Apotheke gegen Hausapotheke: Eine Mischung als Lösung?. Viele Ärzte und Apotheker sehen in einander Konkurrenz. Manche sehen Zukunft in Zusammenarbeit.

Von Nadja Straubinger, Birgit Kindler und Cornelia Weninghofer. Erstellt am 03. September 2019 (03:28)
Gerhard Hackner
„Apotheker rühren Salben an, mischen Augentropfen und kümmern sich um Substitutionspatienten“, wünscht sich Abdul Nasser Mahmoodzadeh von der Apotheke in Kirchberg Wertschätzung.

 Die Konkurrenz zwischen öffentlicher Apotheke und ärztlicher Hausapotheke sorgt wieder für Diskussionsstoff. Gerade gingen in Altlengbach die Wogen hoch. Allgemeinmediziner Günter Malli musste dort seine Hausapotheke schließen, weil eine öffentliche Apotheke eröffnete.

Laut Bezirksärztevertreter Andreas Barnath ist die Situation im Bezirk unterschiedlich: Es gibt viele kleine Gemeinden mit Hausapotheke, aber auch zahlreiche Gemeinden mit Apothekenversorgung. Hausärzte gebe es derzeit noch überall genug. „Die Möglichkeit der Medikamentenabgabe über Hausapotheken würde sicher die eine oder andere Stelle wirtschaftlich für den Arzt attraktiver machen“, ist Barnath überzeugt. In kleinen Gemeinden mache das Führen von Hausapotheken Ordinationen erst wirtschaftlich lebensfähig. „Die Versorgung aus einer Hand – Diagnose und Therapie durch den Arzt – ist die patientenfreundlichste Variante und meiner Meinung nach die zukunftsträchtigste“, meint der Bezirksärztevertreter.

Uneinigkeit, wer schneller hilft

Gegensätzlicher Meinung ist der Kirchberger Apotheker Abdul Nasser Mahmoodzadeh: „Ärzte machen in der Nacht keine Notdienste und haben kurze Öffnungszeiten. Patienten, die zu späten Uhrzeiten oder in der Nacht schnell ein Medikament brauchen, haben Pech gehabt“, argumentiert er.

Durch Bereitschaftsdienste seien Apotheken 365 Tage im Jahr geöffnet. Dass eine ärztliche Hausapotheke viele Wege erspare, berichtet Gernot Schultes aus Neidling aus der Erfahrung als Arzt mit Hausapotheke. „Es sind oft bettlägrige Kranke, die niemanden bei der Hand haben, der für sie zur Apotheke geht. Ich als Arzt mit Hausapotheke kann die verordneten Medikamente gleich mitbringen“, erklärt Schultes. Ein weiterer Aspekt sei die Teilnahme am allgemeinmedizinischen Notdienst. Ein „Umweg“ über die öffentliche Apotheke würde Zeit kosten.

Weil zu viele Hausapotheken zum Zusperren öffentlicher Apotheken führen würden, befürchtet Abdul Nasser Mahmoodzadeh, dass Arbeitsplätze in der Region verloren gehen. „Apotheken sind familienfreundlich, viele Frauen mit Kindern finden hier Arbeit.“ Auch Salben mischen und Augentropfen gehören zum Repertoire der Apotheker. „Hinter dem Pharmaziestudium steckt harte Arbeit und die sollte wertgeschätzt werden“, wünscht sich der Apotheker.

„Es könnte verschiedene Möglichkeiten der Abrechnung geben, etwa eine Medikamentenabgabepauschale, um das Argument der Übermedikation und Bereicherung durch den Arzt zu entkräften“, spricht Barnath einen weiteren Punkt in der Diskussion an.

Schultes sieht keine Konkurrenz zwischen Ärzten und Apothekern und das Thema ärztliche Hausapotheke als „Summe an Versäumnissen von Ärzten, Apothekern und Gesundheitspolitikern“. Er schlägt vor, „für ländliche Regionen ein Mischmodell zu kreieren: Arzt mit Hausapotheke, betreut von der nächsten großen Apotheke.“ Der Arzt nehme dann an Fortbildungen der Apotheker teil und erhält Know-how für das Betreiben einer Apotheke. Der Apotheker berät bei heiklen Fragen wie Suchtgiften.

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