„Hausi“ als großer EM-„General“. Der Tullner Martin Hausleitner war schon bei einigen Europameisterschaften dabei. Die Titelkämpfe in Kroatien waren aber seine ersten als EHF-Generalsekretär.

Von Wolfgang Stritzl. Erstellt am 07. Februar 2018 (02:25)
Martin Hausleitner bei der Ehrung des besten Spielers (Balling Christensen) der Partie Dänemark gegen Spanien.
NOEN, HRS /Sasa Pahic Szabo

Wie haben Sie Ihre erste EM als EHF-Generalsekretär erlebt?
Martin Hausleitner:
Als Organisator und Teilnehmer habe ich Europameisterschaften ja schon kennen gelernt. Aus einer so übergeordneten Perspektive aber noch nicht. Man ist mit den Problemen aller konfrontiert, trägt die Gesamtverantwortung. Es war unglaublich, wie viele Eindrücke und Menschen auf dich zukommen.

Wie hat für Sie ein typischer Arbeitstag ausgesehen?
Die Tage sind mit Sitzungen zugepflastert. Es hat Treffen auf höchster politischer und sportlicher Ebene gegeben. Auch mit Sicherheitsfragen ist man beschäftigt. Ein großes Thema waren sie beim Eröffnungsspiel Kroatien gegen Serbien. Und dann gibt es auch noch Ausrüstungsfragen, die auf höchster Ebene geklärt werden müssen. Die Deutschen etwa wollten einen eigenen Koch. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Sportliche nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat.

Beim Spiel Kroatien gegen Island wurde Luka Cindric von Martin Hausleitner ausgezeichnet.
NOEN, Uros Hocevar

Wie viel haben Sie geschlafen, wie viele Kilometer sind Sie in Kroatien unterwegs gewesen?
Geschlafen habe ich nur wenig – ähnlich wie bei der Heim-EM 2010. Die Nächte dauern ewig. Abgespult habe ich viele Kilometer, 4000 bis 5000 werden es in den drei Wochen, in denen ich unterwegs war, sicher gewesen sein.

Ziehen Sie ein positives Fazit?
Ja. Die EM war ein schönes Fest und vom kroatischen Verband sehr gut vorbereitet. Wir wollen, dass die Veranstaltung ein internationaler Treffpunkt wird. Dass sie auf höchster politischer Ebene als wichtiger Faktor wahrgenommen wird. Das ist gelungen.

Wie beurteilen Sie das Abschneiden unseres Nationalteams?
Zwei Dinge waren bereits im Vorfeld bekannt: Dass unser Team sehr jung ist, dass unsere Leitfigur Nikola Bilyk erst 20 Jahre ist und die besten zehn noch vor sich hat. Dass die EM für uns also sehr früh kommt. Und dass die Personaldecke dünn ist. In Summe war es knapp zu wenig.

Vorfreude auf Europameisterschaft in Österreich

In zwei Jahren findet in Österreich, Schweden und Norwegen die nächste EM statt. Freuen Sie sich schon auf die Titelkämpfe?
Und wie! Ich habe Sie ja als ÖHB-Generalsekretär noch eingefädelt. Daher ist es für mich doppelt etwas Besonderes. Erstmals werden 24 Nationen am Start sein. Die logistischen Herausforderungen werden noch größer. Es wird in jedem Fall spannend. Aber ich kann daheim schlafen (lacht) …

Sie sind seit August EHF-Generalsekretär. Ist die Arbeit so, wie Sie sie erwartet hatten?
Ich muss gestehen, dass mich die Vielfalt der Themen doch überrascht hat. Es ist aber eine sehr, sehr interessante Aufgabe.

Stehen Sie noch in regelmäßigem Austausch mit Ihrem Nachfolger als ÖHB-Generalsekretär Bernd Rabenseifner?
Ja, wir sprechen uns mindestens ein Mal wöchentlich. Bernd Rabenseifner ist vom Typ her sehr gewissenhaft und geht in dieselbe Richtung wie ich. Seine Arbeit findet Anerkennung.

Von 9. bis 19. August findet für den 2000er-Jahrgang die Jugend-EM in Tulln statt. Werden Sie Zeit haben, die Europameisterschaft zu besuchen?
Ich hoffe schon. Es passiert nicht oft, dass eine EM in meinem Heimatort Tulln stattfindet. Zeitgleich hat die EHF aber vier Veranstaltungen laufen.