Ehrenamt Nikolaus: „Sieht aus wie echter Nikolaus“. Viele „Nikoläuse“ sind seit Jahrzehnten im Amt. Neu dabei: eine Frau.

Von Marlene Groihofer, Thomas Werth und Hans Kopitz. Erstellt am 03. Dezember 2019 (04:01)
Josef Oberleithner aus Weinburg ist seit 1973 als Nikolaus unterwegs.
NOEN

Seit dem Jahr 2006 spielt der Feuerwehrmann Hans-Richard Neuhauser aus Gutenbrunn den Nikolaus, der jedes Jahr von vielen Kindern vor dem Feuerwehrhaus erwartet wird. „Spielen ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn ich lege mich richtig hinein und freue mich jedes Jahr darauf. Ich habe eigentlich nur zwei Hobbys, das eine ist die Gestaltung des Wandertages und das andere ist die Nikolausfeier“, erklärt der 72-jährige Gutenbrunner, der bis jetzt fast immer mit der Pferdekutsche angefahren kam. „Aber heuer komme ich zu Fuß und ich bin sogar froh darüber, denn seit ein Hund die Pferde angesprungen ist und diese fast durchgingen, habe ich doch Angst davor.“

Nikolaus aus Leidenschaft: Hans-Richard Neuhauser aus Gutenbrunn.
Hans Kopitz

Die Faszination ist sowohl für die Kinder als auch für den Nikolaus auch nach den vielen Jahren noch da. „Früher haben mir die Kinder öfter Zeichnungen gebracht, die sie von mir angefertigt haben, das hat eher nachgelassen. Die Kleinen sehen in mir ja doch den Nikolaus, während die Größeren – so ab neun, zehn Jahren – schon wissen, wer hinter dem riesigen Bart und der Bischofsmütze steckt. Aber sie kommen noch immer – und darüber freue ich mich besonders“, so Neuhauser.

Josef Oberleithner aus Weinburg ist seit 46 Jahren als Nikolaus unterwegs – von der Landesregierung bis zum Kindergarten. Sein Markenzeichen: Bart und Haar sind kein Kostüm. Auch unterm Jahr wird rund um ihn getuschelt: „Der sieht aus wie der Nikolaus.“

Ein Mädchen habe ihm einst versprochen, es werde aufhören Nägel zu beißen, schildert der Weinburger. 20 Jahre später sei er von einer Frau in einem Restaurant angesprochen worden: Herr Nikolaus, habe sie gerufen: „Ich beiße immer noch Nägel!“. Wichtig sei es ihm, in seiner Rolle als Nikolaus nicht „als Erziehungsapostel“ aufzutreten. „Ich frage die Kinder zum Beispiel, wie es ihnen mit ihren Geschwistern geht, ob sie sich wieder versöhnen nach einem Streit oder wie es mit dem Wegräumen aussieht.“ Verbote, wie manchmal von Eltern erwünscht, spreche er aber nicht aus: „Nie würde ich etwa sagen: Du darfst den Schnuller ab jetzt nicht mehr nehmen.“

„Es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der auch etwas über den religiösen Hintergrund erzählen konnte

Einen anderen Weg musste Organisatorin Mirsada Zupani bei der traditionellen Christbaumerstbeleuchtung in Stattersdorf gehen. Weil der viele Jahre lang im Einsatz gewesene Nikolaus aus gesundheitlichen Gründen nicht mitmachen konnte, musste rasch Ersatz gesucht werden. „Es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der auch etwas über den religiösen Hintergrund erzählen konnte“, berichtet Zupani. Da die SP-Gemeinderätin schlussendlich keinen Politiker-Kollegen in ein Kostüm stecken wollte, schlug sie einen anderen Weg ein. „Wir haben dann eine Frau genommen“, schildert Zupani. Freilich nicht als verkleideten Nikolaus, sondern als Vertretung des bärtigen Mannes. „Wir haben den vielen Besuchern gesagt, dass der Nikolaus leider krank geworden ist, er aber aus seinem Team Ersatz geschickt hat“, so Zupani.

Kerstin Haberle hat sich eine rote Mütze aufgesetzt und sich einen roten Mantel angezogen. „Es gab keinerlei Beschwerden – ganz im Gegenteil. Kerstin wurde super angenommen, sie konnte auch perfekt mit den Kindern umgehen“, so Zupani, die nicht zuletzt aufgrund des „Personalmangels“ an Nikoläusen überzeugt ist: „Wir werden in den kommenden Jahren viele Frauen auf Adventmärkten sehen, die die Geschenke verteilen.“

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