Boff: „Wollte nur mehr weg dort“. Union Waldviertel / Rudinei Boff erklärt im NÖN-Gespräch, warum er aus dem heißen Sizilien ins kühle Waldviertel geflüchtet ist.

Von Michael Salzer. Erstellt am 29. Januar 2014 (23:59)
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Von Michael Salzer

NÖN: Wann, wo und wie hat ihre Volleyball-Karriere begonnen?
Rudinei Boff: Ich komme aus Caxias do Sul (Anm.: Großstadt im südlichen Brasilien), habe dort mit 12 Jahren in der Schule mit Volleyball begonnen. Dann haben mich bald Scouts entdeckt und zu einem größeren Verein in der Stadt gebracht. Dort bin ich entsprechend gut gefördert worden – sodass mich fünf Jahre später St. Andre Spread, ein Superliga-Klub in Sao Paolo, geholt hat.

Dann folgte der große Sprung nach Europa, zu Hypo Tirol in Österreich?
Ja, ich bin mit 24 Jahren nach Innsbruck gekommen, habe dort zwei schöne Jahre verbracht. Doch nach der Saison 2012/13 hat der Verein entschieden, dass man einiges verändern, neue Spieler holen will. Daher bin zu Volley Brolo (Anm.: Serie A2/Sizilien) gewechselt.

Und das war ein Fehler, wie sich schon nach kurzer Zeit erwiesen hat?
Ja, denn bei diesem Verein funktioniert wirklich gar nichts, von der gesamten Organisation bis zum Geld, das totale Chaos. Brolo hat alle 13 Spiele verloren und ist Tabellen-Letzter. Als Spieler weiß man nie, ob und wann man bezahlt wird. Ich wollte nur mehr weg von dort.

Hatten Sie, neben der Union Waldviertel, auch Kontakt zu anderen Vereinen?
Nein. Ich wollte zurück nach Österreich, weil ich hier die Bedingungen kenne und in einer Liga spielen kann, in der alles funktioniert, bei einem Verein, der bestens organisiert ist. Und Davor Cebron, den ich ja schon von Hypo Tirol kenne, hat mir erzählt, wie schön es im Waldviertel ist. Familiäre Atmosphäre, gute Fans – deshalb bin ich hier.

Wo liegen Ihre Stärken als Einzelspieler? Inwiefern können Sie zur Steigerung der gesamten Mannschaft beitragen?
Meine größten Stärken sind Service und Angriff. Unser Kader ist sehr klein, jetzt hat der Trainer eine weitere Option im Angriff. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit dieser Mannschaft das Halbfinale erreichen können.

Ausgerechnet in ihrer fußballverückten Heimat gibt es massive Proteste gegen die Fußball-WM 2014. Sind Sie dafür oder dagegen?
Schwierige Frage. Aus sportlicher Sicht ist es natürlich eine tolle Werbung für unser Land. Aber alle Stadien werden neu gebaut, kosten am Ende mindestens dreimal soviel wie geplant. Die Nachnutzung ist auch nicht geklärt. Man hätte das viele Geld besser zur Weiterentwicklung des Landes einsetzen sollen, zum Beispiel im Bildungssystem oder bei der Infrastruktur – in diesen Bereichen hat sich überhaupt nichts geändert.