St. Pölten

Erstellt am 15. November 2018, 18:07

von Mario Kern

Möwe: Mehr Fälle mit schwerem Missbrauch. Kinderschutzzentrum verzeichnet mehr Meldungen massiver sexueller Übergriffe, deutet es als Zeichen wachsenden Bewusstseins.

Irene Kautsch und Eva Brenner sind froh, dass immer mehr Eltern sensibilisiert sind.  |  Mario Kern

„2018 ist ein sehr intensives Jahr geworden“, betont Irene Kautsch, Leiterin des Kinderschutzzentrums Möwe. Seit Jänner hatte Kautschs Team auffallend viele schwere Fälle mit massivem sexuellen Missbrauch in frühester Kindheit.

„Das macht uns trotz aller Professionalität betroffen“, ergänzt Stellvertreterin Eva Brenner und betont, dass das fachlich und auch für Familien eine große Herausforderung ist: „Sie müssen gerade bei Kleinkindern mit der Situation weiterleben, dass die restlose Aufklärung der Geschehnisse nur bedingt möglich ist, weil die Kleinsten eben schwerer darüber Auskunft geben können.“

Den Grund für die zahlreichen Meldungen der schweren Fälle sieht das Möwe-Team im größeren Bewusstsein vieler Familien.

„Sensibilisierung löst mehr und mehr Verschleierung ab. Immer mehr Eltern nehmen ihre Kinder ernst und holen sich bereitwilliger Unterstützung von uns“, erläutert Irene Kautsch

In diesem Jahr verzeichnet das Kinderschutzzentrum bereits 307 Fälle, mehr als im Vorjahr (274) und 2016 (300). Die bisher 822 betreuten Klienten liegen noch unter den 957 im vorigen Jahr. „Gerade zum Jahresende hin werden wir aber noch oft konsultiert.“

An den Gründen für den Gang zur Möwe hat sich kaum etwas geändert: Weiterhin ist in mehr als 40 Prozent der Beratungen sexuelle Gewalt das Hauptthema, um jeweils 20 Prozent herum haben sich auch die physische Gewalt und die Trennung der Eltern (mit Verdacht auf Gewalt) eingependelt.

Unterstützung bekommt das Kinderschutzzentrum demnächst: Am Freitag, 23. November, gibt die Band 3Lucky4 – bestehend aus Mitgliedern des Landeskriminalamtes – ab 20 Uhr wie im Vorjahr ein Benefizkonzert im Kulturbeisl Egon.