St. Pölten

Erstellt am 18. Januar 2019, 05:48

von Nadja Straubinger

Polit-Urgesteine nehmen Hut. Die Stadträte Johann Rankl und Martin Fuhs hören nach 22 gemeinsamen Jahren im Gemeinderat gleichzeitig auf.

Nach einer 22-jährigen Karriere im Rathaus nehmen Feuerwehr-Stadtrat Johann Rankl und Sport-Stadtrat Martin Fuhs den Hut und verabschieden sich aus der Politik. Ihnen folgen Walter Hobiger und Heinz Hauptmann nach.  |  Nadja Straubinger

Gemeinsam starteten sie ihre Karriere als Gemeindemandatare 1996. Gemeinsam hören sie jetzt auf: Nach 22 Jahren im Gemeinderat ist für Feuerwehr-Stadtrat Johann Rankl und Sport-Stadtrat Martin Fuhs Schluss. Vor der Übergabe blicken sie noch einmal zurück auf eine ereignisreiche Zeit.

„Ich habe in all den Jahren keine einzige Gemeinderatssitzung versäumt“, ist Fuhs stolz. Bei Rankl war es nur eine, seine Familie hatte ihm just für die Woche der Budgetsitzung vor vier Jahren einen Urlaub geschenkt. „Damals hat die ÖVP das letzte Mal vor dem diesjährigen Budget mitgestimmt. Da habe ich gesagt, vielleicht sollte ich zu keiner Budgetsitzung mehr kommen“, schmunzelt Rankl.

Beide waren in fast allen Ausschüssen einmal aktiv. „Sport war immer mein Ein und Alles“, betont Fuhs, der weiterhin Kontakt halten will, denn in den Jahren seien einige Freundschaften entstanden. Umtriebig bleiben will auch Rankl: „Jetzt kann ich aber jederzeit zu den Feuerwehrfesten gehen und muss nicht beim Bieranstich dort sein.“ So aktiv könne man nur mit einem toleranten Ehepartner sein, ist Rankl überzeugt. Gerade Feuerwehr- und Sportausschuss seien mit vielen Terminen verbunden. Jetzt wollen beide kürzer treten. „Wenn mir doch fad wird, brauch ich nur den Schorn anrufen“, lacht Rankl. Für weitere Bücher mit dem Karikaturisten habe er schon viele Ideen.

Humorvolle und stolze Erinnerungen

Über die Jahre gab es einige witzige Begebenheiten, die den beiden in Erinnerung bleiben werden und auch wichtige Errungenschaften. Als Rankl 2001 den Bauausschuss von Amand Kysela übernahm, war er sich nicht sicher, ob er dieser Aufgabe schon gewachsen war. „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verstand“, erinnert sich Rankl an Kyselas Worte. „Dann hat er mich angesehen und gesagt: Meistens.“ Auch die Geschichte, wie Fuhs von seiner Nominierung als Stadtrat erfuhr, bringt die beiden noch heute zum Schmunzeln. „Ich war bei der Sicherheitsolympiade, als Anton Damböck mich hektisch aufforderte, zum Bürgermeister zu kommen.“ Vize Hans Kocevar habe ihn angeschaut und gesagt: „Na, du bist dir wohl keiner Schuld bewusst?“ Da sei er nervös geworden, so Fuhs, aber Willi Gruber stellte drei Schwenker mit Cognac hin und sagte: „Du wirst Stadtrat. Prost!“ Auch daran, dass er als Berichterstatter im Gemeinderat einst seine Brille vergaß, erinnert sich Fuhs noch gut. „Ich habe alle durchprobiert, die von Kocevar hat dann gepasst.“

Herzensanliegen umgesetzt

Aber auch größere Herausforderungen warteten auf die Stadträte. Als Rankl das Feuerwehrreferat übernahm, wurde gerade das FF-Haus in Spratzern gebaut. Weil ein Schulungsraum dazukommen sollte, schossen die Kosten in die Höhe. „Ich habe zu meinem Vorgänger gesagt: Was hinterlässt du mir da. Aber er meinte nur: Du machst das schon.“ Von den vielen Projekten lagen Rankl die Baurechtsgründe in

St. Georgen besonders am Herzen. „Es gab einige Anfragen, aber wir mussten die Leute vertrösten“, so Rankl. Überraschend meldete sich eine ältere Dame und verkaufte der Stadt ein großes Areal. „16 Parzellen konnten wir vergeben. Mittlerweile gibt es dort 25 kleine Kinder, eine ganze Schulklasse“, freut sich Rankl. Das Highlight von Fuhs war der Bau des Stadions, der viel Engagement der Stadt erforderte.

In den nächsten Wochen sind die beiden damit beschäftigt, all ihre Funktionen geordnet zu übergeben. „Von einem Tag auf den anderen aufzuhören, das liegt uns nicht.“