Der Zeitdruck macht Ivona Dadic richtig Beine. Sensationelle Weltbestleistung von Ivona Dadic beim Showbewerb in Amstetten vor über 500 Fans.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 29. Juli 2020 (03:05)
Ivona Dadic zeigte beim Ein-Stunden-Siebenkampf ihre Klasse. Die Mitstreiterinnen Sarah Lagger (l.) und Caroline Ruckstuhl (Schweiz) hatten in keiner Disziplin eine Chance.
ÖLV /Nevsimal

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und Windstille: Bei der Ein-Stunden-Siebenkampf-Premiere letzten Donnerstag in Amstetten passte einfach alles. „Die Bedingungen hätten kaum besser sein können“, schwärtme auch Österreichs Leichtathletik-Aushängeschild Ivona Dadic.

Die 500 (zugelassenen) Zuschauer – allen voran Diskus-Ass Lukas Weißhaidinger – erlebten ein Leichtathletik-Spektakel der besonderen Art. ORF Sport+ übertrug ebenso live wie der Olympic Channel des IOC, Co-Kommentatorin im ORF war die WM-Dritte Verena Preiner, die ihre Teilnahme kurzfristig absagen hatte müssen. Und so war die alleinige Hauptakteurin dieser Weltpremiere Ivona Dadic. Die 27-jährige Hallen-Vizeweltmeisterin im Fünfkampf von der Union St. Pölten konnte mit 6.235 Punkten eine inoffizielle Weltbestleistung im Ein-Stunden-Siebenkampf aufstellen. Und letztlich fehlten Dadic auch nur 68 Punkte auf Platz eins in der „normalen“ Siebenkampf-Weltrangliste.

„Ein Siebenkampf in zwei Tagen ist schon anstrengend, ein Ein-Stunden-Siebenkampf tut unfassbar weh. Aber wenn ich jetzt meine Punkteleistung sehe, dann sind die Schmerzen mit einem Schlag weg“, strahlte Dadic nach der gelungenen Premiere.

Von Coach Philipp Unfried wieder perfekt vorbereitet, war sie gleich mit tollen 13,64 Sekunden über 100-m-Hürden gestartet. Ab da lief auch gnadenlos die Stoppuhr mit, denn vor der 60. Minute musste der letzte Bewerb, der 800-Meter-Lauf, gestartet werden.

Fast im Minutentakt ging es daher weiter. Dadic sprang 1,80 Meter hoch, schleuderte die Kugel auf 14,84 Meter und sprintete danach die 200 Meter in 24,32 Sekunden. Damit hatte die gebürtige Oberösterreicherin sensationell nahezu die Punktezahl von ihrem besten „normalen“ ersten Tag im Siebenkampf erreicht.

„Wenn die Tagesform passt, dann werde ich kräftig Punkte sammeln, in jedem Fall über 6.000“

Nach dem 200-m-Lauf folgte jedoch mit dem Weitsprung die aufgrund der physischen Vorbelastung schwierigste Disziplin. „Normal haben wir nach den 200 Metern ja eine ganze Nacht Zeit, um zu regenerieren, jetzt mussten wir nach wenigen Minuten zum Weitsprung weiter“, kommentierte Dadic ihre ungewöhnlich schweren Beinen. Es folgten trotzdem zufriedenstellende 5,76 Meter im Weitsprung und starke 47,60 Meter im Speerwurf, ehe nach genau 57 Minuten der letzte Bewerb, der kraftzehrende 800-Meter-Lauf losging. Dabei holten die drei Starterinnen — Junioren-Weltmeisterin Sarah Lagger und U-23-Europameisterin Caroline Ruckstuhl aus der Schweiz hatten sich ebenfalls der Herausforderung gestellt — noch einmal alles aus ihren müden Körpern heraus. Nach zwei absolvierten Stadionrunden erreichte Dadic nach 2:19,10 Minuten das Ziel.

„Wenn die Tagesform passt, dann werde ich kräftig Punkte sammeln, in jedem Fall über 6.000“, hatte sich Dadic vor dem Wettkampf ein hohes Ziel gesetzt. Das dieses mit 6.235 weit übertroffen wurde, lässt das „Team Dadic“ auf weitere Highlights in dieser schwierigen Corona-Saison hoffen. Bei den Mehrkampf-Staatsmeisterschaften Ende August in Götzis wird Dadic aber wieder zwei Tage Zeit für ihren Siebenkampf haben.