Ajdina (5) bekam in St. Pölten Gehör

Erstellt am 23. Dezember 2014 | 05:53
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Foto: NOEN
Im Universitätsklinikum bekam das Mädchen aus Kirgistan ein Cochlear-Implantat, nun kann sie hören.

Was in Österreich medizinischer Alltag ist, war für die fünfjährige Ajdina aus Kirgistan ein Hoffnungsstreifen am Horizont: Das Mädchen litt an einer Hörstörung – ein Defizit, das in ihrer Heimat nicht behandelt werden konnte. Ein Implantat macht es dem Mädchen möglich, endlich die Stimmen ihrer Eltern zu hören. Im Internet machten Mutter Nazgul und Vater Kanat Bekbulatova auf die Not ihres Kindes aufmerksam. Das sah die Prof. Ernst Lehnhardt-Stiftung, welche Cochlaer und das St. Pöltner Universitätsklinikum als größtes Implantat-Center Österreichs zusammenführte. Der St. Pöltner HNO-Experte Georg Sprinzl setze schließlich das Cochlear-Implantat ein, und gab so Ajdina ihr Gehör.

„Wir sehen es als unsere Aufgabe, Menschen weltweit an der Klangvielfalt des Hörens teilhaben zu lassen“, betont Cochlear-Österreich-Vertriebleiter Anton Zehentbauer, denn schließlich das Gehör der erste ersetzbare Sinn. Zentral war der Zeitpunkt, denn mit fünf Jahren tut sich Ajdina noch im Spracherwerb leichter: „Die Kinder haben dann keine Limits, können die Regelschule besuchen und sich für fast jeden Beruf entscheiden.“

Stimme der Mutter zum ersten Mal gehört

Was einen Menschen, der das erste Mal hört, erwartet, beschreibt Zehentbauer so: „Erwachsene berichten, dass sie anfangs Pfeifen oder eine Micky-Maus-Stimme wahrnehmen.“ Kinder reagieren besonders gut auf die Stimme ihrer Mutter: „Sie kennen die Frequenz bereits aus dem Mutterleib, auch wenn sie die Stimme noch nie zuvor gehört haben.“

Ähnlich lief es für Ajdina, weiß Chirurg Georg Sprinzl, der am St. Pöltner Universitätsklinikum operierte und bei dem emotionalen Moment anwesend sein konnte: „Ich durfte dabei sein, als wir das Implantat das erste Mal ausprobierten. Das Erste, das Ajdina hörte, war die Stimme ihrer Mutter“, erinnert er sich.

„Ich war dabei, als wir das Implantat aktivierten. Das Erste, das Ajdina hörte, war die Stimme ihrer Mutter.“ Georg Sprinzl, Universitätsklinikum

Für Sprinzl steht gelebte Humanität im Vordergrund: „Es ist ein gutes Werk, ein Kind aus einem Schwellenland zu versorgen, das sonst nicht die Möglichkeit gehabt hätte.“ Für ihn als Arzt sei es beeindruckend, welche Fortschritte Ajdina nach der Erstanpassung gemacht hat. Sprinzl wolle am Laufenden bleiben: „Ihre Mutter und ich stehen in E-Mail-Kontakt.“

Das tapfere Mädchen hat St. Pölten inzwischen verlassen und ist in ihrer Heimat: „Anpassungen können via Internet durchgeführt werden“, erklärt Zehentbauer. Außerdem sei das Cochlear-Implantat sehr zuverlässig: „Es kann über Jahrzehnte ohne Eingriffe im Körper verbleiben.“