Eisstocksport wird olympisch: „Ein Traum wird wahr“. Der Eisstocksport wird olympisch. 2026 in Italien geht es für die Stocksportler erstmals um olympische Medaillen. Mitauslöser war die WM 2018 in Amstetten.

Von Raimund Bauer. Erstellt am 28. Juli 2021 (02:55)
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Amstetten Bürgermeister Christian Haberhauer (l.) und NÖEV-Präsident Alfred Weichinger junior (r.) freuen sich über die Aufnahme des internationalen Eisstocksverbandes für Olympia.
Raimund Bauer, Raimund Bauer

Als 2015 die Junioren-Europameisterschaft in Amstetten/Winklarn stattfand, war Olympiateilnahme für Stocksportler ein kühner Gedanke. Doch über zehn Jahre später ist es soweit. In der vergangenen Woche anerkannte das IOC (Internationale olympische Komitee) den IFI (International Federation Icestock) gemeinsam mit weiteren fünf Verbänden. Somit steht fest: 2026 in Italien geht es für die Eisstocksportler um olympische Medaillen.

„Ein Traum wird wahr“, freut sich Niederösterreichs Stockverbands Präsident Alfred Weichinger junior. Somit haben sich die Bemühungen der vergangenen Jahre ausgezahlt.

Mit ein Auslöser für die Aufnahme war die Weltmeisterschaft 2018 in Amstetten/Winklarn, die aber fast nicht stattgefunden hätte. „Nach der Jugend-Europameisterschaft war ich in Urlaub in Ägypten tauchen. Da hat mich Christian (Anm. Amstettens Bürgermeister Haberhauer) angerufen und gefragt, ob wir nicht die WM in Angriff nehmen wollen“, berichtet Weichinger.

„Wir waren extrem mutig und haben auf Qualität gesetzt.“ Christian Haberhauer

Nach zwei Wochen Bedenkzeit stand der Entschluss und Amstetten/Winklarn war für zwei Wochen das Eisstock-Mekka der Welt. „Wir waren extrem mutig und haben auf Qualität gesetzt. Als wir damals die Planungen vorlegten, hielten uns viele für verrückt. Am Ende war es ein tolles Fest“, blickt Bürgermeister Haberhauer, der damals als Geschäftsführer der Leader-Region Moststraße im Organisationsteam war, zufrieden zurück.

Bei der Weltmeisterschaft, die per Livestream übertragen wurde und bis zu 100.000 Zuschauer hatte, war auch eine Delegation des IOC vor Ort. Diese dürften damals dementsprechend überzeugt worden sein. „Man hatte uns schon die Spiele in Peking 2022 in Aussicht gestellt. Die Delegation war von der Weltmeisterschaft und der Stimmung begeistert“, bekräftigt Weichinger. Am Ende wurde es zwar nichts mit 2022, doch für 2026 ist es fix. „Vielleicht auch besser, weil es eine längere Vorlaufzeit gibt“, sagt Haberhauer.

„Es zählt nur die Goldene“

Welche von den zwölf Disziplinen ins olympische Programm aufgenommen wird, steht erst 2022 fest. Alfred Weichinger junior hofft dabei auf den Weitenbewerb. Vor allem sein Bruder Markus Weichinger räumte in den letzten Jahren ab und hätte berechtigte Medaillenchancen. „Außerdem sind die Weitensportler wirkliche Top-Athleten. Mein Bruder ist 1,89 Meter groß und gehört dabei zu den kleineren Athleten. Die Weitensportler gehören unbedingt ins Programm“, sagt Weichinger.

Doch auch im Zielbewerb stehen im Moment die Chancen groß, auf eine Medaille. Wobei sich Haberhauer und Weichinger unisono einigen: „Es zählt nur Gold.“ Bekräftigt wird die selbstsichere Aussage von Weichinger: 90 Prozent der Goldmedaillen bei Teambewerben gingen bei Welt- bzw. Europameisterschaften an Österreich oder Deutschland“, und fügt hinzu: „Für einen Österreicher wird es mit Sicherheit schwieriger, sich für Olympia zu qualifizieren, als dann dort eine Medaille zu holen.“ Doch in der Vergangenheit verharren, liegt Weichinger nicht.

Er hat mit der Aufnahme ins olympische Programm bereits Visionen: „Wir dürfen nicht stehenbleiben. Ein erster Schritt wären professionelle Trainer. Bisher handeln die Athleten in Eigenregie. Optimal wäre auch ein eigenes Bundesleistungszentrum für den Nachwuchs. Immerhin sind wir mit über 114.000 Mitgliedern der viertgrößte Verband hinter Fußball, Ski und Tennis in Österreich.“ Haberhauer gibt auch zu Bedenken: „Große Nationen werden mit Sicherheit schnell nachlegen.“

„Wir müssen selbst professioneller werden. Mit der Aufnahme ins Olympia-Programm haben wir eine neue Plattform, die wir auch nutzen müssen.“  Alfred Weichinger jr.

Doch Weichinger nimmt auch seine Funktionärskollegen in die Pflicht: „Wir müssen selbst professioneller werden. Mit der Aufnahme ins Olympia-Programm haben wir eine neue Plattform, die wir auch nutzen müssen.“ Auf jeden Fall möchte auch Bürgermeister Christian Haberhauer seinen Beitrag dazu leisten: „Wir haben in Amstetten sehr gute Anlagen. Die Stätten können zur Vorbereitung auf Olympia genutzt werden.“

Da sind vor allem die Weitenanlage in Winklarn sowie die Eishalle in Amstetten gemeint. Die Vorfreude ist mit einer Portion Tatendrang gepaart. „Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Der Eisstocksport ist ein schlafender Riese. Mit der Aufnahme ins Olympiaprogramm öffnen sich jetzt Türen, um den Breitensport auch als Spitzensport zu etablieren“, erläutert Alfred Weichinger abschließend.