Coronakrise macht den Trafiken zu schaffen. Blauer Dunst, Lotto & Co.: Coronakrise macht den Kiosken zu schaffen, wobei der Standort ganz entscheidend ist. Reaktionen sind eingeschränkte Öffnungszeiten und Kurzarbeit.

Von Alex Erber. Erstellt am 09. April 2020 (03:53)
Auch Susanne Kadanka am Herzogenburger Rathausplatz beklagt finanzielle Einbußen. Sie freut sich jedoch über die Kundentreue.
Hans Kopitz

Die Coronakrise betrifft auch die Trafiken. Man könne jedoch nicht alle Kioske über einen Kamm scheren, sagt der stellvertretende Landes gremialobmann der Trafikanten, Otmar Schwarzenbohler: „Es ist in erster Linie eine Frage des Standortes.“

Halten am Tullner Hauptplatz hinter einer Plexiglas-Wand eisern die Stellung: Romana Glösl und Thomas Hausl.
Alex Erber

Schwarzenbohler betreibt selbst eine Trafik im St. Pöltner Einkaufszentrum Traisenpark und gehört damit zu den „Problemfällen“: „In Bahnhöfen, Einkaufszentren oder Einkaufsstraßen gibt es Ausfälle bis zu 90, 95 Prozent, im schlimmsten Fall geht das Ganze bis hin zum Totalausfall. Da haben wir gewaltige Schwierigkeiten.“

Gähnende Leerenach Hamsterkäufen

Thomas Hausl ist Trafikant am Tullner Hauptplatz, wo sich zumeist gähnende Menschenleere eingestellt hat. Er erinnert sich: „Am Tag, an dem die

Bundesregierung ihre Coronamaßnahmen verkündet hat, verzeichneten wir das Viereinhalbfache des normalen Umsatzes. Am Montag danach gab es auch bei uns regelrechte Hamsterkäufe.“ Danach sei es ganz still geworden: „Zwei Wochen lang war es derart ruhig, dass ich fast Panik bekommen habe. Mittlerweile hat sich die Situation beruhigt; aber wenn wir noch zwei solche Wochen gehabt hätten, wäre die Situation sehr bedrohlich gewesen.“

Der Jungunternehmer, der erst Anfang des Jahres in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, stimmt Otmar Schwarzenbohler zu, dass der Standort ganz entscheidend sein dürfte: „Wir haben jahrelang davon profitiert, jetzt wäre er uns fast auf den Kopf gefallen.“

Vorteile hätten Trafiken, die sich neben Einkaufsmärkten wie Merkur oder Hofer positioniert haben, aber vermutlich auch Kollegen in Grenzregionen: „Der Schmuggel dürfte jetzt zum Glück zur Gänze wegfallen.“

Als Reaktion auf die Krise ist auch bei den Trafiken Kurzarbeit angesagt: „Man muss die Fixkosten in den Griff bekommen und auf die Liquidität achten“, so Otmar Schwarzenbohler: „Denn viele Zahlungen, etwa bei der Lotterie, laufen nach.“

Kurzarbeit herrscht daher auch in der Gartenstadt: „Unsere acht Angestellten sind davon betroffen. Die Öffnungszeiten sind auch geringfügig eingeschränkt worden“, berichtet Thomas Hausl.

„Kunden halten uns die Treue“

Mit reduzierten Öffnungszeiten hat auch Trafikantin Susanne Kadanka am Herzogenburger Rathausplatz auf die Coronakrise reagiert: „Wir verzeichnen finanzielle Einbußen, doch ich bin trotzdem froh darüber, dass uns viele Kunden in dieser schwierigen Zeit die Treue halten.“ Was auch Otmar Schwarzenbohler bestätigt: „Generell kann man sagen, dass es am Land etwas einfacher ist als in der Stadt.“