Sensation für St. Pölten beim Neustart. St. Pöltner schießen auch ohne Feichtinger, der nach Krems gewechselt ist, Tabellenführer Leoben mit 35:27 aus der Halle des Sportzentrums NÖ.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 20. Januar 2021 (01:35)
Paul Posset trifft nach seiner Rückkehr vom Auslandssemester in Südkorea aus dem St. Pöltner Rückraum fast nach Belieben.
Claus Stumpfer

ST. PÖLTEN - LEOBEN 35:27. Wer sich um die Truppe Sorgen gemacht hatte, wegen des Abgangs von Aufbauspieler Feichtinger, der kann sich nach dem Sonntagsspiel etwas beruhigter zurücklehnen. Spielertrainer Djukic und Co. haben zum Liga-Neustart im Sportzentrum NÖ den aktuellen Tabellenführer und Titelfavoriten aus der Obersteiermark über weite Strecken regelrecht vorgeführt. Zur Ehrenrettung der Leobener muss man aber auch sagen, dass zwei Mannschaftsstützen nicht anreisen konnten.

Kapitän Nikolic und Topscorer Kovacech befinden sich nach einer positiven Covid-19-Testung in Quarantäne. Falken-Obmann Michi Kögl ging daher schon optimistisch ins Rennen: „Wir schlagen sie heute“, hatte er prophezeit. Nach dem Spiel bekannte aber auch er: „Ich dachte, es wird knapp, mit acht Toren Vorsprung war nicht zu rechnen!“

Den Erfolg nicht genießen konnte das kooptierte Vorstandsmitglied Werner Blum. Wegen eines Bandscheibenvorfalls war eine OP nötig geworden. „Der Sieg kann die Schmerzen hoffentlich ein wenig lindern“, schickt ihm Spielertrainer Damir Djukic neben den Punkten am Konto auch Genesungswünsche vom Team.

Verpasst hat Blum ein Heimteam, dass angeführt von Djukic und Legionär Danijel Arapovic von Anfang an das Spiel in die Hand nahm. Prunkstück war aber die Abwehr um Chef Martin Zettel und Goalie Mark Hübner. Für Leobens Spielertrainer Ziura und dessen Kollegen gab es fast kein Durchkommen. Rasch führten die Falken 5:1 (7.) und nach 17 Minuten lagen die Heimischen mit 12:6 voran.

Die Falken treffen einfach von überall

„Egal ob von der Mitte, den Seiten oder vom Kreis, wir haben getroffen“, freut sich Djukic. Auf der Gegenseite haderte Ziura. Die vielen Zeitstrafen, die sich sein Team eingefangen hatte, passten ihm überhaupt nicht. Nach einem Time-out drehte sich aber bis zur Pause die Partie um 180 Grad. „Unsere Abwehr ist zwar weiter konsequent gestanden, aber im Angriff hat uns die Geduld verlassen“, sprach die überhasteten Abschlüsse Djukic auch in seiner Pausenansprach an.

Ganze sieben Minuten hatten die Falken kein Tor erzielt, der Vorsprung war bis auf zwei Tore geschmolzen — 14:12 stand es beim Wiederbeginn.

Doch die Gäste hatten aus dem Fiasko zum Spielstart nichts gelernt. Erneut wurden sie von den Falken in den Anfangsminuten regelrecht überrollt. Ein 7:1-Lauf sorgte für die bereits vorentscheidende 23:16-Führung. Die Gäste hatten auch einen umstrittenen, weil zu harten Doppelausschluss der Falken nicht ausnützen können, erzielten in dieser Pahse zwar ein Tor, kassierten aber auch eines (41.).

Danach hatte auch Ziura genug, der Spielertrainer selbst schrieb die Partie offensichtlich ab, so viel war seiner Körpersprache zu entnehmen. Djukic konnte es sich sogar leisten in den Schlussminuten fleißig durchzutauschen. Als der Mann des Spiels Jan Neumayer nach einem Schlag mit Nasenbluten vom Platz musste (53.), durfte auch Paul Posset aufs Feld, der erst kurz vor Weihnachten aus einem Auslandssemester in Südkorea zurückgekehrt war. Der Wirtschaftsstudent hat sich nur bei einem Collegeteam fitgehalten. „Wir haben zwei Turniere bestritten, aber das ist kein Meisterschaftsteam, sondern nur Studenten, die während der Unizeit gemeinsam trainieren“, zeigte er sich dennoch gut in Schuss. Praktisch im Minutentakt steuerte er im Finish noch vier Tore bei.

„Wir sind ja eine Familie hier!“

Von Südkorea zeigt er sich begeistert, auch wegen des Umgangs mit der Pandemie. „Dort tragen schon seit Ausbruch alle die FPP2-Masken verpflichtend und man wird häufig getestet, aber Verbote gibt es sonst keine und trotzdem bleibt die Fallzahl niedrig. Über die Rückkehr zu den Falken freut sich Posselt trotzdem. „Wir sind ja eine Familie hier!“

Ziel der „Familie“ bleibt das Erreichen des Meister-Play-offs. Nach dem Vorrücken auf Tabellenplatz vier sind die Chancen natürlich gewachsen. „Umso wichtiger ist jetzt aber ein Heimsieg am Mittwoch gegen Atzgersdorf, denn die Wiener sind unmittelbarer Gegner ums Play-off-Ticket“, weiß Djukic. Neuverpflichtung wird es kurzfristig keine geben, doch Djukic will nicht ausschließen, dass sich bis zum Schließen des Transferfensters Anfang Februar noch ein Spieler dazugesellt. „Es könnte einen Rückkehrer geben, falls sich für ihn ein Jobangebot zerschlagen sollte!“