17 Welpen vor Hundemafia gerettet. Exekutive ließ Illegalen Tierhandel auffliegen. Hundebabys werden im Tierheim St. Pölten aufgepäppelt.

Von Martin Gruber-Dorninger und Gila Wohlmann. Update am 14. Mai 2020 (08:32)

Deutsche und amerikanische Zwergspitze sollten von Rumänien und Moldawien über Österreich nach Frankreich gebracht werden und dort den skrupellosen Hundedealern einen großzügigen Verkaufserlös bescheren. Die kleinen Hunde wurden zum Transport in viel zu kleine Körbe gepfercht und stundenlang in Autos transportiert ehe der Hundemafia am Freitag das Handwerk gelegt werden konnte. Bei der Befreiung waren die Welpen auch sehr durstig. „Die Tiere werden um mehrere hundert bis tausend Euro gehandelt", erklärt Davor Stojanovic, Leiter des Tierheims St. Pölten, wo die die süßen Welpen derzeit in Sicherheit gebracht wurden. Der Veterinärmediziner des St. Pöltner Tierschutzvereines hat die Tiere in Absprache mit dem zuständigen Amtstierarzt gleich übernommen, begutachtet und versorgt.

Für Thomas Kainz vom Tierschutzverein „gleicht es einem Wunder“, dass den Tieren nicht Schlimmeres zugestoßen ist und alle wohlauf sind. Dank dem raschen Handeln von Amtstierarzt und Exekutive konnte Schlimmeres verhindert werden. „Bitte kaufen Sie niemals Tiere aus dubiosen Quellen oder direkt an der Straße, ein Blick in eines der nahegelegenen Tierheime lohnt sich vorweg immer. Wenn Sie unsicher bezüglich der Seriosität der Verkäufer sind, können Sie jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen", appelliert Kainz.

Die Zwergspitze werden aktuell medizinisch versorgt und aufgepäppelt. Nach einer entsprechenden Frist werden die Tiere vom St. Pöltner Tierheim aus in ein endgültiges Zuhause vermittelt.

Der Verein ist auf Spenden angewiesen und trotz der Coronakrise werden alle Leistungen wie der Notdienst und die Versorgung von rund 1.000 Tieren im Jahr gewährleistet. „Jede Spende hilft uns dabei", so Kainz.

Nähere Infos zu Patenschaften (ab 24 Euro für ein Kleintier) gibt es unter www.tsvstp.at/tierpatenschaften

Hundewelpen kommen in Quarantäne!

Beschlagnahmte Spitzwelpen müssen bis zur Vergabe aufgrund von Seuchenschutz in Mödling verbleiben.

Alle kürzlich beschlagnahmten Hundewelpen konnten versorgt werden und sind in einem stabilen Zustand. „Viele waren unterzuckert und dehydriert – also in einer schlechteren Verfassung als erst vermutet. Bei einer kleinen Fellnase hing das Leben sogar für zwei Tage an einem seidenen Faden“, zeigt sich Tierheimleiter Davor Stojanovic zufrieden, dass es nun allen Welpen den Umständen entsprechend gut geht. Der Veterinärmediziner hat mit seinem Team das gesamte Wochenende um das Leben der Kleinen – viele davon noch nicht einmal echt Wochen alt – gekämpft. Diese wurden am Freitag nach beherztem Einschreiten von Polizei und Amtstierarzt von moldawischen Hundeschleppern beschlagnahmt (Die NÖN berichtete).

Seuchenschutz hat oberste Priorität

Nun erreichte den St. Pöltner Tierschutzverein die Nachricht, dass die Tiere vor einer allfälligen Vergabe nach Weisung des Gesundheitsministeriums in eine mehr als drei Monate andauernde Quarantäne zur AGES nach Mödling gebracht werden müssen. Stojanovic erklärt: „Der Amtstierarzt hat uns für die Versorgung und Pflege gedankt und über die nötigen folgenden Schritte zum Seuchenschutz in Kenntnis gesetzt. Jetzt sind die Tiere so weit stabil, dass sie transportiert werden können. Gerade in Zeiten wie diesen verstehen wir, dass Seuchenschutz und Infektionsprävention oberste Priorität haben.“

Tierschutzverein St. Pölten

In Absprache mit dem Amtstierarzt werden die Hunde heute zur Identifizierung, Tollwut-Titerbestimmung, weiteren detaillierten Untersuchungen in die staatlichen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in die Robert Koch-Gasse nach Mödling gebracht, wo sie isoliert werden und voraussichtlich die nächsten Monate zubringen.

„Die Vergabe der Tiere erfolgt aller Voraussicht nach später direkt über die Behörde beziehungsweise über die AGES. Nach Rücksprachen würden wir dann die Kontaktdaten jener Personen, die uns bereits bezüglich einer Adoption kontaktiert haben, weiterleiten, sofern dies von der Behörde gewünscht wird und für die Interessenten in Ordnung ist“, so der Tierheimleiter. Er hält fest: „Vielen Dank an alle für die aufmunternden Worte, diese haben uns viel Kraft für die fordernden letzten Tage gegeben. Danke auch allen, die uns mit ein er Spende bei unserer Arbeit unterstützt haben. Insgesamt hat uns dieser Einsatz etwa 3.000 Euro gekostet. Jeder Euro hilft uns dabei, Ausnahmesituationen wie diese auch künftig im Sinne der Tiere so gut meistern zu können.“

Vor allem die Tierpfleger, die teilweise Tag und Nacht mit den Welpen verbracht haben, werden diese besonders vermissen. „Die kleinen Wollknäuel haben es geschafft, sich in nur wenigen Tagen auf ewig in die Herzen aller im Tierschutzverein St. Pölten zu bellen“, so Stojanovic.