Böheimkirchen , Nußdorf ob der Traisen , Neulengbach , Pressbaum , Rekawinkel

Erstellt am 17. Oktober 2018, 08:58

von Alex Erber

Drei Akademiker als Diebe. Moldawier absolvierten Studium, sie litten jedoch unter chronischer Geldnot. Das Trio entschied sich, in Österreich fette Beute zu machen. Jetzt setzte es Haftstrafen.

Symbolbild  |  APA (Feature)

Gartenhütten hatte ein 22-Jähriger mit einem unbekannten Komplizen im Jänner heimgesucht. Mit zwei anderen Tätern (25) und (27) war er im Juni auch bei Carports und Garagen aktiv. Erbeutet hat das Trio aus Moldawien Fahrräder, Fahrradhelme, Sägen, Benzin, Reifen, Bargeld. Tatorte waren Franzhausen, Böheimkirchen, Neulengbach, Pressbaum, Rekawinkel und Loosdorf.

Beim Prozess am Landesgericht St. Pölten zeigen sich die Männer zu den Taten geständig. Klären muss der Richter, ob es sich um schwere Diebstähle (Strafrahmen bis drei Jahre Haft) oder Diebstähle durch Einbruch (bis fünf Jahre Haft) handelt. Die Gewerbsmäßigkeit des Handelns steht außer Frage.

Die Angeklagten sind laut eigenen Angaben Akademiker. Mangels Beschäftigung entschied sich der 25-Jährige., in seinem Dorf eine Autowaschanlage zu betreiben. Der 27-Jährige., ebenfalls chronisch unter Geldnot leidend, arbeitete bei ihm. Der Jüngste im Bunde war Kunde. Er dürfte es gewesen sein, der vorschlug, nach Österreich zu reisen, Diebstähle zu begehen und das Diebesgut in der Heimat weiterzuverkaufen, zumal es ja bei den ersten Coups im Jänner schon geklappt hatte.

In Österreich geriet das Trio prompt in eine Polizeikontrolle, Schraubenzieher und Arbeitshandschuhe wurden vorgefunden. Nachweisen konnte man den Männern nichts. Sie standen jedoch fortan unter Beobachtung und wurden einige Tage später auf frischer Tat ertappt.

Maschendrahtzaun hat Strafhöhe beeinflusst

Wie sich bei Gericht herausstellte, dürften die Kriminellen nur einen einzigen Einbruch begangen haben, weil es in Loosdorf einen etwa 1,50 Meter hohen Maschendrahtzaun überwunden hatte und dabei, wie es so schön heißt, die Körperhaltung maßgeblich verändert haben. Wäre der Zaun niedriger gewesen und sie hätten ihn einfach überspringen können, wäre auch diese Untat als Diebstahl zu qualifizieren gewesen.

Die Urteile sind bereits rechtskräftig: Der 22-Jährige wurde zu 15, die beiden Komplizen jeweils zu zehn Monaten unbedingter Haftstrafe verurteilt.

Aufmerksam verfolgt worden ist der Prozess von steirischen Polizeischülern, die ihre Ausbildung in St. Pölten absolvieren. Sie werden die Ohren gespitzt haben, als der Richter appellierte, bei Einvernahmen von Opfern zum Diebesgut nicht auf dessen Neuwert, sondern auf den Restwert zu achten; ausschließlich der Restwert ist für die Klassifizierung der Beute und letztendlich für das Urteil wichtig.