70 Stellplätze bleiben: Neuer Domplatz-Streit. Parkplatz-Pläne | Exklusiv-Bericht auf NÖN-Online sorgt für hitzige Debatten. Grüne starten Bürgerinitiative für autofreien Platz.

Von Daniel Lohninger und Mario Kern. Erstellt am 05. Mai 2014 (08:55)
Parken am Domplatz wird auch in Zukunft möglich sein.
NOEN, Jutta Streimelweger
ST. PÖLTEN | Wenige Themen polarisieren wie das Parken am Domplatz. Das zeigten auch die vergangenen Tage. Als erstes Medium hatte die NÖN auf der Website das Geheimnis gelüftet: Nach der Umgestaltung werden 70 anstelle der bislang 150 Parkplätze verfügbar sein.

„Ein schlechter Scherz!“, ärgert sich Grün-Gemeinderätin Nicole Buschenreiter. Während Städte in aller Welt das Potenzial autofreier Plätze in der Innenstadt erkennen, bleibe in St. Pöltens Innenstadt das Auto das Maß aller Dinge. Mit einer Bürgerinitiative will sie doch noch einen autofreien Domplatz durchsetzen. Ziel ist es, mittels Initiativantrag – 575 gültige Unterschriften von St. Pöltnern sind dafür notwendig – noch vor dem Sommer eine neuerliche Beschäftigung des Gemeinderates mit der Parkplatz-Frage zu erzwingen. „Wir legen jetzt los“, kündigt Buschenreiter an.

„Fußgängerzone schon jetzt eine der größten in Österreich“

Viel zu wenig sind die 70 Parkplätze hingegen der ÖVP. „Das wären weniger als die Hälfte der bisherigen Stellplätze“, hält Vizebürgermeister Matthias Adl fest. Im Sinne der Innenstadt-Wirtschaft müssten am Domplatz künftig mindestens 100 Parkplätze verfügbar sein. Nur so sei der Domplatz wirklich ein multifunktionaler Platz. Ähnlich sieht das FPÖ-Klubchef Klaus Otzelberger. „Gemessen an der Einwohnerzahl ist unsere Fußgängerzone schon jetzt eine der größten in Österreich“, so Otzelberger. Dass es einen Bedarf für Parkplätze am Domplatz gebe, merke man daran, dass „dort immer sehr viele Autos parken würden“.

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NOEN


Die SPÖ verweist darauf, dass die 70 Parkplätze durch Grundsatzbeschlüsse des Gemeinderates gedeckt seien. Die Kritik der ÖVP sei „inhaltslos und populistisch“, ärgert sich Vizebürgermeister Franz Gunacker. Vom neuen ÖVP-Motto „weiterdenken“ sei nicht viel zu erkennen. Zudem wüssten die Gemeinderats-Fraktionen bereits seit zwei Monaten, dass 70 Domplatz-Parkplätze bleiben. SPÖ-Stadtrat Johann Rankl verweist darauf, dass Donnerstag und Samstag die umsatzstärksten Tage in der City seien – an beiden Tagen könne nicht am Domplatz geparkt werden. Rankl: „Wo wird denn an diesen Tagen geparkt?“

Internet-Voting: Knappe Mehrheit für „autofrei“

Und was denkt die Internet-Community der NÖN? 1.253 der 2.559 User finden, dass der Domplatz autofrei werden sollte (Stichtag: Sonntag, 14 Uhr). Fast genauso viele – nämlich 1.227 – wollen mehr als 70 Parkplätze. Keine Option sind für die NÖN.at-User die geplanten 70 Parkplätze: Nur 56 Stimmen gab es dafür.
Für Bürgermeister Matthias Stadler ändert das nichts: „Wir wollen kein Schätzspiel betreiben, sondern dieses Projekt vor dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit im Sinne der St. Pöltner umsetzen.“ Wichtig sei, dass die Planungs-Qualität nicht unter parteipolitisch motivierten Zurufen leide.

Update: Grüne sammeln Unterschriften

Die knappe Mehrheit für einen autofreien Domplatz im NÖN-Online-Voting nehmen die Grünen zum Anlass, ihre Bemühungen zu verstärken.  „Rathausplatz und Domplatz sollen zwei miteinander kommunizierende, autofreie Zentren in der Innenstadt werden“, fordert Nicole Buschenreiter. Die Grünen wollen deshalb mit einem Initiativantrag den Gemeinderat zwingen, sich mit der Forderung nach einem Domplatz ohne Parkplätze auseinanderzusetzen.
 
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NOEN, BÜRO 68
Einer der Domplatz-Gestaltungsvorschläge der Grünen.

Die dafür notwendigen knapp 600 Unterschriften wollen sie in den nächsten Wochen sammeln – Auftakt ist am Samstag, 10. Mai, von 9 bis 15 Uhr mit einem Infostand an der Ecke Kremser Gasse/Domgasse. Dort aufliegen werden auch grüne Vorschläge für die künftige Domplatzgestaltung. „Jeder kann sich aber bei natürlich selber mit seinen Gestaltungs-Ideen einbringen“, kündigt Buschenreiter an.

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