Heimsieg-Traum platzt im Finish. Der Deutsche Franz Löschke fängt Thomas Steger mit Sprint ab. 20.000 Fans feiern alle Athleten.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 28. Mai 2019 (01:59)
Claus Stumpfer

Drei Tage IRONAMN 70.3-Spektakel hat St. Pölten hinter sich, und da war wieder Sommerwetter garantiert. Selbst die beiden Seen erwärmten sich noch auf fast 17 Grad und boten optimale Bedingungen fürs bislang größte Profistarterfeld in der Geschichte des St. Pöltner Bewerbs und natürlich die rund 3.000 Hobbyathleten, die in Wellen abgelassen wurden.

Vor allem einer fühlte sich pudelwohl im kalten Nass: Alex Gräf stieg als Erster aus dem Viehofner See, dicht gefolgt vom Deutschen Nils Frommhold und dem zweifachen IRONMAN-Sieger Jesper Svensson (Schweden). Martin Bader lief als Vierter zum Ratzersdorfer See, aber nur fünf Sekunden vor Thomas Steger, der als Erster der Favoriten in den zweiten See sprang. In diesem drängte sich das Spitzenfeld. Gräf, Bader, Svensson und Frommhold verließen die Wechselzone geschlossen binnen sieben Sekunden.

Probleme hatte Lokalmatador und Vorjahressieger Michael Weiss. „Ich kam im Wasser nicht in die Gänge“, klagte er. Als er nur als Dreißigster aufs Rad stieg, war auch ihm klar, dass die Titelverteidigung kaum realisierbar sein würde. Und der Vorjahresdritte Giulio Molinari aus Italien nahm die Radstrecke mit rund 40 Sekunden Rückstand in Angriff.

Auch Finnin versenkt alle Chancen im See

Die im Vorfeld als Mitfavoritin gehandelte Finnin Heini Hartikainen — die Dreifachsiegerin Laura Philipp hatte kurzfristig abgesagt — plagte dasselbe Problem wie Weiss. Sie kam mit dem kalten Wasser schlecht zurecht, da half selbst ihr Vollkörper-Anzug nichts. Nach dem Schwimmen lag sie fünfeinhalb Minuten zurück.

Überragende Schwimmerin war die Deutsche Anna-Lena Pohl, die allen anderen Profi-Damen mehr als zwei Minuten abnahm. Die Vorarlbergerin Bianca Steurer kündigte ihre Podest-Ambitionen bereits am Freitag bei der Pressekonferenz an, und ließ Worten Taten folgen. Nach der ersten Wechselzone lag sie vor weiteren Sieganwärterinnen wie Amber Ferreira (USA), Julia Gajer (GER) und Sara Svensk (SWE), welche die Radstrecke mit fünf Minuten Rückstand in Angriff nahmen. Zwischen den beiden Führenden und der Verfolgergruppe zeigte Jacqueline Kallina, dass sie sich als Age-Group-Athletin keinesfalls verstecken muss. Zu diesem Zeitpunkt am dritten Platz, zog sie ihr Tempo durch und erreichte letztlich den achten Endrang.

Steger, der in den letzten Jahren das Podium jeweils nur knapp verpasst hatte, wollte es diesmal auf der Radstrecke wissen. Auf den ersten 60 Kilometern fuhr er der Konkurrenz auf und davon. Doch der Gansbacher Berg forderte dann seinen Tribut und bis zum Ende der 90,1-Kilometer-Radpassage musste Steger Franz Löschke und Molinari passieren lassen. Letzterer gab aber nach der Radstrecke auf.

Löschke nahm daher die Laufstrecke mit 25 Sekunden Vorsprung auf Steger in Angriff. Weiss kam bereits auf Platz vier in die zweite Wechselzone, knapp hinter Überraschungsmann Christoph Schlagbauer. Mit Paul Ruttmann auf Rang fünf war das Rennen zu dieser Zeit fest in österreichischer Hand. Einzig Löschke konnte noch einen Heimsieg verhindern.

