Heimsieg Schrotts bei Hürden-K.o.-Bewerb. Sensation des Tages war aber der Slowene Kristijan Ceh, der Diskus-Ass Weißhaidinger die erste Niederlage in Österreich seit sechs Jahren zugefügt hat.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 01. Juli 2020 (01:30)

Am Samstag fand im Sportzentrum NÖ das erste von fünf Austrian Top Meetings dieses Jahres statt. Der neu geschaffene Hürden-K.o.-Bewerb der Frauen wurde dabei eine Beute von Favoritin Beate Schrott. Die Sensation des Tages war aber der Sieg von Newcomer Kristjan Ceh aus Slowenien im Diskuswurf, der Österreichs WM-Dritten Lukas Weißhaidinger bei starkem Rückenwind nicht den Funken einer Chance ließ.

Für Turnierdirektor Gottfried Lammerhuber war nie in Frage gestanden, dass „seine“ USP Leichtathletik auch nach der durch Covid-19 erzwungenen Pause als erster Verein ein Austrian-Top-Meeting organisieren würde. „Wir stehen mit dem Liese-Prokop-Meeting zschon seit etlichen Jahren immer am Anfang der Meeting-Serie und daran wollten wir unbedingt festhalten, was uns dank der treuen Unterstützer auch gelungen ist“, bedankte er sich vor allem bei Stadt und Land.

Und Lammerhubers Mut wurde belohnt, obwohl im Juni die Auflagen noch strenger waren, als sie es bei den folgenden Veranstaltungen sein werden. So war die Besucherzahl auf hundert beschränkt.

Belohnt wurde Lammerhuber aber mit dem ersten richtig heißen Sommertagdes Jahres und extrem starken Leistungen der Athleten. Für Österreichs Leichtathletik-Präsidentin Sonja Spendelhofer war das Freibad an diesem Tag daher trotz Hitze keine Alternative. „Bei einem solchen Staraufgebot von in- aber auch schon ausländischen Athleten, muss man dabei sein“, lobte sie Lammerhuber, der binnen kürzester Zeit ein tolles Feld zusammentrommeln hatte können.

Neuer K.o.-Bewerb ging an Beate Schrott

Highlight des Meetings war wohl der K.o.-Bewerb über 60-m-Hürden der Frauen. Die Idee von Nationaltrainer Philipp Unfried schlug voll ein und begeisterte Athletinnen wie Zuseher. Im 30-minütigen Rhythmus absolvierten die acht Teilnehmerinnen zuerst Viertel-, dann Semifinals und schließlich die Final-Läufe über die im Freien selten gelaufene Distanz. „So haben die Athletinnen gleich drei Mal die Möglichkeit zu starten und man kann auch etwas beim nächsten Lauf korrigieren, wenn es notwendig ist“, erklärte der St. Pöltner Moduserfinder, der auch als Coach von Karin Strametz (SU Kärcher Leibnitz) und Ivona Dadic (Union St. Pölten) fungiert.

Seine Athletinnen konnten sich nach Papierform auch für das Semifinale qualifizieren, wo sich die steirische Hürdenspezialistin gegen die Mehrkämpferin durchsetzte. Dadic verpatzte den Start und kam schon zur ersten Hürde so unglücklich hin, dass sie letztlich „verweigern“ musste. Ins Finale, in dem Favoritin Beate Schrott (Union St. Pölten) wartete, nachdem sie sich in ihrem Semifinale klar gegen U-18-EM-Bronzemedaillengewinnerin Johanna Plank (TGW Zehnkampf Union) durchgesetzt hatte, zog daher Strametz ein. Das von Lammerhuber erträumte rein St. Pöltner Finale fiel ins Wasser. Doch Lokalmatadorin Schrott war im Endlauf nicht zu haltenund siegte in starken 8,16 (+2,9) mit einer zehntel Sekunde Vorsprung.

„Der Modus macht total Spaß, das war ein grenzgenialer Wettkampf heute. Mit den Zeiten bin ich auch extrem zufrieden, auch die Läufe fühlen sich schon richtig gut an. Mein Start im Finale war schon ganz gut, aber vor allem hinten raus war ich stark“, meinte Schrott nach ihrem Sieg.

Weißhaidinger verlor erstmals seit 2014

Bei den Staatsmeisterschaften 2014 zog Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA) zuletzt auf heimischen Boden den Kürzeren, es war am 2. August in Amstetten gegen Olympiafinalisten Gerhard Mayer. Heute war er der „Senior“ im Feld, und U-23-Europameister Kristjan Ceh (SLO) war an diesem Tag - bei schwierigen Bedingungen mit Rückenwind - eindeutig eine Klasse für sich. Gleich mit dem ersten Wurf auf 65,67 Meter setzte sich der slowenische Hüne in Führung und gab diese nicht mehr ab. Ganz im Gegenteil, mit 67,19 pulverisierte er sogar den alten Stadionrekord des Oberösterreichers, der bei 65,17 gestanden war, deutlich.

„Ich bin sehr glücklich, denn die Würfe gingen mir eigentlich alle ganz locker von der Hand. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man weiter wirft als Lukas“, war der für einen Werfer noch extrem junge Ceh natürlich „happy“. Und bereits am 2. Juli in Eisenstadt wird er wieder auf Weißhaidinger treffen.

Der WM-Dritte warf die 2-kg-Scheibe im zweiten Versuch zwar auf beachtliche 64,27, konnte sich aber nicht mehr steigern. „Vorne gebe ich Gas und hinten drehen die Reifen durch“, beklagte er, diesmal die richtige Position nicht gefunden zu haben. „Das ist auch Kopfsache, kann sich schnell wieder ändern“, kündigt er Revanche an, gibt aber zu: „Bei so heftigem Rückenwind über 67 Meter zu werfen ist schon sehr stark, Ceh hat sicher das Zeug dazu, ein ganz großer zu werden. Körperlich ist er schon jetzt ein Riese, aber auch sportlich muss man mit ihm in Zukunft rechnen!“

Heimsiege für Dadic und sensationelle Schrempf

Nach ihren drei Hürdensprints hatte Hallen-Siebenkampf-Vizeweltmeisterin Ivona Dadic auch noch das Kugelstoßen in ihrem Programm. Seit wenigen Wochen holt sie sich in dieser Disziplin ein paar Tipps von Ex-Weißhaidinger-Trainer Josef Schopf, und erste Erfolge stellen sich bereits ein. Mit 14,97 Meter gab es für die Niederösterreicherin eine neue Bestleistung, die Freude war entsprechend groß.

„Voll genial, das hat echt schon gut funktioniert heute“, war Dadic sogar selbst positiv überrascht. „Wir haben nicht großartig was verändert, legen den Fokus aber jetzt ein wenig anders und dass das heute schon funktioniert hat, ist richtig cool.“