiermark! Seine jüngere Schwester Minna holte sich in ihrer Leistungsklasse Platz vier mit zwei Sprüngen auf 10,5 Meter. Bei der Kalmberg-Trophy sprang die Neunjährige einmal sogar 14 Meter — Platz 16 in der gemischten Kinder-II-Klasse.

„Eigentlich ist es schade, dass wir jetzt ein paar Wochen Schanzenpause haben, bis der Schnee überall weg ist. Aber im Mai soll es mit dem Aufbautraining wieder losgehen“, zeigen sich die beiden jungen Mauerbacher motiviert für die Sommersaison. Hier steht die Kindervierschanzentournee an, das wichtigste Skisprungturnier für Kinder mit Bewerben in Reit im Winkel und Berchtesgaden in Deutschland, Bischofshofen im Salzburger Land und Hinzenbach in Oberösterreich.

Hoffen auf reibungslose Mattensaison

Bei der Tournee hat ein weiterer Adler aus dem Wienerwald einen Gesamtsieg zu verteidigen. Theo Danner (8) aus Eichgraben gewann letzten Sommer das Turnier in seiner Altersklasse. Seine Bilanz der vergangenen Wintermonate kann sich ebenfalls sehen lassen. Bei der Kalmberg-Trophy in Bad Goisern holte er Platz drei mit Sprüngen auf 15 und 14,5 Meter. Beim Landescup in Mürzzuschlag wurde er Fünfter, mit zwei Sprüngen auf elf Meter.

„Die meisten Leute glauben ja, dass wir jetzt im Sommer Skisprungpause haben. Dabei trainieren wir im Sommer noch viel mehr als Winter. Da springen wir einfach auf bewässerten Matten, das ist fast das gleiche Gefühl wie auf Schnee, nur dass uns in den Sprunganzügen viel schneller heiß wird als im Winter“, erzählt der Achtjährige über die bevorstehenden Trainingsmonate.

Generell zählt die abgelaufene Saison bei den Wiener Stadtadlern als der erfolgreichste Winter in der 15-jährigen Vereinsgeschichte. Mit Louis Obersteiner (15) aus Wien-Donaustadt hat zum ersten Mal ein Wiener den Gesamtsieg des Austria Cups, also der höchsten nationalen Nachwuchs-Wettkampfserie, geholt - noch dazu mit einem Grand Slam, also allen Bewerben auf Platz eins. Und mit der zwölfjährigen Meghann Wadsak aus der Wiener Innenstadt ist auch ein Mädchen ganz vorn dabei. Sie holte bei den Österreichischen Schülermeisterschaften die Silbermedaille und beendet die Austria-Cup-Saison als zweitbeste Nachwuchsskispringerin Österreichs in ihrem Alter.

„Es fällt mittlerweile in ganz Österreich auf, dass auch mehr und mehr Stadtadler als Nachwuchshoffnungen im österreichischen Skiverband nachrücken“, sagt der Vereinsvorsitzende Florian Danner aus Eichgraben. „Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil wir der einzige Skisprungklub in ganz Österreich sind, der im Umkreis von hundert Kilometern keine eigene Trainingsschanze hat.“

Um adäquate Trainingsmöglichkeiten in Wien oder dem Wienerwald kämpft der Verein seit Jahren und hofft dank der jüngsten Erfolge, endlich auf Gehör der Politik zu stoßen. Insgesamt trainieren derzeit gut 30 Kinder unter den Flügeln der Wiener Stadtadler. Sie fahren mit ihren Trainern an den Wochenenden an die nächstgelegenen Schanzen ins obersteirische Mürzzuschlag oder auch nach Höhnhart (OÖ) oder Eisenerz (Steiermark). Das Konditionstraining absolvieren die Athleten unter der Woche in einer Turnhalle in der Wien-Leopoldstadt.

Der Verein mit etwa 130 Mitgliedern gilt als einer der größten Skisprungklubs in ganz Österreich.