Konkrete Pläne für Domgarage in St. Pölten. Nach der Exklusivmeldung über Einigung, kennt die NÖN nun die Varianten und deren Kosten.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 13. November 2019 (17:07)
Unter dem Bischofsgarten wird eine Tiefgarage entstehen. Wie groß diese werden kann und wie die Anbindung an den Domplatz ausschaut, zeigen aktuelle Pläne.
Gruber-Dorninger

Die Einigung zwischen Bürgermeister Matthias Stadler und Diözesanbischof Alois Schwarz zur Umsetzung einer Tiefgarage unter den Bischofsgarten, eröffnet neue Möglichkeiten für die Stadtentwicklung. Einig sind sich alle Politiker, dass diese ein wichtiger Schritt in die Zukunft ist. Die Wünsche gehen aber in unterschiedliche Richtungen. Wie die Garage aussehen könnte, zeigen erste Pläne. Die NÖN bekam einen Einblick in die bisher erstellten Unterlagen. Drei Grundvarianten stehen zur Auswahl mit jeweils verschiedenen Möglichkeiten bei den Zugängen. Gemeinsam ist allen die Ein- und Ausfahrt über die Klostergasse.

Drei Grundvarianten stehen zur Auswahl

Variante I wäre von den Gesamtkosten die billigste. Der Ausgang wäre hier über den Innenhof der Diözese. Kosten soll sie zweigeschoßig mit 158 Stellplätzen 16,7 Millionen Euro, dreigeschoßig mit 237 Stellplätzen 19,7 Millionen Euro.

Variante II ist dreigeschoßig mit 276 Stellplätzen. Hier schwanken aber die Kosten je nach Ausgangslösung enorm. Mit Ausgang im Innenhof liegen diese bei 20,7 Millionen Euro. Ein Ausgang über bereits bestehende Tunnel und Wege direkt am Domplatz würde eine Million Euro mehr kosten. Auf 33,4 Millionen Euro käme die Lösung mit einem neuen 65 Meter langen Tunnel direkt zum Domplatz.

Variante III ist eine Maximalvariante mit mehr Stellplätzen pro Geschoß und Ausgang über den Innenhof. In der dreigeschoßigen Ausführung mit 369 Stellplätzen soll sie 25,2 Millionen Euro kosten, mit zwei Geschoßen und 246 Stellplätzen 20,6 Millionen Euro.

Karte: Google Maps; NÖN-Grafik: Bischof/Gastegger

Pro Stellplatz wäre die dreigeschoßige Maximalvariante die günstigste. Ein Platz würde auf rund 69.000 Euro kommen. Am teuersten käme ein Parkplatz der Variante II mit direktem Tunnel auf den Domplatz zu 121.000 Euro. Mit diesen Voraussetzungen geht die Stadt nun auf Partnersuche, für die Umsetzung und Finanzierung. „In enger Abstimmung mit der Diözese“, wie Bürgermeister Matthias Stadler betonte. Ins Gespräch gebracht wird immer wieder die Sparkasse, mit ihrer Zentrale am Domplatz. „Als möglicher Partner sind wir gesprächsbereit. Sollte ein gutes Konzept am Tisch liegen, sind wir als Bank logischerweise mit dabei“, ist Vorstandsdirektor Helge Haslinger für Vorschläge offen.

Parteien betonen gemeinsames Ziel

„Der Bürgermeister muss jetzt schauen, dass man sich nicht in Details verliert. Wir sollten uns schnell zusammensetzen und alle an einem Strang ziehen“, kommentiert VP-Vizebürgermeister Matthias Adl die Neuigkeit. Er erinnert aber auch daran, dass viele Leute im Hintergrund am Zustandekommen dieses Projekts mitgewirkt hätten. FP-Stadtrat Klaus Otzelberger sieht die Anregungen seiner Fraktion zur Umsetzung einer Garage im Bischofsgarten „scheinbar umgesetzt“. Gleichzeitig fordert er zur Unterstützung der Innenstadtbetriebe die Einführung einer Gutscheinmünze für eine Stunde kostenloses Parken in der Kurzparkzone auf Oberflächen-Parkplätzen. „Die Gutscheinmünze soll von der Stadt an die Unternehmer abgegeben und dann deren Kunden ausgehändigt werden“, lautet Otzelbergers Vorschlag.

Markus Hippmann von den Grünen sieht das Garagenprojekt nur als Teil der Lösung: „Ich hoffe, dass durch die Tiefgarage der Domplatz wirklich autofrei wird. Es muss das Ziel sein, dass daraus ein lebenswerter Platz wird. Es muss sich aber auch jemand finden, der das bezahlt.“

Wirtschaft wünscht sich Domplatz-Ausgang

„Die Garage benötigt ausreichende Stellplatzkapazitäten, ein durchdachtes Ein- und Ausfahrtskonzept sowie einen überdachten Ausgang direkt auf den Domplatz“, kommen für Wirtschaftskammer-Obmann Norbert Fidler und Wirtschaftsbund-Obmann Mario Burger nur Versionen der Variante II in Frage. Nur damit würde eine Parkgarage ihre Anforderungen erfüllen und von der breiten Bevölkerung angenommen werden, ist Burger sicher. „Wenn das Preisniveau der Rathausplatz-Tiefgarage annähernd gehalten werden kann, wird die neue Garage ein Erfolg werden“, so Fidler und Burger.

Initiativen fordern Geld für Rad statt Garage

Weniger glücklich mit der neuen Verkehrslösung sind Initiativen, die eine klimafreundlichere Mobilität vorantreiben wollen. Eine „unterirdische Autostadt am Dom“ und das „nächste Millionengrab für nachhaltige Mobilität“ ist die Tiefgarage für Dieter Schmidradler, Obmann der Verkehrswende NÖ. Eine neue Garage ist für ihn das völlig falsche Signal, das Finanzmittel für eine zukunftsfähige Infrastruktur bindet. Mehr Geld für den Radverkehr fordert auch Maria Zögernitz von der Radlobby. „Das Radverkehrsbudget der Stadt liegt heuer bei etwa 265.000 Euro. Die Parkgarage kostet mindestens 16,7 Millionen Euro. Dies entspricht dem Radverkehrsbudget für die nächsten 63 Jahre.“