Wenn sich Fans am Fußballplatz im Ton vergreifen. Oftmals sind‘s die Eltern kleiner Kicker, die für Wirbel sorgen.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 12. März 2019 (03:24)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Das scheint bitter nötig, denn auch in unserer Region mehren sich die Problemfälle. „Es ist schlimmer geworden“, stellt Rabensteins Fußballobmann Hubert Grünbichler fest. Immer mehr Eltern „sehen nur ihr eigenes Kind, jeder glaubt, sein Sprößling ist ein Super-Talent.“ Selbst bei kleinen Konflikten kommt‘s schon zur Drohung mit einem Vereinswechsel. „Weglaufen, den leichtesten Weg gehen“, nennt das Grünbichler. „Dabei ist Fußball ein Teamsport. Da geht‘s um das Einfügen in eine Gemeinschaft, um‘s Verlieren lernen, um‘s Lösen von Problemen. Das ist heute offenbar nicht mehr gefragt.“

Probleme, die schon in den Schulen auftauchen, ziehen sich weiter auf den Fußballplatz: „Dort ist auch immer der Lehrer Schuld, im Verein eben der Trainer.“ Als Obmann sieht Grünbichler seine Aufgabe, „die Trainer zu schützen und den Eltern Grenzen aufzuzeigen.“

Walter Brandstätter, aktuell Trainer beim ASV Statzendorf und früher im Landesausbildungszentrums (LAZ) St. Pölten tätig, registriert ähnliche Tendenzen. „Da ist auch von Seiten der Nachwuchstrainer mehr Selbstbewusstsein gefragt. Sie müssen klar machen, dass es nicht elf Trainer geben kann, sondern nur einen.“

Robert Weber „beneidet keinen Jugendtrainer. Die müssen eher die Eltern erziehen als die Kinder.“ In drei Jahrzehnten als Schiedsrichter hat sich der Spratzerner eine „dicke Haut“ zugelegt: „Die braucht‘s auch. Viele junge Kollegen werfen beim ersten Widerstand das Handtuch. Die Spieler selbst seien disziplinierter als noch vor einigen Jahren. „Gerade in der Kampfmannschaft. Dort hat das Geld die Emotion abgelöst, auch im Unterhaus.“

„Elternzonen“ sollen Konflikte entschärfen

Markersdorfs Nachwuchsleiter Thomas Weisshappl setzt auf den Dialog mit den Eltern: „Als Verein ist uns wichtig, dass wir Respekt vor Mitspielern und Gegnern vermitteln.“

Wege, die Emotionen der Fans zu „kanalisieren“, zeigt auch der SKN St. Pölten auf. „Seit einem Jahr stellen eine Besserung fest“, sagt Jugendleiter Dominik Krautgartner. Zwölf Jungteams kicken unter dem Dach des Bundesligisten. Bei den Kleinsten setzt man – neben Info-Abenden – auf sogenannte Elternzonen. „Der Platz direkt an der Seitenlinie ist tabu, der gehört der Mannschaft und ihrem Trainer. Distanz hilft“, sagt der SKN-Jugendleiter. Manche seiner Trainer gehen noch einen Schritt weiter. Schimpfen die Eltern, wird der Junior kurz ausgetauscht, um die „Großen“ auf das Fehlverhalten hinzuweisen.

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