Abstand halten: Nikolaus heuer nur aus Ferne. Bald ist Nikolaus-Abend da. Das ist auch heuer im Corona-Jahr so. Der Nikolaus wird aber aufgrund der Sicherheitsbestimmungen der Bundesregierung nur von der Ferne aus zu bewundern sein, denn bei der Haustür ist Schluss. Vereine und Organisationen aus dem Bezirk St. Pölten haben sich Alternativen überlegt, wie der Nikolausabend ohne Nähe zur Hauptperson dennoch gelingen kann.

Von Martin Gruber-Dorninger und Bernhard Burmetler. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:00)
Zwei Meter Abstand heißt es heuer auch für den Nikolaus. Ein Besuch an der Haustür ist mit Abstand möglich. Trotz Corona gibt es aber genug Gelegenheiten, die Legende des Heiligen Nikolaus erfahrbar zu machen.
Diözese St. Pölten

„Das Leuchten der Kinderaugen wird mir heuer schon abgehen“, ist Hobby-Nikolaus Jürgen Kremsner von den Kinderfreunden enttäuscht. Seit Jahren zieht er sich das Nikolo-Kostüm über und geht von Haus zu Haus. Dort klopft er mit seinem Hirtenstab an die Türen und betritt bedächtig die Häuser und Wohnungen. Mit seiner roten Kopfbedeckung, in Fachkreisen Mitra genannt, versucht er, die Deckenlampen nicht zu streifen. Nach dem Aufsagen einiger bewährter Sprüche werden die Nikolo-Sackerl an die hoffnungsvollen Kinder verteilt. „Es ist schon immer etwas Besonderes und das sind unbezahlbare Momente“, so Kremsner. Auf diese Momente muss er heuer verzichten. Als kleines Ersatzprogramm werden die Kinderfreunde ein kleines, weihnachtliches Kasperltheater auf ihrer Homepage online stellen.

Kein Nikolo bei den Turnstunden

Auch in den St. Pöltner Turnsälen wird es heuer keinen Nikolaus-Auftritt geben. Senta Werner-Mischak organisiert seit vielen Jahren die Nikolaus-Aktion bei der Union. „Es gibt heuer keine Turnstunden und daher auch keinen Nikolaus, der den Kindern die Sackerl überreichen kann“, bedauert Werner-Mischak. Normalerweise tanzen oder turnen die Kinder dem Nikolaus etwas vor und bekommen dann ein Sackerl. Über 200 sind das jährlich. „Es ist schade, dass das heuer nichts wird“, so Werner-Mischak. Sie selbst hat einen dreijährigen Sohn, dem sie schonend beibringt, dass der Mann mit dem weißen Rauschebart heuer nicht kommen kann. So wie der Familie WernerMischak geht es auch vielen St.Pöltner Familien.

Für alle, die der Nikolaus heuer nicht persönlich besuchen kann, hat die Katholische Jungschar der Diözese St. Pölten das Handout „Nikolausfeier in der Familie“ gestaltet. Zu der Idee erzählt Constanze Schilling, zuständig für Nikolausangelegenheiten: „Wir möchten allen einen Feiervorschlag anbieten, um in dieser herausfordernden Zeit innerhalb und mit dem engsten Familienkreis das Nikolausfest zu feiern und selbst zu gestalten.“ In der Broschüre gibt es Lieder, Gedichte, Rezepte, Bastel-Ideen sowie einen Ablauf für eine innerfamiliäre Feier. „Wir möchten den Kindern und Eltern damit auch einmal zeigen, wie es ist, in die Rolle des Nikolaus zu schlüpfen“, ergänzt Schilling.

„Das Leuchten der Kinderaugen wird mir heuer schon abgehen“

Im Hinblick auf den Inhalt der Nikolo-Sackerl meint Schilling: „Da Weihnachten am 6. Dezember schon sehr nah ist, ist weniger oft mehr.“ Es soll nicht um die Geschenke gehen, sondern um die Bedeutung der Heiligenfigur. Traditionell sind Mandarinen, Nüsse und Trockenfrüchte angebracht, aber es dürfen auch Kleinigkeiten sein.

Mit den Aufmerksamkeiten soll den Kindern auch signalisiert werden, dass es wichtig ist, einen Platz in der Familie zu haben. Wichtig wäre es auch, die Geschichte des Heiligen Nikolaus zu erzählen. Den Kindern soll vermittelt werden, dass der Nikolaus wirklich existierte. Mit dem alljährlichen Besuch des Nikolaus soll die Legende für die Kleinen erfahrbar sein.

Das wird heuer nicht in gewohnter Weise gehen, daher sind auch Nikolobesuche über Youtube und Facebook mit Videobotschaften geplant.

Umfrage beendet

  • Begrüßt ihr die Ausnahme für Nikolaus-Besuche im Corona-Lockdown?