AHM: Der letzte Aufschlag für Zwettls Tennisstar. Nach 19-monatiger Zwangspause und anhaltenden Schmerzen zieht Andreas Haider-Maurer, die ehemalige Nummer 47 der Welt, einen Schlussstrich.

Von Mathias Schuster. Erstellt am 23. Januar 2019 (02:48)
APA (Archiv)
Nach 14 Jahren im Profigeschäft zieht das Waldviertler Tennis-Aushängeschild Andreas Haider-Maurer einen Schlussstrich – und blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück.

NÖN: Andreas Haider-Maurer, Sie beenden mit 31 Jahren Ihre erfolgreiche Karriere. Führen Sie uns durch Ihren Entscheidungsprozess.

Andreas Haider-Maurer: Es war so, dass ich mich 2015 in meinem eigentlich besten Jahr schwer am Fuß verletzt habe und zwei Jahre komplett vom Profisport weg war. Seit dem Comeback habe ich Schmerzen im Rücken gehabt. Zwischenzeitlich war es mal ein Match besser, dann hat’s wieder mehr wehgetan. Jetzt ist es so lange nicht besser geworden, dass es keinen Sinn mehr macht. Ich habe einige Spiele verloren, bei denen ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr 100 Prozent geben kann, und so will ich nicht auf den Platz gehen.

Welches Resümee ziehen Sie?

Ich bin sehr stolz, dass ich es in die Top 50 geschafft habe. Bis dahin war es ein harter Weg. 19 mal war ich in einem Grand Slam Hauptbewerb, war einige Jahre bei den größten Turnieren dabei, habe in New York im ausverkauften Stadion vor 24.000 Zuschauern gegen Novak Djokovic gespielt. Das nimmt mir keiner weg.

Gerade als Sie richtig in Fahrt waren, wurden Sie durch eine Verletzung ausgebremst. Denken Sie oft daran, was Sie noch hätten erreichen können?

Ich habe mich mit 28, mehr oder weniger im besten Tennisalter, verletzt. Das ist es, was mir sehr weh tut. Natürlich denkt man: Was wäre, wenn? Es wäre sicher noch was möglich gewesen, denn es waren doch ein paar Punkte, ein paar Situationen, wo ich gesagt habe: Okay, da war noch mehr drin. Nur bringt es nichts, da nachzutrauern, weil ich einfach glücklich darüber bin, dass ich den Weg geschafft und das alles erreicht habe.

Welcher war der härteste Gegner, dem Sie sich je gegenüber sahen?

Sicher Novak Djokovic, gegen den habe ich 2015 zweimal gespielt, da war er die Nummer eins der Welt.

Und darüber hinaus?

Der Aufstieg in die dritte Runde in Monte Carlo, denn das war der Einzug in die Top 50. Nach dem Sieg hab ich gewusst, die habe ich geknackt. Davis Cup war immer besonders. Der Sieg über Russland, wo ich mein Einzel gewonnen habe. Oder gegen Schweden, da habe ich beide Einzel gewonnen. Was ich auch nie vergesse, ist das Stadthallenturnier 2010. Ich habe im Finale aufs Match serviert und hätte fast gewonnen. Damals war auch das Comeback von Thomas Muster und ich habe in der ausverkauften Halle gegen ihn gespielt.

Sie haben aber auch viele Rückschläge erlebt. Wie ist es Ihnen gelungen, die wegzustecken?

Man geht im Tennis durch viele Tiefen. Wichtig ist, wie man damit umgeht. Man muss immer weiterkämpfen, das ist ausschlaggebend dafür, wie gut man wird. Für mich war 2015 ein Riesenrückschlag. Das war so ein gutes Jahr, dann passiert etwas und man verliert alles und steht am Anfang. Ich habe versucht, auch da drüber zu kommen, aber wenn der Körper nicht zu 100 Prozent fit ist, hat man einfach keine Chance. Das habe ich jetzt akzeptiert.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfänge im Waldviertel? Wie sind Sie zum Tennis gekommen?

Es hat mich von Anfang an immer gefesselt. Ich habe das Glück, einen drei Jahre älteren Bruder (Mario; Anm.) zu haben. Wir haben Fußball gespielt, wie die meisten, und daneben war der Tennisplatz. Dadurch, dass er älter ist, war er auch besser als ich und wir haben jeden Tag miteinander trainiert. Uns hat Tennis so fasziniert, dass Fußball schnell kein Thema mehr war und so hat die ganze Karriere angefangen. Ich war schnell in meiner Altersklasse ganz vorne dabei. Dann fangen die Kadertrainings an, das hat sich weitergezogen, bis ich mit 15 in die Südstadt gekommen bin.

