Graz erzwingt Entscheidungsspiel gegen Waldviertel. URW Waldviertel musste im Heimspiel gegen UVC Graz eine Niederlage hinnehmen. Damit steht's in der AVL-Halbfinal-Serie 2:2. Die Entscheidung um den Finaleinzug fällt am Samstag in der Steiermark.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 01. April 2021 (11:33)
Usercontent, URW Waldviertel/Franz Atteneder

Es bleibt das ungeschriebene Gesetz dieser Halbfinal-Spiele in der Austrian Volley League. Kein Team kann seine Heimspiele gewinnen. So triumphierten die Grazer am Mittwochabend in einer spannenden Partie in der Zwettler Stadthalle gegen URW Waldviertel und glichen damit in der "Best of Five"-Serie wieder aus. 2:2 steht's jetzt. Die endgültige Entscheidung über den Final-Einzug fällt am Samstag in Graz.

Ein weiteres ungeschriebenes Gesetz dieser Halbfinal-Spiele ist die Spannung, die bei den Spielen herrscht. "Damals, als ich noch bei Graz gespielt habe, gingen die Spiele gegen Waldviertel immer 3:2 aus und seit ich bei Waldviertel spiele, spielen wir gegen Graz auch immer 3:2. Es muss offenbar einfach so sein", schnaufte URW-Routinier Mitch Peciakowski ins Mikrofon von Nordmann-Interviewer Tobi Rudig - wenige Augenblicke, nachdem ein Service-Netzroller von David Reiter beim zweiten Matchball die Niederlage besiegelt hatte.

Waldviertel legte vor, Graz konterte

Dabei waren es von Beginn weg eigentlich die Hausherren, die das Tempo vorgaben. Waldviertel hatte klare Vorteile im Service, im Angriffsdruck und in der Annahme. Aufgrund etlicher unerzwungener Fehler konnten sie sich allerdings nicht vorzeitig absetzen. Dem Aufspieler der Gäste, José Jardim, gelang es zusätzlich, auch mehrmals seine Angreifer spektakulär blockfrei in Szene zu setzen und so entwickelte sich, wie so oft schon, ein Satz auf Augenhöhe und, wie so oft schon, machten die Nordmänner die Bigpoints - 25:23.

Den ungeschriebenen Gesetzen dieser Serie folgend kam allerdings der Verlierer des ersten Satzes besser in den zweiten. Allen voran der steirische Hauptangreifer Johannes Kratz empfahl sich zum Leidwesen der Nordmänner dabei durch beinahe fehlerfreies Spiel und mit unglaublicher Angriffshärte für eine Nominierung ins Nationalteam. So erspielten sich die Gäste eine rasche Führung und brachten diese mit 21:25 über die Runden. Waldviertel zeigte sich motiviert, Martin Weber glänzte mit spektakulärer Feldverteidigung, Marek Sulc und Martin Licek mit druckvollem Service, doch war Daan Streutker noch nicht so dominant, wie zuletzt in Graz.

Gänsehautstimmung am Feld

URW musste antworteten und antwortete. Die Partie war, wie die gesamte Serie, hochemotional. Ausgerechnet Altstar Michal Peciakowski, der dem immer noch nicht ganz fitten Pavel Bartos ausgezeichnet ersetzte, brachte mit einer genialen Finte die Nordmänner in Führung. Doch auch Graz hatte Erfahrung am Feld, und so lag es am ehemaligen Italien-Legionär Lorenz Koraimann, der die Gäste im Spiel hielt.

Es war Gänsehautstimmung in der Stadthalle Zwettl, als der beste Blockspieler der Liga, Maciej Borris, ebengenannten den Ball vor die Füße blockte. Kurz darauf, war es Daan Streutker, der mit seiner Netzarbeit die Führung der Nordmänner unterstrich. Graz gab keinen Ball verloren, verteidigte, was zu verteidigen war und auch Bälle, die eigentlich unverteidigbar waren und dennoch waren es die Niederösterreicher, welchen den Satz zum wiederholten Male mit 25:23 holten.

Das Momentum kippte

Damit war der Druck auf die Gäste enorm. Nur mehr ein Satz trennte Waldviertel vom Finaleinzug. Graz musste diesen Satz gewinnen, um in der Serie zu bleiben, und gewann ihn. Die Gäste gaben sich und das Spiel trotz frühen Rückstandes nicht auf und gingen erstmals zum 20:19 in Führung. Es gelang den Nordmännern nicht, den Sack zuzumachen und so kippte das Momentum. Auch das vierte Halbfinalspiel musste in den Entscheidungssatz.

Nun ging es darum, wer seine Nerven besser im Griff hatte. URW-Kapitän Rudinei Boff übernahm gekonnt Verantwortung für die Heimmannschaft und Lorenz Koraimann für die Gäste. Der alles entscheidende Satz war neuerlich extrem ausgeglichen. Abermals mussten feinkleine Kleinfeinheiten den Unterschied ausmachten, und so war es schließlich David Reiters Netzroller, welcher das Spiel zugunsten der Gäste entschied.

Stimmen zum Spiel:

URW-Manager Werner Hahn: „Unglaubliches Spiel mit unglaublicher Intensität auf beiden Seiten, dieses Mal mit dem besseren Ende für Graz. Gratulation an die Steirer. Die Halbfinalserie geht jetzt über die volle Distanz. Jetzt heißt es fokussiert vorbereiten auf das ORF-Livespiel am Samstag und noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, damit wir uns den Finaltraum erfüllen können.“

Martin Licek, MVP Waldviertel: „Es geht jetzt in das 5. Match. Wir wollen in Graz gewinnen und ins Finale kommen. Wir machten heute sehr viele Servicefehler und kamen im Angriff nicht durch. Wir müssen definitiv in Graz zulegen.“

Graz-Coach Robert Koch: „Heute war es das erste Spiel dieser Serie, in dem alle meine Spieler wirklich gut waren. Block und Defense waren Weltklasse. Das hat den Unterschied gemacht!“

Lorenz Koraimann, MVP Graz: „Heute war ein richtig zaches Spiel. Im 4. Satz haben wir nicht mehr an den Sieg geglaubt, aber wir haben uns zurückgekämpft. Im Entscheidungssatz standen die Chancen wieder 50:50. Wir sind glücklich über den Sieg.“