Bei den Damen konnte Pohl das hohe Tempo am Rad nicht mitgehen. Steurer zog kurz nach Kilometer 25 an ihr vorbei. Und die nach einer Babypause sensationelle Julia Gajer verkürzte ihren Rückstand ebenfalls. Doch Sara Svensk rollte das Feld von hinten auf! Die Schwedin war nur an 13. Stelle aufs Rad gestiegen, übernahm aber bei Kilometer 65 am letzten Anstieg die Führung und fuhr bis zum Beginn der Laufstrecke sogar 1:33 Vorsprung auf Steurer heraus. Dahinter zeichnete sich zwischen den Deutschen Gajer und Laura Zimmermann ein Zweikampf um Platz drei ab.

Angefeuert von tausenden Zuschauern auf der Strecke und vor allem der übervollen Ironmile, zündete Steger bei den Herren auf der Laufstrecke nochmals den Turbo und überrannte Löschke. Mit 1:10 Minuten Vorsprung bei Kilometer 16 sah er wie der sichere Sieger aus. Doch wie auf der Radstrecke meldete sich im Finish bei ihm erneut der „Mann mit dem Hammer“. Auf den letzten fünf Kilometern brach Steger total ein.

„Als ich drei Kilometer vor dem Ziel gehört habe, dass ich nur mehr 35 Sekunden zurückliege, habe ich alles aus mir rausgeholt“,

„Als ich drei Kilometer vor dem Ziel gehört habe, dass ich nur mehr 35 Sekunden zurückliege, habe ich alles aus mir rausgeholt“, schildert Löschke, der erst von der Kurzstrecke zu den Mitteldistanz-Triathlons gewechselt ist, den Moment, an dem er an den Sieg zu glauben begann. Und rund 450 Meter vor dem Ziel überlief er dann ein weiteres Mal den vergeblich kämpfenden Steger. Löschke stellte nach der Niederlage im Vorjahr die Ehre der Deutschen mit der Siegerzeit von 3:52:37 Stunden wieder her. Einzig mit der Radstrecke war er nicht ganz zufrieden.

„Berge liegen mir überhaupt nicht und so habe ich mich da nur irgendwie drüber gerettet“, meinte er. Und bemängelte auch falsche Trekking-Kilometer-Angaben auf der Radstrecke. „Schon beim Training hat das nicht gepasst!“ Sonst fand er die Stimmung in St. Pölten aber großartig, was wenig verwundert, schließlich war es einer der bislang größten Erfolge seiner Karriere.

„Berge liegen mir überhaupt nicht und so habe ich mich da nur irgendwie drüber gerettet“

Maßlos enttäuscht passierte Steger mit 38 Sekunden Rückstand die Ziellinie, wobei er einen Moment zögerte und zu überlegen schien, ob er den letzten Schritt überhaupt noch machen soll. Die Enttäuschung darüber, so knapp vor dem Ziel noch abgefangen worden zu sein, saß einfach tief. Nach mehreren Anläufen hat er jedoch seinen lang ersehnten Platz am Treppchen in St. Pölten erreicht und war der Sieger der Herzen vor knapp 20.000 Fans. Weiss zog seinen Steigerungslauf durch und holte sich den dritten Platz vor Ruttmann.

Bei den Damen ließ die Schwedin Svensk den Konkurrentinnen auch auf der Laufstrecke keine Chance und feierte in 4:26:05 Stunden einen von ihr selbst nicht erwarteten Sieg, wie sie selber sagte: „Ich hatte eine Hüftverletzung im Oktober, weshalb ich vier Monate kein Lauftraining absolvieren konnte. Aber ich hatte heute hervorragende Beine vor allem am Rad.“

Steurer krönte ihre Leistung mit dem zweiten Platz und war überglücklich, genauso wie Gajer, die mit dem dritten Platz einen großartigen Einstieg in die Saison feierte.

Landesrätin Petra Bohuslav und Bürgermeister Matthias Stadler überreichten traditionell die Medaillen bei der Flower Ceremony. Nicht am Start war neben Philipp auch Ski-Weltcup-Ass Petra Vlhova. Die Slowakin zog wegen einer Erkältung zurück.