War da schon klar, dass Sie die Profikarriere anstreben werden?

Ja, wenn man sieht, wie dort die Profis trainieren, ist es ein Riesenansporn, dass man da auch hin will. Nach einem Jahr in der Südstadt hat sich die Frage gestellt: Schule ja oder nein? Denn mit der Schule nebenbei verliert man Trainingseinheiten und damit den Anschluss zu den ganz Guten. Ich habe mit 16 entschieden, dass ich mich voll auf Tennis konzentriere. Das war der Punkt, an dem ich gesagt habe: Okay, jetzt gibt es nur mehr Tennis und nichts anderes mehr. Ich wollte unbedingt Profi werden. Entscheidend war, dass mich Manager Bernd Haberleitner seit ich 15 bin begleitet. Tennis ist am Anfang ein teurer Sport, weil kein Geld reinkommt, und er hat mir ermöglicht, zu den Turnieren zu fahren. Davor haben die Eltern geschaut, dass sich alles ausgeht.

Wie ist die ganz große Karriere dann angelaufen?

Ich habe mich in der Jugend in die Top 10 gespielt und den Einstieg bei den Erwachsenen gut geschafft. Mit 19 habe ich beim Future in Telfs den ersten internationalen Titel gewonnen und gute Weltranglistenpunkte gesammelt. Dann ist der Sprung zu den Challengern gekommen und mit 23 habe ich es in die Top 100 geschafft, was heute eigentlich recht früh ist. Im Tennis ist das die magische Zahl, jeder der anfängt, will dorthin. Das vergesse ich nie. Ab dann war ich bei den Grand Slams im Hauptbewerb dabei, habe mit einem Federer trainiert und die Superstars hautnah erlebt. Man ist auf der großen Bühne und will dort bleiben.

Sie haben die Superstars getroffen. Wie ticken diese Spieler?

Ich habe unglaublichen Respekt vor allen. Ich bin selber ein Nadal-Fan. Der ist extrem bodenständig, man würde bei ihm nicht merken, dass er ein Star ist, weil er so normal ist. Auch ein Federer ist so ein großes Vorbild. Das sind einfach ganz besondere Spieler.

Sie waren über ein Jahrzehnt auf der Tour dabei. Hat sich Tennis seitdem verändert?

Schon. Die junge Generation spielt sehr aggressives, offensives Tennis und geht sehr schnell auf den Punktgewinn. Die langen Ballwechsel gibt es nicht mehr. Es ist ein bisschen zum Powertennis geworden. Und die Dichte ist enorm. Auch die Nummer 300 ist ein großartiger Tennisspieler und kann an einem guten Tag die Nummer 30 schlagen.

Und mittendrin sind mit Melzer, Thiem und Ihnen immer wieder Niederösterreicher. Was macht der Landesverband richtig?

Gut, wir sind auch das größte Bundesland. Die Nähe zu Wien ist auch ein Vorteil, weil es dort leichter ist, untereinander zu trainieren. Die Südstadt war österreichweit immer der einzige Ort für junge Tennisspieler. Alle sind dorthin gekommen. Aber es ist auch Fakt, dass in Niederösterreich generell gut gearbeitet wird.

Wie geht die Karriere nach der Karriere für Sie weiter?

Ich habe immer gesagt, dass ich im Tennis bleibe. Es ist ein großes Projekt geplant, eine Akademie in Tirol, gemeinsam mit meinem Trainer Daniel Huber. Wir werden da was G’scheites aufstellen und sind schon relativ weit. Ich möchte aber nicht zu viel verraten, bevor alles fix ist. Das wird demnächst passieren.

Dort sollen die nächsten Profis ausgebildet werden. Was muss so ein Spieler mitbringen?

Begeisterung und Ehrgeiz. Man kann mit viel Willen und guter harter Arbeit so viel erreichen. Das ist viel wichtiger, als nur Talent zu haben. Für einen Jungen ist es wichtig, dass er ein Ziel vor Augen hat und es erreichen will.

Wir haben Ihre Anfänge aufgezeigt. Was verbindet Sie noch mit dem Waldviertel? Besuchen Sie ab und an Ihren Jugendverein?

Ich bin in Groß Gerungs aufgewachsen, war aber einmal da, einmal dort beim Training. Einen Stammverein hat es nicht gegeben. Aber ich bin sehr gerne im Waldviertel, es ist ein totaler Ruhepol. Man fährt dort hin und kann sich entspannen. Es ist es zwar weit weg, aber ich war zum Beispiel über die Feiertage daheim. Alle drei Monate bin ich ein paar Tage in der Heimat und fühle mich total wohl.