Wiener Neustadt

Erstellt am 12. Februar 2019, 02:48

von Malcolm Zottl

Von Freundschafts-Ehe bis zu Olympia-Gold. Vor 25 Jahren eroberte Emese Hunyady Olympia-Gold. Durch die Ehe mit dem Wr. Neustädter Thomas Nemeth wurde sie erst zur Österreicherin.

WM-Selfie. Am Wochenende traf Thomas Nemeth auf Emese Hunyady und ihren jetzigen Ehemann Timo. In Inzell sah das Trio auch einen Glanzauftritt von „Hunyady-Nachfolgerin“ Vanessa Herzog – Gold und Silber.  |  privat

Emese Hunyady tanzt am Eis von Lillehammer Walzer, in ihrer Hand die rot-weiß-rote Fahne – der 21. Februar 1994 ist für viele Österreicher eine ganz besondere Olympia-Erinnerung. Die damals 27-jährige, gebürtige Ungarin hatte kurz zuvor Gold im Eisschnelllauf über 1.500 Meter gewonnen.

Eine besondere Geschichte, die auch mit der Region eng verwoben ist. 1985 heiratete Hunyady nämlich den Wiener Neustädter Thomas Nemeth. Hunyady war zu diesem Zeitpunkt bereits 16-fache ungarische Meisterin und 1984 erstmals bei Olympia. Doch im damaligen Ostblock gab‘s für sie keine (sportliche) Perspektive mehr. „Es war eine Freundschafts-Ehe, aber das war zur damaligen Zeit nicht unbedingt ungewöhnlich“, erzählt Nemeth im Gespräch, der als Beispiel etliche Handballerinnen von Hypo Niederösterreich nennt.

„Aus der Sicht der Polizei war Emese eine Spionin.“ Thomas Nemeth verrät, dass es seine Ex-Ehefrau in der neuen Heimat zur Zeit des Kalten Kriegs nicht leicht hatte.

In der neuen Heimat wurde die talentierte Eisprinzessin aber nicht mit offenen Armen empfangen, wie Nemeth verrät. „Aus der Sicht der Polizei war Emese eine Spionin“, erinnert sich Nemeth: „Das war sehr befremdlich, ich musste ständig auf meine Frau aufpassen.“

Neben den Problemen im privaten Umfeld, ging es sportlich für Hunyady aber rasch bergauf. Gemeinsam mit ihrem Ehemann trainierte sie am Wiener Eisring Süd. Nemeth hatte am Wiener Neustädter Sportgymnasium Eisschnelllauf als Hauptsparte. „Auf nationaler Ebene war ich ganz okay. Aber Emese hatte einen ganz anderen Fokus“, erinnert sich Nemeth: „Sie ist immer vorne weggelaufen und wir hinterher.“ Hunyady orientierte sich bald an internationalen Kalibern. Die Trainings-Partnerschaft und die Ehe mit Nemeth gingen zu Ende.

Tränen flossen am Tiroler Pannenstreifen

Nicht aber die Freundschaft: Diese hat bis heute Bestand. „Da bin ich auch sehr stolz drauf, das ist ja nicht in jeder geschiedenen Ehe so“, grinst Nemeth. Vor knapp drei Jahren moderierte er bei Hunyadys 50er, diese Woche liefen sich die beiden wieder bei der Eisschnelllauf-WM in Inzell (Deutschland) über den Weg und hatten dabei auch gleich was zu feiern. Vanessa Herzog holte Gold über 500 Meter und Silber über 1.000 – die erste heimische Weltmeisterin seit Hunyady vor fast 20 Jahren. Ob die 23-Jährige auch das Zeug hat ihr auf den Olympia-Thron zu folgen? „Ich bin fest davon überzeugt. Sie hat zumindest noch zwei Olympische Spiele, wenn sie gesund bleibt, ist vieles möglich“, glaubt Nemeth.

Er selbst arbeitet ebenfalls daran, Eisschnelllauf auf breitere Beine zu stellen und zwar mit seiner Breitensportinitiative skate_weissensee. „Das wollen wir in Zukunft noch größer aufziehen, vielleicht sogar einen Verein gründen“, verrät Nemeth. Bei skate_weissensee ist auch Hunyady unterstützend dabei. „Wenn ich irgendetwas brauche, kann ich mich immer an sie wenden und auch wenn sie irgendwas braucht, bin ich für sie da“, spricht Nemeth über eine enge Freundschaft.

Bleibt natürlich die Frage, wie er vor knapp 25 Jahren den Goldlauf seiner Exfrau miterlebt hat? Die Tage zuvor seien recht entspannt gewesen, für den ORF war Nemeth in Tirol unterwegs. „Es hat damit geendet, dass ich irgendwo in Tirol am Pannenstreifen gestanden bin, die Daumen gedrückt habe und Freudentränen in den Augen hatte.“