Wr. Neustädter ist der muskulöseste Zahnarzt der Welt

Erstellt am 16. November 2022 | 05:59
Lesezeit: 6 Min
Der Wiener Neustädter Mediziner Maximilian Melchard ist am Samstag bei der WM im Natural Bodybuilding in L.A. dabei.

16 Jahre Training. Sechs Jahre Studium. Für eine besondere Geschichte. Der Wiener Neustädter Max Melchard ist der wohl muskulöseste Zahnarzt der Welt. Nach einer erfolgreichen Debütsaison, in der er bei jedem Wettkampf am Podest stand, startet der Mediziner am Samstag bei der WNBF-Bodybuilding-WM in Los Angeles in der Profi-Klasse.
Sport spielte im Leben des Doktors immer schon eine große Rolle. Mit fünf Jahren kam er in den Schwimmverein. „Mit 13, 14 sind wir erstmals in die Kraftkammer gegangen. Da habe ich gleich gemerkt, dass ich großen Spaß am Gewichte bewegen habe.“ Mit Papa Wolfgang – ebenfalls Zahnarzt – trainierte der Teenager zunächst im eigenen Keller. Als „Trainings-Bibel“ diente ihm dabei ein Buch des wohl berühmtesten Bodybuilders: Arnold Schwarzenegger. „Er ist für mich kein Idol, aber sein Lebensweg vom Grazer Polizistensohn zum Mister Olympia, Schauspielstar und Gouverneur von Kalifornien ist beeindruckend.“ Im Jahr 2019 gab es mit „Arnie“ in Los Angeles übrigens schon ein persönliches Treffen.

Damals bestritt Melchard noch keine Bodybuilding-Wettkämpfe. „Ich bin kein Charakter, der sich im Wettkampf mit anderen messen muss“, erzählt der 30-Jährige: „In meinem Freundeskreis sind aber auch ein paar Bodybuilder und die haben gesagt, dass die Vorbereitung auf einen Wettkampf psychisch und physisch die Hölle ist. Das war eigentlich der antreibende Faktor. Ich wollte wissen, wie das ist.“

Hormonspiegel gerät aus dem Gleichgewicht

Seit Jänner betreut ein erfahrener Bodybuilding-Coach das Muskelpaket, das seit März jedes Gramm Nahrung genau abwiegt. „Das Eiweiß bleibt hoch. Kohlenhydrate braucht man, damit Feuer im Ofen bleibt, um trainieren zu können. Wo man reduziert, ist beim Fett.“ Der 1,75 Meter große Melchard wiegt aktuell 76 Kilogramm. Vor der Diät waren es 80. Das ist nicht der große Unterschied. Entscheidend ist der Körperfettanteil. Derzeit sind es geschätzt nur mehr vier bis fünf Prozent. Bei Männern liegt dieser Wert durchschnittlich zwischen zehn und 22 Prozent. Die Muskelmasse nahm im gleichen Zeitraum zu. Gesund ist das nicht. „Ich fokussiere meine kognitive Leistung auf Beruf und Training. In der Freizeit merke ich, dass ich schneller müde werde und antriebsloser bin.“ Der Hormonspiegel kommt aus dem Gleichgewicht. „Ich habe fast keine Eigen-Testosteron-Produktion mehr. Die Schilddrüse braucht Fett. Da sind meine Werte auch niedrig“, gibt Melchard zu.

