Nur ein St. Pöltner überlebte Auschwitz. 21 Menschen aus St. Pöltenwurden ins Vernichtungslager deportiert. Ernst Wulkan entkam dem NS-Terror.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 28. Januar 2020 (04:18)
Ernst Wulkan wurde 1943 nach Auschwitz deportiert.
Injoest

Erst vor einigen Jahren ist er in den USA verstorben, wenige Monate, nachdem er seinen 93. Geburtstag gefeiert hatte: Ernst Wulkan, der einzige St. Pöltner, der das Konzentrationslager Auschwitz überlebte. In diesen Tagen jährt sich die Befreiung des größten deutschen Vernichtungslagers zum 75. Mal.

Ernst Wulkan wurde von St. Pölten nach Wien zwangsübersiedelt, von dort aus nach Theresienstadt und weiter nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern Ludwig und Auguste wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Nachdem er das KZ überlebt hatte, lebte Ernst Wulkan in den USA.
NOEN

„Die tägliche Routine in Auschwitz war verheerend, mit stundenlangen Appellen, Abzählen, Strafestehen“, schilderte Ernst Wulkan im Jahr 1998 dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs (Injoest) in St. Pölten. Damals kehrte er auf Einladung zu einer Ausstellungseröffnung über die jüdische Gemeinde in seine Geburtsstadt zurück. Sein Leben nach dem Krieg verbrachte er in Amerika. „Die Ankunft in Auschwitz-Birkenau war ein Schock, von dem wir uns lange nicht erholten“, erzählte Ernst Wulkan von Schlägen und Demütigungen „bestialischer und heimtückischer SS- Leute“.

Insgesamt 574 St. Pöltner wurden deportiert. 422 von ihnen wurden von den Nationalsozialisten ermordet, das Schicksal von 152 ist ungewiss. „21 Menschen aus der Stadt wurden nach Auschwitz gebracht und weitere 17 aus den Orten der Kultusgemeinde St. Pölten“, sagt Injoest-Direktorin Martha Keil. Ernst Wulkan ist neben Otto Wolken aus Traisen und Walter Fantl-Brumlik aus Bischofstetten der einzige Überlebende.

„Es kann gar nicht genug Bewusstsein für das Thema geben“, sagt Martha Keil. „Was ich mir wünschen würde, wäre eine große Gedenkveranstaltung der Stadt.“ Erfreulich seien Veranstaltungen im Haus der Geschichte im Museum NÖ. „Und dass sich immer mehr Menschen unseren Aktivitäten anschließen und aktiv beitragen wollen.“