Erstellt am 14. Juli 2018, 03:53

von Birgit Kindler

Pässe nur in neun Gemeinden . Bürgermeister sind geteilter Meinung, was das Beantragen von Ausweisen vor Ort angeht.

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16.147 Reisepässe und 1.822 Personalausweise wurden im „Mega-Passjahr“ 2017 an der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten ausgestellt. Im ersten Halbjahr 2018 waren es bereits 7.754 Pässe und 1.051 Personalausweise. Ab November können Reisepässe auch am Gemeindeamt beantragt werden – sofern das vom Gemeinderat beschlossen wurde. Dafür muss Personal geschult werden, außerdem werden ein Fingerprint-Gerät und eine Bankomat-Kasse benötigt. „Einen Pass beantragen können nur jene Bürger, die auch in der jeweiligen Gemeinde gemeldet sind“, erläutert Bezirkshauptmann Josef Kronister. Aus heutiger Sicht wird das nur in neun Gemeinden von 45 im Bezirk (siehe Infobox) möglich sein.

Gar nicht in Frage kommt dieses Service für Wilhelmsburgs SP-Bürgermeister Rudolf Ameisbichler. „Wem das eingefallen ist, dem war fad“, ist er verärgert. Diese Einführung sei eine Wahnsinnstat, bei der nur die Bürokratie erhöht werde. Die Bezirkshauptmannschaft sei eine professionell geführte Institution, die die notwendigen Mitarbeiter, die Räumlichkeiten sowie die Hard- und Software zur Verfügung habe. „Außerdem glaube ich schon, dass es einmal in zehn Jahren zumutbar ist, auf die Bezirkshauptmannschaft zu fahren, um seinen Pass zu verlängern“, so Ameisbichler. Das sieht auch Neidlings VP-Bürgermeister Karl Schrattenholzer so: „Wir liegen so nah bei St. Pölten und außerdem gibt es bei der BH gleich einen Fotografen in der Nähe.“ In Neidling habe es dazu auch keine Nachfrage gegeben.

Große Nachfrage in Gerersdorf

Anders ist die Situation in Gerersdorf: Obwohl die kleine Gemeinde gleich neben St. Pölten liegt, gab es hier sehr wohl Bürger, die sich diesen Service wünschten. „Ich habe auch gedacht, dass es bei uns aufgrund der Nähe zu St. Pölten kein Thema ist, aber weil wir schon zehn Anfragen hatten, werden wir es machen“, so Gerersdorfs VP-Bürgermeister Herbert Wandl. St. Margarethen mit knapp über 1.000 Einwohner hat sich als einzige Pielachtal-Gemeinde entschieden, diesen Service anzubieten. Ebenso wie Haunoldstein: „Der Aufwand ist nicht allzu groß“, meint VP-Bürgermeister Hubert Luger, der auch glaubt, dass in nächster Zeit weitere bürokratische Aufgaben auf die Gemeinden zukommen könnten: „Vielleicht wird es ohnehin bald Pflicht sein, da machen wir es gleich.“

Andere Gründe waren in der Stiftsstadt Herzogenburg Anlass für die Einführung. Weil auch Traismauer diesen Service anbietet, will man laut SP-Bürgermeister Franz Zwicker keine schiefe Optik erzeugen.Einen besonderes Angebot gibt es in Kapelln – hier bekommt man zwar keine Pässe, „aber wer beispielsweise ein Geh-Problem hat, wird vom E-Fahrzeug zur Bezirkshauptmannschaft chauffiert“, erläutert VP-Bürgermeister Alois Vogl.