Bei den Profis gibt es Preisgeld, das ist so viel, dass vielleicht der Flug nach Los Angeles für zwei Personen gedeckt ist.“
Maximilian Melchard erklärt, dass er mit Natural Bodybuilding nicht reich wird. Seine Patienten müssen sich keine Sorgen machen, dass sie ihren Zahnarzt verlieren

Das liegt an der extremen Ernährung. Hilfsmittel wie Anabolika verwendet er nicht. Melchard ist ein „Natural Bodybuilder“, verzichtet auf muskelaufbauende Präparate: „Es gibt beim Bodybuilding Verbände mit Dopingkontrollen und welche ohne. Wenn man bei einem Verband ohne Kontrollen startet, kann man sich schon denken, was die anderen machen.“ Sein erster Wettkampf bei der PCA war sein einziger bei einem Verband ohne Kontrollen. Es durften nur Bodybuilder-Neulinge starte. Melchard siegte in seiner Klasse und gesamt. Bei der WNBF-UK gab es ebenfalls zwei Siege. Es folgten ein erster und ein zweiter Platz in Ungarn sowie ein zweiter und ein dritter Rang bei der INBA-EM in Budapest. Das WM-Ticket für die Profi-Klasse bescherte ihm aber der Gesamtsieg in Großbritannien. Die Patienten müssen aber keine Angst haben, dass der Zahnarzt wegen seines Profi-Status seine Ordination aufgibt: „Bei den Profis gibt es Preisgeld, aber das ist so viel, dass der Flug nach Los Angeles für zwei Personen gedeckt ist. Finanziell zahlt sich Natural Bodybuilding nicht aus, man zahlt drauf.“

Wettkampf-Woche als Kalorien-Challenge

Sogar bei der WM, zu der Melchard am heutigen Mittwoch gemeinsam mit seiner Freundin abhebt. Damit befindet er sich auch schon mittendrin in der sogenannten „Peak Week“. Die Bodybuilder entleeren in den Tagen vor dem Wettkampf ihre Glykogen-Speicher, in denen Kohlenhydrate gespeichert werden. Dabei nehmen sie auch schon mal nur um die 1.700 Kilokalorien zu sich. Ansonsten sind es, trotz Diät, nie weniger als 2.000. „Am Tag vor dem Wettkampf ballere ich mich dann mit Kohlenhydraten voll und trinke viel“, erzählt Österreichs WM-Starter. Was das für einen Sinn hat? Die Muskeln sollen prall auf die Haut drücken, so die Juroren beeindrucken. „Leistungstechnisch ist ein Bodybuilder am Tag des Wettkampfs wahrscheinlich sogar am schlechtesten, aber es geht um die Optik, nicht um die Leistung.“ Ein Platzierungsziel für die WM gibt es nicht. „Mir macht es Spaß, mein Produkt, für das ich lange trainiert habe, auf der Bühne zu präsentieren. Das darf ich jetzt unerwartet noch ein fünftes Mal in diesem Jahr machen. Ich möchte sehen, wie weit ich von der absoluten Elite entfernt bin.“

Danach ist die Bodybuilder-Karriere vorerst zu Ende. Eine zweite Saison ist erst in einigen Jahren geplant. 2025 sei realistisch. Der Körper braucht Zeit, um sich von der Lebensweise zu erholen. „Es gibt Athleten, die das jedes Jahr machen, aber ich würde wahrscheinlich Jahr für Jahr schlechter werden.“ Mit gezielterer Vorgangsweise sei das Limit beim Natural Bodybuilder hingegen erst zwischen 38 und 44 Jahren erreicht.

„Von der Leistung ist ein Bodybuilder beim Wettkampf am schlechtesten, aber es geht um die Optik, nicht um die Leistung.“
Maximilian Melchard über die Anforderungen an einen Bodybuilder bei der Trainingssteuerung, die ganz anders ist, als bei den meisten Sportarten

Nach der Weltmeisterschaft geht es fürs Erste aber zurück ins „normale Leben“, dabei wird er von einem erfahrenen Coach begleitet. Das Sättigungsgefühl ist in den letzten Monaten verkümmert, sprich wenn Melchard wieder beginnt normal zu essen, besteht die Gefahr, dass er stark zunimmt. Das gilt es zu verhindern. Trotzdem ist es wieder einmal erlaubt, Essen zu gehen und darauf freut sich der Muskelprotz besonders: „Einfach ausgehen und im Restaurant etwas bestellen, egal welche Speise.“