Laute Güterzüge sind in St. Pölten ab 2024 Geschichte. Über 100 Güterzüge pro Tag fahren trotz GZU durch die Stadt. „Flüsterbremsen“ halbieren den Lärmpegel, versichern ÖBB.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 13. Mai 2020 (04:35)
Mehr als die Hälfte des Güterzugverkehrs auf der Achse Wien-St. Pölten-Linz nutzt die Ende 2017 eröffnete Güterzugumfahrung. Die andere Hälfte fährt nach wie vor durch die Stadt.
Lohninger

730 Millionen Euro investierte die öffentliche Hand in die Güterzugumfahrung St. Pölten (GZU). Die Ende 2017 eröffnete fast 25 Kilometer lange High-Tech-Bahnstrecke sollte dafür sorgen, dass der Transit-Güterverkehr die Landeshauptstadt umfährt. Doch mehr als zwei Jahre später fahren immer noch Güterzüge teilweise lautstark durch die Stadt. Corona-bedingt waren es zuletzt zwar um etwa ein Drittel weniger – aber mit Ende des Shutdowns in weiten Teilen Europas werden es wieder deutlich mehr werden.

„Ziel ist natürlich, dass so viele Züge wie möglich über die neue Strecke fahren“, versichert eine ÖBB-Sprecherin. Bereits jetzt leite die GZU über die Hälfte aller Güterzüge – also etwa 100 pro Tag – um das Stadtzentrum herum. Das senke nicht nur die Lärmbelästigung für Anrainer, sondern schaffe zusätzliche Kapazitäten für den Personenverkehr. Diese Kapazitäten werden bereits ausgeschöpft – anders wäre die seit 2017 erfolgte Verdichtung des Angebotes gar nicht möglich gewesen.

Nicht alle Züge können auf der GZU fahren

Es gibt allerdings nach wie vor Gründe, warum Güterzüge über den Hauptbahnhof geführt werden. Einerseits gibt es den Ziel-Quell-Verkehr – also Güterzüge, die von St. Pölten wegfahren oder St. Pölten als Endstation haben. Andererseits müssen Züge, die aus dem Norden kommen – beispielsweise aus Krems oder Traismauer –, durch die Stadt auf die Westbahn gelotst werden. Dazu kommt, dass nach wie vor Transit-Züge unterwegs sind, die technisch nicht für die GZU ausgestattet sind – also nicht über das elektronische Zugsteuerungssystem ETCS verfügen.

Die ÖBB betonen zugleich, dass sie „große Anstrengungen unternehmen“, dass der Güterverkehr selbst leiser wird. Neben Lärmschutzwänden baut man dabei auf die Umrüstung der Rail-Cargo-Flotte. Aktuell sind bereits über 70 Prozent der ÖBB-Güterzüge mit „Flüsterbremsen“ ausgestattet, bis Ende 2021 werden es 90 Prozent sein. Diese Züge sind um 10 Dezibel leiser – also nur mehr halb so laut. Hintergrund der Umrüstung ist auch, dass auf Stadtstrecken dank einer EU-Verordnung ab Ende 2024 Güterzüge ohne „Flüsterbremsen“ überhaupt verboten sein werden.