Fast 187.000 leben in Stadt und Bezirk St. Pölten. In zehn Jahren wuchs Umland um 5,51 Prozent, die Landeshauptstadt sogar um fast 7 Prozent.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 19. Februar 2019 (04:34)
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Die Region hat wieder Zuwachs bekommen. 131.079 Menschen lebten zu Jahresbeginn in den 45 Gemeinden im Bezirk St. Pölten – um 472 (+0,36 Prozent) mehr als im Vorjahr. Im vergangenen zehn Jahren stieg die Einwohnerzahl um 5,51 Prozent. Die Landeshauptstadt legte im Vergleich dazu um knapp sieben Prozent zu.

Am deutlichsten gewachsen ist in diesem Zeitraum – im Verhältnis zur Gemeindegröße – die Gemeinde Haunoldstein, die 179 Bürger (+17,43 Prozent) dazugewann. Überraschend ist das für Bürgermeister Hubert Luger nicht: „Wir haben den Wohnbau vorangetrieben und beispielsweise Grundstücke für Genossenschaften in der Gemeinde gesucht.“ Auch zusätzliche Baugrundstücke seien aufgeschlossen worden. „Außerdem haben wir es geschafft, Baulücken im Zentrum zu schließen. In alten Firmenhäusern oder leer stehenden Bauernhäusern entstanden Wohnungen, auch aus dem alten Gemeindeamt wurde Wohnraum“, informiert der Bürgermeister. Die Gründe, warum die Gemeinde so beliebt ist, liegen für Luger auf der Hand: „Die Nähe zu St. Pölten, dass jede Stunde ein Zug fährt, die Autobahnauffahrt und die Natur.“

Unter den Top drei der wachsenden Gemeinden ist auch Gerersdorf. Mit fast 100 Personen mehr als 2009 liegt die Gemeinde an der Grenze zur Landeshauptstadt nur noch knapp unter 1.000 Einwohner. „Wir sind langsam gewachsen. Uns ist wichtig, darauf zu schauen, kleine Schritte zu machen“, erklärt Bürgermeister Herbert Wandl. Die Gemeinde habe darauf geachtet, nie zu viel Fläche umzuwidmen. Es sollte keine ganze Siedlung aus dem Boden gestampft werden. „Wir könnten sicher jedes Jahr um 15 Baugründe mehr verkaufen, aber das wollen wir gar nicht, sonst wachsen wir viel zu schnell.“

Dass ihre Gemeinde so beliebt ist, freut auch Bürgermeisterin Katharina Wolk. Asperhofen ist um über elf Prozent gewachsen. Hauptgrund sei der Bahnhof Tullnerfeld. „Weil Asperhofen so attraktiv für die Leute ist, haben wir hinter dem Grundstück für die neue Volksschule zusätzliche Baugründe aufgeschlossen.“

 Wachstum bringt auch Probleme

 Wenig Freude mit dem raschen Wachstum haben einige Gemeinden im Wiener Umland. Pressbaums Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner etwa sieht dadurch einige Probleme. Seine Gemeinde legte in den vergangenen zehn Jahren um 15,89 Prozent zul. „Für uns ist die Situation sehr schwierig, da wir zu wenige finanzielle Mittel für Infrastruktur zur Verfügung haben – etwa um Schulen zu erhalten oder zusätzliche Kindergartenplätze zu schaffen. Seit dem Vorjahr kommt auch noch der Schutz vor Katastrophenereignissen dazu. Wir müssen viele Millionen Euro in neue Verbauungen investieren“, erklärt Schmidl-Haberleitner. Die Gemeinde habe große Bauland-Flächen und könne niemandem verbieten, dort zu bauen. „Allerdings wurden im Zentrum schon Maßnahmen gesetzt, um das Wachstum zu regulieren: Wir haben eine Bausperre erlassen, die wahrscheinlich auch auf andere Bereiche ausgedehnt wird.“

Erst wenn Pressbaum die 10.000-Einwohner-Marke erreiche, würde zusätzliches Geld in den Budgettopf fließen. „Das ist nicht unser Ziel“, so Schmidl-Haberleitner. „Wir hätten dadurch auch mehr Aufwand.“

 Gemeinden in Randlagen schrumpfen

 Keine Gedanken über solche Probleme müssen sich manche Bürgermeister im Pielachtal machen. Loich, Frankenfels und Schwarzenbach haben in den letzten zehn Jahren am meisten Einwohner verloren. „Man muss die Zahlen aber im Zusammenhang sehen“, meint der Frankenfelser Bürgermeister Franz Größbacher. So lebten 2015 noch 70 Flüchtlinge in Frankenfels, aktuell seien es nur mehr 20.

Dass es auch Zeiten des Wachstums gibt, zeigt Schwarzenbach. In den vergangenen Jahren kamen wieder Leute dazu. „Leer stehende Objekte konnten vermietet werden. Ein Ehepaar fährt sogar drei Stunden täglich nach Guntramsdorf in die Arbeit“, freut sich Bürgermeister Ernst Kulovits, über aktuell steigende Bevölkerungszahlen. „Ich mache mir aber keine Hoffnungen, dass es lange so weitergeht.“

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