Aufträge bei den ÖBB gegen Schmiergeld?

Erstellt am 31. Oktober 2011 | 00:00
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GERICHT / E-Mail trudelte bei Unternehmer ein: Für 60.000 Euro Bakschisch gebe es Aufträge bei ÖBB. Techniker leugnet Betrug.

VON CLAUDIA STÖCKLÖCKER

ST. PÖLTEN /  „Sie müssen aber viele Feinde haben.“ Richterin Mag. Barbara Zauner wundert sich. Vor ihr sitzt ein 35-jähriger Techniker aus dem Bezirk St. Pölten. Einer Konkurrenzfirma seines Dienstgebers soll er via Mail unter der Adresse „topfriseur@gmx.net“ mitgeteilt haben, dass das Unternehmen bei Bezahlung von 60.000 Euro bei Rahmenverträgen bei den ÖBB bevorzugt werde. Ausgeforscht wurde der 35-Jährige dann über die IP-Adresse seines Computers. Versuchter Betrug wird ihm nun im Prozess am Landesgericht vorgeworfen.

Der Angeklagte leugnet, jemand anders soll’s gewesen sein. „Dass sich irgendjemand an Ihren PC gesetzt hat, ist völlig unglaubwürdig“, meint Ankläger Mag. Karl Wurzer. Der Techniker erklärt: „Ich habe einen USB-Stick, auf dem die komplette Sicherung meines PCs und alle Zugangsdaten und Passwörter gespeichert waren, verloren. Und mein WLAN war ungeschützt. Das kann jeder in meiner Umgebung nutzen.“ Von außen habe sich also jemand Zugang zu seinem Internet verschafft. Und die E-Mail-Adresse habe er sich wegen eines Esels zugelegt. „Mit dem geh’ ich jeden Sonntag spazieren. Der steht immer draußen im Freien. Ich wollte anonym Anzeige beim Tierarzt erstatten.“

Massiver Rufschaden soll den ÖBB durch die Aktion entstanden sein, der Verdacht der Korruption stehe im Raum. 1000 Euro fordern die ÖBB für den Ermittlungsaufwand.

Ein Computerspezialist soll nun Klarheit schaffen. Der Prozess wurde vertagt.